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Uni-Rektor Pestel als Student NS-Sympathisant

Untersuchung Uni-Rektor Pestel als Student NS-Sympathisant

Das Untersuchungsergebnis über Eduard Pestel (1914-1988), den früheren Rekor der Technischen Universität Hannover, fällt deutlich aus. Er hat sich "während der NS-Zeit in einer aus heutiger Sicht inakzeptablen Weise verhalten".

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Ein "deutlicher Schatten" auf der Persönlichkeit: Der frühere Hochschul-Rektor Eduard Pestel war tiefer in die NS-Zeit verstrickt als bisher angenommen.

Quelle: Archiv

Hannover. In der Vergangenheit des weltweit renommierten hannoverschen Wissenschaftlers und früheren niedersächsischen Ministers Eduard Pestel gibt es braune Flecken. Wie am Wochenende bekannt wurde, war der 1988 gestorbene Mitbegründer des wachstumskritischen Club of Rome während der Nazi-Zeit Mitglied des NS-Studentenbundes sowie der SA. Außerdem ist ein von Pestel geschriebener Brief aufgetaucht, in dem dieser Äußerungen macht, die nach Angaben der Leibniz-Universität „als antisemitisch gewertet werden müssen“. Für Kenner und Weggefährten kommt das schon vor dem Hintergrund überraschend, als dass Pestel sich nach Ende der NS-Diktatur um das deutsch-israelische Verhältnis verdient gemacht hat.

Pestel wurde 1914 geboren. Er studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Hannover, dem Vorgänger der Leibniz-Universität, war dort nach einem Auslandsaufenthalt in den USA Professor und seit 1969 für zwei Jahre auch Rektor. Auf seine Initiative hin wurde 1982 die während der Nazi-Zeit verbotene Deutsche Technion-Gesellschaft wiedergegründet, die die Zusammenarbeit zwischen deutschen und israelischen Wissenschaftlern fördert. 1975 rief er in Hannover das nach ihm benannte Institut für Systemforschung ins Leben, das die Thesen des Club of Rome aufgriff. CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht machte ihn 1977 zum Minister für Wissenschaft und Kultur.

Ein Brief aus den USA von 1938

Die Leibniz-Universität hat zuletzt die Vergangenheit der Technischen Hochschule während der NS-Zeit aufgearbeitet. In diesem Zusammenhang stieß der Forscher Michael Jung im Bundes- und im Uni-Archiv auf Akten, aus denen Pestels Funktionen in der SA und im NS-Studentenbund ersichtlich sind. Jung veröffentlichte sie am Sonnabend in den Hannoverschen Geschichtsblättern. Den Brief, in dem antisemitische Äußerungen stehen, schickte Pestel demnach 1938 aus den USA an die Hochschule in Hannover. Beigefügt hat er einen Anhang, in dem „der Jude als große Gefahr“ bezeichnet wird.

„Das zutage getretene Verhalten von Eduard Pestel irritiert angesichts der Verdienste, die er sich nach der NS-Zeit in Niedersachsen und weit darüber hinaus erworben hat“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Leibniz-Universität und der Deutschen Technion-Gesellschaft. Bedauerlicherweise habe er sich nie öffentlich von seiner Sympathie für den Nationalsozialismus währen der Studentenzeit distanziert. Den Stab brechen will man trotzdem nicht. Der Grund: „Pestels große Verdienste um die Beziehungen zu Israel könnten als bewusste Distanzierung von seinem früheren Verhalten interpretiert werden.“ Der Wissenschaftler hat den jüdischen Staat mehrfach besucht.

Deutlicher Schatten auf der Persönlichkeit

Die neuen Erkenntnisse werfen nach Auffassung von Niedersachsens amtierender Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) einen deutlichen Schatten auf Pestels Persönlichkeit und dessen Wirken. „Man hätte von ihm ein ehrliches und klares Bekenntnis erwarten können“, sagte sie.

Ebenfalls überrascht von den neuen Erkenntnissen zeigte sich Matthias Günther, heutiger Leiter des Pestel-Instituts, der den Namensgeber noch persönlich kennengelernt hat. „Das hätte niemand von denen erwartet, die mit ihm zusammengearbeitet haben“, sagt der Forscher. Das Institut schließe sich der Erklärung von Leibniz-Universität und Technion-Gesellschaft an. Zu einer Namensänderung bestehe kein Anlass.

 

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