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Aus der Stadt Wer hält eigentlich unsere Tunnel sicher?
Hannover Aus der Stadt Wer hält eigentlich unsere Tunnel sicher?
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00:17 18.02.2016
Dietmar Heintz (l.) und Uwe Chlebusch unterwegs auf einem Kontrollgang zwischen den Haltestellen Kröpcke und Hauptbahnhof. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Wenn Dietmar Heintz mit Taschenlampe, Warnweste und Sicherheitsschuhen durch die Tunnel unter der hannoverschen Innenstadt marschiert, sieht der 44-Jährige ein bisschen aus wie ein Kumpel aus dem Bergwerk, der seine Schicht beginnt. Mit etwas Fantasie könnte man ihn auch für einen Höhlenforscher auf einer Expedition halten. „Ich sage immer, ich bin Tunnel-Hausmeister von Beruf“, beschreibt Heintz seinen Job selbst etwas flapsig. Die Sprachregelung seines Arbeitgebers ist da schon seriöser: Fachbereich bauliche Anlagen und Haltestellen, kurz BAH. Heintz und seine sieben Kollegen sind dafür zuständig, die U-Bahn-Tunnel der Üstra instand zu halten.

„Wir kümmern uns um den Rohbau, das heißt die Tunnel, die Nebenräume und die Wasserhebeanlagen“, erklärt Heintz. Bei regelmäßigen Kontrollgängen durch das knapp 17 Kilometer lange Tunnelsystem schauen die Üstra-Mitarbeiter unter anderem, ob an den Gewölben Beton abgeplatzt ist und die Regenwasserpumpen funktionieren. „Und wir putzen“, sagt Heintz. Der Verschleiß der unterirdischen Anlagen sei nicht besonders hoch. „Dadurch, dass es hier unten aber nie regnet, verstaubt alles“, sagt Heintz. Und da die Stadtbahnfahrer in den Tunneln nicht auf Sicht, sondern nach den Signalen fahren (siehe Grafik rechts), müssen diese regelmäßig von dem feinen Staub befreit werden, der sich auf ihnen ablagert.

Acht Mitarbeiter der Üstra gehen regelmäßig die U-Bahn-Schächte unter Hannover ab, um dort nach dem Rechten zu sehen. Ein Rundgang.

Dafür braucht man vor allem eins: Geduld. Denn ein Kontrollgang durch einen der vielen Tunnel, durch die täglich Hunderte Stadtbahnen fahren, kann während der Betriebszeiten auch mal etwas länger dauern. „Wir müssen immer darauf achten, dass wir uns rechtzeitig in den Sicherheitsbereich begeben, wenn eine Bahn kommt“, sagt Heintz‘ Kollege Uwe Chlebusch. Dann ist erst einmal Warten angesagt, bis der Zug vorbei ist. „Zu den verkehrsstarken Zeiten kommen die Bahnen im Minutentakt“, sagt Chlebusch. „Da braucht man für ein paar Hundert Meter schon mal zwei Stunden.“ Wartungs- und Reparaturarbeiten werden daher bewusst auf die wenigen Stunden gelegt, in denen keine Zügen fahren.

Anders ist das natürlich bei Notfällen wie am Montag vor einer Woche. Da legte ein Kurzschluss sämtliche Bahnen der Linien 4, 5, 6 und 11 lahm, die im Bereich Innenstadt unterwegs waren. Die Züge blieben einfach an den Stellen stehen, an denen sie sich bei dem Stromausfall befanden. Dadurch, dass die Oberleitungen, die die Züge mit der nötigen Energie versorgen, vom Strom abgeschnitten waren, konnten die Bahnen auch nicht von anderen Zügen abgeschleppt werden.

„So etwas habe ich in mehr als 40 Jahren bei der Üstra noch nicht erlebt“, sagt Bernd Blümel. Der Zugsicherungstechniker arbeitet in der Abteilung Betriebstechnik (BAB). Er und seine Kollegen sind dafür verantwortlich, dass die Signale und Weichen sowie deren Elektronik einwandfrei funktionieren. Als der Kurzschluss die Stadtbahnen außer Gefecht setzte, war bei ihnen Großalarm angesagt. Mit Hochdruck behoben Blümel und insgesamt 14 weitere Kollegen aus anderen Abteilungen den Stromausfall und sorgten dafür, dass der Betrieb bei der Üstra nach zwei Stunden wieder lief.

Dennoch mussten unzählige Fahrgäste die Züge auch in den Tunneln verlassen und zu Fuß bis zur nächsten Haltestelle gehen. „Man kann sagen, dass wir Glück im Unglück hatten“, sagt Chlebusch. „In keiner der Bahnen waren ältere oder behinderte Menschen, die nicht allein aus den Zügen kamen.“ Wäre das der Fall gewesen, hätte die Üstra den Notfall nicht allein bewältigen können. „Dann wäre die Feuerwehr dazugekommen“, sagt Heintz.

Die Üstra in Zahlen

500.000 Personen fahren nach Angaben der Üstra jeden Tag mit Stadtbahnen und Bussen.

An 176 oberirdischen und 19 unterirdischen Stadtbahnhaltestellen sowie 692 Bushaltestellen können sie eines der mehr als 400 Fahrzeuge besteigen, über die das Verkehrsunternehmen verfügt. Die Haltestellen gehören jedoch nicht der Üstra. Sie hat sie von der Infrastrukturgesellschaft Region Hannover (infra) gemietet.

Obwohl etwa 155 Millionen Fahrgäste im Jahr die Dienste der Üstra in Anspruch nehmen, verzeichnet das Unternehmen immer weniger Angriffe im öffentlichen Nahverkehr. Nach Angaben der Verkehrsbetriebe gibt es pro Jahr nur etwa 100 Fälle von tätlichen Angriffen und die gleiche Anzahl an Bedrohungen.

Von Jörn Kießler

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