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Aus der Stadt Kinder als Helfer für Ladendiebstahl benutzt
Hannover Aus der Stadt Kinder als Helfer für Ladendiebstahl benutzt
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00:16 23.04.2017
Von Michael Zgoll
Marian V. zeigte vor der Amtsrichterin weder Einsicht noch Reue.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Ein 40 Jahre alter Vater von sechs Kindern ist am Amtsgericht wegen Ladendiebstahls zu einer Bewährungsstrafe von zwei Monaten verurteilt worden. Marian V. hatte sich einer neun Jahre alten Tochter und eines sechs Jahre alten Sohns bedient, um im Kaufland-Supermarkt in Hainholz Waren im Wert von knapp 60 Euro an der Kasse vorbeizuschmuggeln.

Ein Ladendetektiv beobachtete die Tat mittels einer Überwachungskamera, so konnte der Ladendieb festgenommen werden. Zum von Richterin Sabine Mzee verkündeten Bewährungsbeschluss gehört, dass V. auch 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten muss.

Sechsjähriger verbirgt Tüte

Der Diebstahl ereignete sich an einem Freitag zur Mittagszeit im August 2016. Wie die Videobilder zeigen, packten Marian V., seine beiden kleinen Kinder und ein 15-jähriger Jugendlicher - gegen den gesondert ermittelt wird - inmitten der Regale verschiedene Produkte in einen Verpackungskarton. Dann holten die Kinder eine Tüte aus der Kassenzone und beförderten einige Waren wie Etui, Tagebuch, Lippenstift und Donuts aus dem Karton in den Beutel. An der Kasse griff der Sechsjährige zudem in einen Zigarettenständer und steckte vier Stangen Pall Mall in die Tüte.

Dann stellte sich der Vater an und bezahlte Waren im Wert von knapp neun Euro. Den Sohn, der die Tüte mit Produkten im Wert von 60 Euro in Bodennähe hielt, schirmte er mit seinen Beinen vor den Blicken der Kassiererin ab. Doch das Kameraauge war von anderer Stelle aus auf ihn gerichtet.

Vor Gericht scheute sich V. nicht, seinem Sohn die Schuld für den Diebstahl in die Schuhe zu schieben. Der Junge, der deutschen Sprache nicht mächtig, habe geglaubt, die Zigaretten seien Bonbons und habe die Tüte ohne sein Wissen durch den Kassenbereich geschmuggelt: „Das Kind hat den Fehler begangen.“ Erst am Ausgang habe er, der Vater, bemerkt, dass unbezahlte Ware in der Tüte lag, habe aber versäumt, die Kassiererin darauf hinzuweisen.

Die Amtsrichterin bescheinigte V. „erhöhte kriminelle Energie“. Dass der Angeklagte seine strafunmündigen Kinder beim Ladendiebstahl eingesetzt habe, sei für diese ein „verheerendes Signal“, fernab jeglicher Vorbildfunktion. „Welches Wertesystem vermitteln Sie Ihren Kindern?“, lautete die rhetorische Frage von Sabine Mzee an den Täter. Sie setzte die Strafe zur Bewährung aus, weil der Rumäne bislang nur dreimal per Strafbefehl zu Geldstrafen verurteilt worden war: zweimal wegen Diebstählen, einmal wegen Unfallflucht. V. kündigte an, Berufung einzulegen.

Viel Geld vom Staat

Der 40-Jährige lebt in einer Obdachlosenunterkunft für Roma, die in jüngerer Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten war. Mal beschwerten sich Nachbarn über viel Müll am Burgweg, mal wurden Klagen über den sehr unregelmäßigen Schulbesuch der Kinder laut. Finanziell ist die Familie von V. gar nicht schlecht gestellt. Nach eigenem Bekunden verdient Marian V. als Minijobber 450 Euro monatlich. Zudem zahlt ihm der Staat gut 800 Euro Kindergeld, 800 Euro Aufstocker-Sozialleistungen und die Miete für die Unterkunft.

Doch scheinen auch andere Bewohner der Containersiedlung nicht mit ihrer Einkommenssituation zufrieden zu sein. Beim Amtsgericht sind allein weitere sechs Personen, die den Nachnamen V. tragen, aktenkundig. Ein 20-Jähriger aus dem Burgweg sitzt derzeit wegen Ladendiebstahls in Untersuchungshaft; sein Vorstrafenregister enthält bereits acht Einträge.

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