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Varoufakis lockt Hunderte an den Goseriedeplatz

Linken-Wahlkampfauftakt Varoufakis lockt Hunderte an den Goseriedeplatz

Prominente Redner hat sich die Linke am Dienstagnachmittag zu ihrem Wahlkampfauftakt auf den Goseriedeplatz geholt. Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis und der saarländische Oppositionspolitiker Oskar Lafontaine gaben sich die Ehre und lockten ein paar Hundert Zuhörer an.

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Wahlkampfauftakt der Linken: Diether Dehm, Gianis Varoufakis und Oskar Lafontaine.

Quelle: Dröse

Hannover. Er kann es noch, der ehemalige griechische Finanzminister: Das süffisante Lächeln, das erhobene Victory-Zeichen, die Lederjacke. So hat man ihn noch vor einem Jahr im Fernsehen gesehen, siegesgewiss vor den Regierungspalästen Europas. Jetzt spricht Varoufakis zum Kommunalwahlauftakt der Linken in Hannover auf dem Goseriedeplatz. Dagegen wirkt sein deutscher Parteigenosse Oskar Lafontaine mit Anzug und weißem Hemd geradezu bieder. Der Saarländer reckt das Kinn hoch, scheint sich größer machen zu wollen neben dem lässigen Griechen.

Der ehemalige griechische Finanzminister, Yanis Varoufakis, sprache mit Oskar Lafontaine von der Links-Partei auf dem Goseriede-Platz.

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Varoufakis wird umringt, muss Hände schütteln, und einer seiner Landsleute lässt es sich nicht nehmen, ein Selfie mit dem berühmten Politiker zu schießen, bevor es losgeht mit den vielen Reden. "Ich bin ein Fan von ihm", sagt Sofronios Aggelidis grinsend. Lafontaine kann dagegen einigermaßen ungehindert zur Rednerbühne neben dem historischen Gräberfeld gehen.

Die Reden der beiden Linken-Ikonen könnten unterschiedlicher nicht sein. Varoufakis, Professor der Wirtschaftswissenschaften, gibt zunächst einen kurzen Abriss seiner ökonomischen Krisentheorie - auf Englisch. Locker, ironisch, elegant ist sein Stil, im Grunde englische Akademikerschule. Man merkt ihm an, dass er auch in London gelehrt hat. Varoufakis spricht von den Finanzkrisen in den Jahren 1920 und 2008 und wie sie die europäischen Staaten auseinandergebracht haben. Geschichte dürfe sich nicht wiederholen, deshalb habe er eine Art Partei gegründet, Diem 2025 (steht für "Bewegung Demokratie in Europa 2025"). Solidarität mit allen Europäern fordert Varoufakis und schließt mit dem auf Deutsch gesprochenen Satz: "Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl". Erst jetzt brandet großer Applaus auf.

Lafontaine packt das Publikum

Lafontaine tritt vor das Mikrofon und nach den ersten Sätzen hat er das Publikum gepackt. Der Saarländer hüpft und wedelt mit den Armen, die Stimme donnert über den Betonplatz. Immer wieder applaudieren die Zuhörer. "Wir haben keine Demokratie in Europa. Das ist die große Herausforderung unserer Zeit ", ruft Lafontaine. Denn Geld regiert die Welt, der Kapitalismus zerstöre den Sozialstaat und bereite rechten Parteien wie der AfD einen fruchtbaren Boden. "Ich verstehe, dass Bürger die AfD aus Protest wählen, aber damit kommen sie vom Regen in die Traufe", sagt Lafontaine.

Während der Ansprache schaut Varoufakis immer wieder verschmitzt auf den hüpfenden Lafontaine und ins Publikum. Schwer zu sagen, was in seinem Kopf vorgeht. Am Ende ergreift Diether Dehm, Bundestagsabgeordneter der Linken, das Wort und wirbt noch einmal für die Kommunalwahl. Eine Combo spielt griechische Weisen, Abtritt Varoufakis.

Yanis Varoufakis diente nur wenige Monate als Finanzminister im Kabinett Alexis Tsipras. Aber er war der heimliche Star. Der heute 55-Jährige pflegte sein Image als linker Rebell, knatterte auf seinem Motorrad vor den Regierungssitz und verblüffte die  EU-Vertreter am Verhandlungstisch mit immer neuen Volten. Am Ende war es wohl eine zu viel. Nach der Volksabstimmung im Juni 2015 über weitere Sparauflagen für Griechenland warf Varoufakis das Handtuch, offenbar auf Wunsch seines Chefs Tsipras.

Immer für eine Überraschung gut

Solche Talsohlen hat Oskar Lafontaine schon durchschritten. Von der überregionalen Öffentlichkeit weitesgehend unbemerkt führt er jetzt die Linken im Saabrückener Landtag. Ähnlich wie Varoufakis ist Lafontaine aber immer für eine Überraschung gut, etwa als er Anfang des Jahres Verständnis für Selbstmordattentäter zeigte und mit Kritik überzogen wurde. Und ähnlich wie sein griechischer Gesinnungsgenosse hat der heute 72-Jährige einmal auf der ganz großen politischen Bühne gespielt. Im Kabinett Gerhard Schröder diente er als Finanzminister, legte aber kurze Zeit später alle Ämter nieder, weil er mit dem rot-grünen Kurs nicht mehr einverstanden war.

Lafontaine gründete die WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit), die alsbald mit der PDS zur Linkspartei fusionierte. Dem Boulevard bleibt Lafontaine im Gedächtnis, weil er mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht liiert ist, die gern als moderne Rosa Luxemburg bezeichnet wird.

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