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Aus der Stadt Von Menschen und Möpsen
Hannover Aus der Stadt Von Menschen und Möpsen
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00:23 13.09.2014
Von Simon Benne
„Das meiste am Schreiben ist Handwerk“: Tina Voß mit ihrem Romandebüt „Ex & Mops“. Quelle: Thomas
Hannover

Drei Grundregeln sind es, die eine Autorin bei dieser Art von Buch beherzigen muss: „Ich darf niemanden erschießen, es darf keiner sterben, und am Ende müssen sich alle lieb haben“, sagt Tina Voß und lacht. Sie lacht oft, wenn sie im Café sitzt und über ihr neuestes Projekt plaudert. Niedersachsens wohl erfolgreichste Unternehmerin ist unter die Schriftsteller gegangen. Gerade ist ihr Romandebüt „Ex & Mops“ erschienen. In der Schule sei sie immer gut in Deutsch gewesen, sagt die Autorin in ihrer hemdsärmeligen Art: „Ich bin nicht Miss Komma, aber ich rede gern – und ich mag Geschichten.“

Heldin ihres amüsanten Frauenromans – im Verlagsjargon firmiert die literarische Gattung als „Chicklit“ – ist die junge Kay Bielefeld. Diese gibt ihrem Freund Johannes den Laufpass, einem nervigen Fitnessapostel, bei dem vegane Ernährung zur Obsession geworden ist. Stattdessen nimmt Kay einen Mops namens Bernd in Pflege und sucht unter mehreren Kandidaten nach dem Mann fürs Leben. Ein kleines autobiografisches Versatzstück gebe es in dem Roman, gesteht Tina Voß: „Für Bernd hat mein eigener Mops, Herr Karlsson, Pate gestanden.“

„Ex & Mops“ ist keine Weltliteratur, die tiefsinnig die großen Fragen der Menschheit verhandelt. Doch die unterhaltsame Story ist rasant erzählt. Wäre das Buch ein Film, hätte es viele schnelle Schnitte. Tina Voß zeigt einen feinen Sinn für die Komik alltäglicher Situationen – und großes Gespür für Sprachwitz. Bei ihr summt ein Türöffner nicht einfach, sondern er „brummt wie eine Hornisse“. Und Pflegemops Bernd bellt „wie Joe Cocker“. Vor allem jedoch zeichnet Tina Voß ihre Figuren sehr genau – vielleicht mit eben jener Präzision, mit der man auch im Geschäftsleben Kunden, Mitarbeiter und Situationen schnell einschätzen muss.

Lesung bei der HAZ

Es ist eine Premiere: Tina Voß wird ihre erste Lesung als Romanautorin am Montag, 29. September, in der Schalterhalle des traditionsreichen Anzeiger-Hochhauses halten. Um 20 Uhr stellt sie dort bei der HAZ ihr Buch „Ex & Mops“ (erschienen im Dryas Verlag, 288 Seiten, 10,50 Euro) vor. Einlass ist um 19 Uhr, es herrscht freie Sitzplatzwahl. Der Eintritt beträgt fünf Euro, für Inhaber der HAZ-Abo-Plus-Karte drei Euro.

Karten gibt es ab sofort in den HAZ-Geschäftsstellen, beispielsweise an der Langen Laube, sowie in den HAZ-Ticketshops im Theater am Aegi, im Üstra-Service-Center und in der Galeria Kaufhof am Ernst-August-Platz. Die Lesung bildet den Auftakt einer Lesungs-Reihe, die künftig im traditionsreichen Haus direkt in der Innenstadt stattfindet. be

„Unternehmerin zu sein ist relativ leicht“, sagt sie selbst. „Man muss einfach mehr Geld einnehmen als ausgeben.“ Die 44-Jährige weiß, wovon sie spricht – denn sie selbst hat eine atemraubende Karriere hingelegt. Nach dem Realschulabschluss machte die Teenagerin aus Gittelde bei Seesen erst mal eine Lehre als Industriekauffrau. Als sie damals wegen einer Sehnenentzündung beide Arme in Gips trug, wurde sie zur Postbotin der Firma: „Man lud mir auf die Arme Unterlagen, und ich dackelte über das weitläufige Firmengelände der Nudel- und Marmeladenfabrik, um alles zu verteilen“, erzählt sie. „Heute kann ich darüber lachen.“

Vor 18 Jahren gründete sie dann ihre eigene Firma für Personaldienstleistungen. Heute sitzt diese im Pelikan-Viertel und beschäftigt rund 500 Zeitarbeiter. Zum internen Kreis der Belegschaft gehören 40 Menschen, darunter vier Männer. Und vier Hunde. Und die Chefin macht neuerdings eine zweite Karriere als Nebenerwerbs-Romanautorin – fast so überraschend, als würde Günter Grass versuchen, in der Zeitarbeitsbranche Fuß zu fassen.

„Mit 13 Jahren habe ich einen Benutzerausweis gefälscht, um in der Dorfbibliothek ,Der Exorzist‘ ausleihen zu können“, sagt Tina Voß. Eine leidenschaftliche Leserin ist sie seither geblieben: „Mein Herz schlägt für Thriller“, sagt die Unternehmerin, zu deren Säulenheiligen der Krimiautor Stieg Larsson zählt. „Irgendwann wollte ich wissen, ob ich auch selbst schreiben kann – es ist doch spannend, sich etwas Neues von der Pike auf zu erarbeiten.“ Sie belegte einen Fernkurs für angehende Autoren an der Hamburger Akademie für Fernstudien, lernte alles über Spannungsbögen, Plotstrukturen und Dialoge – und schaufelte sich den Montag als regelmäßigen Schreibtag frei. Die Schriftstellerei wurde für die Unternehmerin zur Herausforderung – und zugleich zu einer Art Ausgleichssport.

Tina Voß, die auch den Kilimandscharo bestiegen hat und morgens regelmäßig um 5 Uhr aufsteht, um acht Kilometer zu joggen, lernte mit großem Einsatz, wie man Texte verfasst: „Das meiste am Schreiben ist Handwerk“, sagt sie inzwischen. „Talent kann man haben ohne Ende – wenn Disziplin und Beharrlichkeit fehlen, wird’s nichts.“ Einen bislang unveröffentlichten Thriller hat sie mittlerweile verfasst – und das jetzt erschienene „Ex & Mops“. Eine Fortsetzung sei bereits in Planung, sagt sie. Arbeitstitel: „Kein Mops ist auch keine Lösung“.

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