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Aus der Stadt Unternehmen wollen Flüchtlinge einstellen – nur wie?
Hannover Aus der Stadt Unternehmen wollen Flüchtlinge einstellen – nur wie?
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00:15 12.03.2016
Die Chancen für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt in Hannover stehen gut. Quelle: dpa
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Hannover

Die Chancen für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt in Hannover stehen gut. Die Handwerksbetriebe jedenfalls sehen den Zustrom - gerade von jungen Männern - „definitiv als Chance“, sagt Sabine Wilp, Sprecherin der Handwerkskammer. Insbesondere Gebäudereiniger und Bäcker, aber auch Betriebe aus fast allen anderen Bereichen hatten in den vergangenen Jahren Probleme, freie Ausbildungsstellen zu besetzen. Deshalb werben die Verantwortlichen um Praktikanten und Lehrlinge im Internet. Im kommenden Sommer sollen auf diese Weise rund 500 Flüchtlinge in Niedersachsen eine Ausbildung beginnen. Wichtigste Voraussetzungen dafür sind eine Bleibeperspektive und die Bereitschaft, Deutsch zu lernen.

Ohnehin: Die Sprachkenntnisse sind für viele Berufe die höchste Hürde für Flüchtlinge. Das betont auch Üstra-Sprecher Udo Iwannek: „Wir können unseren Fahrgästen keine Busfahrer zumuten, die ihnen nicht sagen können, was die Fahrkarten kosten.“ Erst wenn dieses Hindernis überwunden sei, „können wir einen Beitrag zur Integration leisten“. Im Hintergrund denkt das Unternehmen schon darüber nach.

Diesen Beitrag wollen auch Gastronomiebetriebe leisten. Unbesetzte Stellen gibt es dort allemal, berichtet Kirsten Jordan vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Hannover. In der Küche und im Service würden immer helfende Hände gesucht. Aber auch hier gilt: ohne Sprachkenntnisse keine Perspektive. Von der Politik erhofft sich Jordan vor allem, dass „der Status der Flüchtlinge schneller geklärt wird“. Erst dann könnten Menschen eingestellt werden.

Das Thema Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt hat gestern auch im Rathaus Experten aus Hannover und dem Umland beschäftigt. Auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Kerstin Tack trafen sich potenzielle Arbeitgeber, Vertreter der Arbeitsagentur und des Jobcenters mit Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok. Der wies darauf hin, dass die Stadt selbst als Arbeitgeber prüfe, an welchen Stellen sie Praktikumsplätze vergeben kann. Gleichzeitig stehe die Verwaltung in engem Kontakt mit Unternehmen, um Flüchtlinge zu vermitteln.

Alle Beteiligten der Gesprächsrunde waren sich einig, dass „jedem, der hier bleibt, auch die Chance zur Integration durch Arbeit oder Ausbildung“ ermöglicht werden müsse, fasste Tack zusammen. Bis dahin sei jedoch noch viel Geduld auf allen Seiten gefragt - und die Politik auf der Suche nach Lösungen gefordert. So bleibt beispielsweise die Frage ungeklärt, welche Abschlüsse aus den Herkunftsländern in Deutschland anerkannt werden. Niemand dürfe unter seiner Qualifikation beschäftigt werden, gleichzeitig dürfe die Qualität der Arbeit nicht sinken, betonte Tack.

Von Gerko Naumann

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