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Unternehmer berichten über Ihre Misserfolge

Aus Fehlern lernen Unternehmer berichten über Ihre Misserfolge

Für eine Unternehmensgründung braucht es neben Idee, Konzept und Geld vor allem Mut. Mindestens genauso viel Mut braucht es auch, um sich ein unternehmerisches Scheitern einzugestehen. Bei der FuckUp-Night berichten Unternehmer über Misserfolge und alle wollen daraus lernen.

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Aus den Fehlern anderer lernen: das ist das Konzept der FuckUp-Night.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Noch mutiger ist es, öffentlich über das eigene Scheitern zu sprechen, über Fehler im Detail zu referieren, den eigenen Misserfolg zum Thema einer Präsentation zu machen, aus der die Zuhörer lernen können. Genau diese Idee steckt hinter den sogenannten FuckUp-Nights, die Anna Gubanova und Gabriel Gelman mit Unterstützung des Entrepreneurship-Center der Hochschule Hannover Nexter und von Hannoverimpuls veranstalten. Fünf Referenten erzählen in entspannter Atmosphäre über ihren Werdegang und geben Tipps, Zuhörer fragen nach, trinken Bier, tauschen sich aus. Der Publikumszuspruch ist groß. Zur der dritten Ausgabe im Bredero-Hochhaus kamen am Montagabend fast 200 Besucher - ausverkauft.

Falsche Partner

Monique Blokzyl war über Jahre Führungskraft in Unternehmen bis sie sich mit einem kleinen Team im Bereich Bildungsmanagement selbstständig machte. „Wir verbrannten in fünf Monaten 50 000 Euro, denn wir hatten keinen richtigen Unternehmer im Team.“ Keiner ihrer Partner hatte vorher eine Firma gegründet. Das Unternehmen scheiterte. Heute ist Blokzyl erfolgreiche Gründerin des Business Launch Portal und berät Unternehmensgründer. „Gründer sollten im Team über Werte sprechen“, rät sie. Und man sollte sich fragen, wann man im schlimmsten Fall das unternehmerische Projekt beendet. 

Die Abende gibt es mittlerweile in mehr als 50 Ländern und in 140 Städten weltweit. „Man kann mehr von einer Geschichte des Scheiterns lernen, als von einer Geschichte des Erfolges“, erklären die Veranstalter Gelman und Gubanova. Gubanova forscht selbst über Startups und hat schon drei Unternehmen gegründet hat - nicht immer mit Erfolg.

Fehlender Vertrag

Peter Leppelt wollte 2008 die Welt sicherer machen. Er beriet Unternehmen zu Datenschutzfragen und gründete die Firma praemandatum. Zu den Snowden-Enthüllungen wuchs das Unternehmen fünf Jahre später auf 30 Mitarbeiter an. „Aber wir waren Techniker, wir hatten keine Ahnung vom Juristenkram.“ Als es zu einem Vertrag mit einem großen Auftraggeber kam, unterlief dem Team ein Fehler. Es fehlte eine Art Konventionalstrafe, wenn sich eine Partei nicht an Abmachungen hält. Der Auftrag platzte, Leppelts Team gingen massive Einnahmen verloren. „Ehrenworte sind nicht falsch, richtige Verträge sind besser“, sagt Leppelt, der heute erfolgreich ist. Das Unternehmen für Datenschutzberatung wächst kontinuierlich. „Wir haben ein Zukunftsgeschäft.“

Die Redner der Abende melden sich freiwillig. Es sind nicht nur junge Startup-Inhaber. Am Montag sprach zum Beispiel auch Martin Gehlen, ein Anwalt und Insolvenzverwalter, der den Zuhörern empfahl mit ihrer Schuhkartonbuchhaltung aufzuhören. Interessant waren aber vor allem die persönlichen Einblicke in verschiedene Geschäftsideen. Dabei werden immer wieder die lapidar klingenden aber doch so wichtigen Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg betont: das richtige Team, der richtige Standort, die richtige Idee und das richtige Bauchgefühl. Auch Misserfolge gehören für sie zu einer Unternehmerkarriere. Und es ist gut, wenn man sich über Fehler austauscht. Dann macht man sie im besten Fall nicht mehr.

Falscher Ort

Catharina Siemer hatte alles, was man für eine Kunstgalerie braucht: Konzept, Businessplan, Existenzgründerzuschuss und Ideen. Zur Eröffnung 2013 kam Oberbürgermeister Stefan Schostok. „Nur die Leute kamen nicht.“ Ihre Galerie auf dem Hanomag-Gelände war dann doch zu abseits gelegen für potenzielle Kunden. „Ich habe in die Galerie Herzblut, Energie und Geld gesteckt und mich lange gefragt, was ich falsch gemacht habe? Am Ende hätte ich beim Standort auf mein Bauchgefühl hören sollen“, sagt Siemer, die sich nun auf ihre Dissertation zum Thema Medienkompetenz konzentriert.

Der nächste FuckUp-Night-Termin wird unter www.fuckupnights.com/hannover/ bekanntgegeben.

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