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Aus der Stadt Günter Papenburg feiert 75. Geburtstag
Hannover Aus der Stadt Günter Papenburg feiert 75. Geburtstag
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00:21 29.05.2014
Von Bernd Haase
Günter Papenburg auf seinem Betriebsgelände in der Wedemark kurz vor seinem 75. Geburtstag.  Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

Die Laufbahn des jungen Fuhrunternehmers in der Bau- und Rohstoffbranche begann mit einer Panne. Er hatte sich bei einem Kohlenhändler in Empelde einen gebrauchten Krupp-Lastwagen für 2000 Mark gekauft und mit den Ilseder Schlackewerken einen verlässlichen Auftraggeber an Land gezogen. „Gleich bei der ersten Fahrt bin ich auf der Autobahn liegen geblieben und hatte noch nicht einmal Geld in der Tasche. Zum Glück hat der Kohlenhändler Abschleppen und Autoreparatur bezahlt“, erzählt der Mann. In den fünf Jahrzehnten, die seitdem vergangen sind, hat er einen weiten Weg zurückgelegt. Sein Familienunternehmen ist zu einer umfangreichen, international agierenden Firmengruppe gewachsen, der Jahresumsatz liegt bei 700 Millionen Euro. Am Himmelfahrtstag feiert Günter Papenburg seinen 75. Geburtstag, gleichzeitig wird, leicht verzögert, das 50-jährige Bestehen der Firma gewürdigt.

Papenburg hat in Hannover mehr Spuren hinterlassen als manch anderer. Er spielte und spielt eine Rolle in der sogenannten Stadtgesellschaft, hat sich in all den Jahren ein weitreichendes und mächtiges Beziehungsgeflecht aufgebaut, das er auch zu nutzen weiß. Zu seinen Freunden zählt er beispielsweise den früheren Kanzler Gerhard Schröder. Wer über die Autobahnen der Region fährt, bewegt sich zum nicht unerheblichen Teil auf Papenburg-Pflaster. Als 1984 eines der traditionsreichsten Unternehmen in Hannover, die Hanomag, in die Hände eines Hochstaplers fiel und pleite ging, gründete Papenburg mit zwei Kollegen eine Auffanggesellschaft. Die Hanomag wurde gerettet und später erst in Teilen und dann ganz an den japanischen Baumaschinenhersteller Komatsu weitergereicht. „Ich habe irgendwann gelernt, dass zwischen deutscher Mittelstands- und japanischer Firmenphilosophie Welten liegen“, sagt er.

Ein Unternehmer, der in Hannover einiges bewegt hat

Zur Expo baute er die große Veranstaltungshalle, die heutige TUI-Arena. In ihr wurden die Hannover Scorpions unter seiner Ägide deutscher Eishockeymeister. Zu den Dingen, die ihm nicht gelungen sind, zählt es, den rasanten Sport dauerhaft auf höchster Ebene in Hannover zu etablieren. Nach dem Titeltriumph hat er die Lizenz für die erste Liga nach Schwenningen verkauft. Gemeinsam mit dem e.on-Konzern errichtete er die Müllverbrennungsanlage und kann sich heute noch darüber ärgern, dass diese nicht auf seinem Gelände im Industriegebiet in Misburg, sondern an der Deponie Lahe in unmittelbarer Nähe zum Altwarmbüchener See gebaut wurde: „Der Grünen-Dezernent Hans Mönninghoff hat dafür gesorgt, dass ein Müllofen an einem Naherholungsgebiet entsteht. Das muss man sich mal vorstellen.“ Auf dem ehemaligen Conti-Gelände in Limmer hat Papenburg Altlasten saniert und entwickelt dort als Investor Hannovers derzeit spannendstes Wohngebiet, die Wasserstadt.

Fragt man Papenburg, ob er Hannoveraner aus Überzeugung ist, zögert er ein wenig. „Zunächst einmal bin ich Schwarmstedter“, sagt er. Dort ist er geboren, dort wohnt er auch heute noch mit seiner Frau Hannelore. Und „ja, irgendwo schon“, erklärt Papenburg, sei er auch überzeugter Hannoveraner.

Er ist Baulöwe, Besitzer der TUI-Arena - und Hannoveraner. Günter Papenburg wird am 29. Mai 75 Jahre alt.

