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Unterwegs mit dem Aha-Winterdienst

HAZ-Reportage Unterwegs mit dem Aha-Winterdienst

Von Piepern, Schaufeln und Natriumchlorid: HAZ-Volontärin Isabel Christian war eine Nacht unterwegs mit dem Winterdienst von Aha. Schichtbeginn: 3.15 Uhr.

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„Ob ich um drei Uhr aufstehe oder um halb zwei macht keinen Unterschied“: Wenn es schneit, fahren 150 Mitarbeiter von Aha mitten in der Nacht raus. Der Job ist nicht nur wegen der Zulagen gar nicht mal so unbeliebt.

Quelle: Uwe Dillenberg

Hannover. Geschickt lenkt Zeki Güven den Streuwagen durch die stillen Straßen. Seine Ladung: Vier Tonnen Salz und 2000 Liter Natriumchloridlösung. Die Sicherheitsfähnchen an den Ecken der drei Meter breiten Schneeschaufel flattern im Nachtwind. Aus den Lautsprechern knarzt ein Popsong, die Uhr am Armaturenbrett springt auf 3.15 Uhr um. Er trägt die Uhrzeit und „Fössestraße“ ein, dann tippt er auf den Bildschirm des kleinen Computers neben der Gangschaltung. Im Wagenheck beginnt die Maschine, das Salz-Lösungsgemisch auszuwerfen. Die Schicht kann beginnen.

Bevor es losgeht, holt sich Zeki Güven bei Carsten Torney die Einsatzkarte ab.

Bevor es losgeht, holt sich Zeki Güven bei Carsten Torney die Einsatzkarte ab. Foto: Dillenberg

Quelle:

Es ist sein fünfter Einsatz in Folge, doch das freundliche Gesicht mit dem grauen Bartschatten zeigt keine Müdigkeit. „Ob ich nun um drei Uhr aufstehe oder um halb zwei, das macht für mich keinen großen Unterschied“, sagt er. Eigentlich arbeitet Güven bei der Straßenreinigung des Abfallwirtschaftsunternehmens Aha. Dienstbeginn: fünf Uhr morgens. Fällt jedoch Schnee, und die Straßen sind mit Eis überzogen, steigt Güven in den Streuwagen. Dann weckt ihn der Pieper um 1.30 Uhr.

Damit nach dem Wintereinbruch die Straßen in und um Hannover nicht mehr eisglatt sind, ist von der Nacht der Straßenräumdienst unterwegs.

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Güven fährt die Schneeschaufel aus.Auf dem Seitenstreifen, wo in der Nacht zuvor noch viele Autos geparkt haben, stehen jetzt kaum noch Fahrzeuge, dafür liegt viel gräulicher Matsch herum. Mit Daumen und Zeigefinger drückt der Aha-Mitarbeiter einen kleinen Joystick nach vorn, die schräg gestellte Schaufel senkt sich und schiebt mit einem scharrenden Geräusch den Schnee zur Seite. Viel ist es nicht. Im Seitenspiegel betrachtet Güven sein Werk. „So, jetzt ist es wirklich ordentlich.“ Dann fährt er zurück zur Küchengartenkreuzung und biegt Richtung Schwarzer Bär ab. Er hat noch einige Kilometer Straße vor sich.

Ob seine Familie das frühe Aufstehen stört? „Meine Söhne hören den Pieper manchmal schon vor mir“, sagt er. Begeistert sind sie von den nächtlichen Einsätzen ihres Vaters nicht gerade, aber die gehören eben zum Familienleben dazu. Seit 1990 fährt der 46 Jahre alte Güven jeden Winter Streuwagen. „Im Winter kommt eben das meiste Geld rein.“ Wegen der Zulagen. Wie viel er pro Nacht extra verdient, weiß er nicht. „Das sind so viele verschiedene Zuschläge, ich gucke, was am Ende auf der Abrechnung steht.“

Mit dem Schneepflug durch Linden-Mitte

Doch das Geld ist nicht der einzige Grund, weshalb Güven nachts freiwillig aufsteht, um mit dem Schneepflug durch Linden-Mitte zu tuckern. Er hat auch Spaß daran. Schnee ist seit seinem letzten Einsatz nicht mehr gefallen, so liegt auf der Fössestraße wenig grauer Matsch. Also nur streuen. Der Wagen hinterlässt eine schimmernde Spur, dort, wo das Salz das Eis auf dem Asphalt auftaut.

Zweimal ist Güven seine Strecke in der Nacht zuvor gefahren. Einmal in regulärer Schicht, das zweite Mal, weil es am Morgen, kurz vor Schluss, nochmal heftig zu schneien angefangen hatte. „Da bin ich eben wieder los“, sagt er.

150 Mitarbeiter alarmiert die Wintereinsatzzentrale von Aha in der Karl-Wiechert-Allee, wenn Eis und Schnee den Berufsverkehr gefährden. Es sind Angestellte, die tagsüber in anderen Bereichen des Unternehmens arbeiten. Menschen nur für den Winterdienst anzustellen, ergibt für Aha keinen Sinn. „Wir können niemanden einstellen, nur weil es eventuell eine Woche schneien könnte“, sagt Einsatzleiterin Kirsten Krone. Auch sie wird nach der Nachtschicht wieder in die Werkstatt gehen und acht Stunden ihre eigentliche Arbeit machen.

Wer steht schon gerne mitten in der Nacht auf?

Güven arbeitet in der Straßenreinigung, deshalb gehört der Winterdienst mit zu seinem Aufgabenfeld. Er hat daher die Möglichkeit, auch in der regulären Arbeitszeit mit dem Schneepflug zu fahren. Andere haben weniger Glück. Weil sie nachts freiwillig Schneepflug fahren, tagsüber aber Container ausliefern oder den Müll abholen, bleibt ihr Einsatzgebiet nach der Nachtfahrt unbearbeitet. So kam es zum Beispiel, dass der Schnee vom Dienstagvormittag auf einigen Hauptstraßen liegen blieb.

Viele Beschwerden gingen daraufhin bei Aha ein. Die Bürger machten den Winterdienstlern den Vorwurf, ihre Arbeit nicht zu machen. Güven kommentiert das nicht direkt, aber nahe geht ihm das schon. Wer steht schon gerne mitten in der Nacht auf, um sich dann anzuhören, er hätte seinen Job nicht ordentlich gemacht?     

Von Isabel Christian

Zahlen zum Winterdienst

3000 Tonnen Splitt, 1000 Tonnen Sand und 6000 Tonnen Salz hat der Winterdienst von Aha eingelagert. Nur die Streuwagen des Winterdienstes dürfen mit Salz streuen, damit die vereisten Straßen zum Beginn des Berufsverkehrs befahrbar sind. Bürgern ist das Streuen mit Salz verboten, sie müssen Splitt oder Sand nutzen. Damit will Aha die Schäden für die Umwelt reduzieren.

1250 Kilometer Asphalt müssen die 260 für den Winterdienst eingeteilten Mitarbeiter mit den rund 100 Fahrzeugen vorrangig von Schnee und Eis freihalten. 150 davon sind Mitarbeiter in Rufbereitschaft für die Nachtschichten. Dazu kommen 2000 Kilometer Nebenstraßen und kleinere Wege, die erst dann geräumt werden, wenn alle wichtigen Straßen, Kreuzungen und Wege geräumt sind.

10 Gramm Salz oder 100 Gramm Splitt streuen die Räumfahrzeuge pro Quadratmeter Asphalt.     

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