Der Unternehmer hat einige Male gehadert mit Stadt und Region. Vor 13 Jahren war das der Fall, als er sich vor dem Landgericht in einem Verfahren wegen illegaler Abfallbeseitigung verantworten musste - aus seiner Sicht zu Unrecht, wie er bis heute betont. „Wir sitzen hier, bis es Freispruch gibt“, erklärte Papenburg damals zu Beginn des Prozesses. Durchhalten ließ sich das nicht; das Verfahren, bei dem er auch von den Medien bundesweit durch die Mangel gedreht wurde, wurde nach 36 Verhandlungstagen gegen Geldbußen eingestellt. „Sie sind ein knochenharter Geschäftsmann und können erhobenen Hauptes aus dem Saal gehen“, gab ihm der Richter August-Wilhelm Marahrens mit.

Als größte Herausforderung und zugleich größte Fehlinvestition bezeichnet Papenburg den Bau der TUI Arena für 75 Millionen Euro. Die Verluste aus dem Betrieb trägt er bis heute allein. „Alle Zusagen, die mir Land, Stadt und Region gemacht haben, sind gebrochen worden“, sagt er. Im Gegenteil würde in unmittelbarer Nähe Konkurrenz mit Steuergeldern gepäppelt, weil sich das öffentliche Unternehmen Messe immer stärker auch im Veranstaltungsbereich engagiere. „Ich liebe Wettbewerb, aber er muss fair sein“, so bewertet er das.

Zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle

Papenburg spricht in der Regel mit überraschend leiser, etwas monotoner Stimme, kann sich aber auch richtig aufregen, wenn ihm etwas nicht passt. Mit dieser Art ist er öffentlich häufiger angeeckt. Ging es mal wieder hoch her, benutzten die Medien im Zusammenhang mit seinem Namen das Wort „umstritten“. Er selbst bevorzugt „streitbar“. „Man muss sich dann aber auch wieder einkriegen können“, erklärt er mit dem leichten Lächeln, das ab und an über sein Gesicht fliegt. Für einen Firmenboss seines Kalibers geht er häufig ans Handy. Von E-Mail- oder SMS-Kommunikation hält er nichts. Seinen Terminkalender führt er selbst, wie er ohnehin gerne alles im Griff hat. „In dieser Firma waren nie irgendwelche Berater. Bei Entscheidungen habe ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen“, sagt er.

Das Bauchgefühl, gepaart mit Schlitzohrigkeit, hat ihm regelmäßig dazu verholfen, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Es sagte ihm, dass Rohstoffabbau und -transport im Westdeutschland der sechziger Jahre eine Boombranche werden würden, weil überall Straßen entstanden. Es führte ihn nach dem Mauerfall nach Ostdeutschland, dort war schließlich Nachholbedarf. Und auch in der globalen Wirtschaft mischt Papenburg mit. Längst baut die Firmengruppe auch Straßen in afrikanischen und osteuropäischen Staaten. Seit er Gerhard Schröder in dessen Zeit als Ministerpräsident mit einer Wirtschaftsdelegation in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion begleitete, hat er eine Affinität für sie - nicht nur geschäftlicher Art. „Die Russen sind uns Deutschen viel näher als die Franzosen“, findet er.

Im Gespräch mit Papenburg fällt häufig das Wort Familie. „Ich bin gerne zu Hause und froh, dass ich eine Frau gefunden habe, die das alles mitträgt“, sagt er. Wie wichtig ihm das Thema ist, sieht man auch daran, dass er sich früh darum bemüht hat, dass die Firma Papenburg eine Firma Papenburg bleibt. Die beiden Töchter Angela und Karin sowie Sohn Klaus sind in führenden Positionen in der Unternehmensgruppe. Ihr Vater macht sich schon Gedanken darüber, wer aus der neunköpfigen Enkelschar wohl einmal in die Fußstapfen tritt. Was ihn selbst angeht: Das Altenteil ist nichts für ihn. An der vordersten Front ist er nicht mehr unterwegs, aber um Strategie und Entwicklung kümmert er sich noch.

Einstweilen lässt Papenburg das Gelände an der Kiesgrube in Wedemark-Negenborn für die anstehenden Feierlichkeiten vorbereiten. Das Jubiläum war eigentlich im vergangenen Jahr fällig. Damals aber gab es das Hochwasser in Sachsen-Anhalt, von dem auch die Papenburg-Niederlassung in Halle betroffen war. Also verzichtete der Chef auf eine Sause und spendete stattdessen 500.000 Euro für die Hochwasseropfer. Jetzt gibt es an drei Tagen ein Fest für die Mitarbeiter, eine Gala und einen Tag der offenen Tür. „Ich feiere nicht oft, aber wenn, dann richtig“, sagt er.

Tag der offenen Tür: Sonntag, 01. Juni, ab 10.30 Uhr, im Kieswerk Negenborn, Varenkamp 1, 30900 Wedemark.

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