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Aus der Stadt Los Veganeros macht Jagd auf Fleischesser
Hannover Aus der Stadt Los Veganeros macht Jagd auf Fleischesser
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00:16 14.01.2015
Film ab: Dreharbeiten zu „Los Veganeros“ mit Ulas Kilic und Rosalie Wolff. Quelle: Behrens

„Los Veganeros“ ist eine ernst gemeinte Komödie zum Thema Massentierhaltung – wie kommt man auf diese Idee?

Es gibt schlicht keinen Spielfilm über dieses Thema. Viele Dokumentationen wenden sich gegen Fleischkonsum, arbeiten aber mit drastischen Bildern, sodass viele Leute leider ausschalten. Meine Idee war, die Leute mit Witz und Skurrilität 90 Minuten im Kinosessel zu halten.

Sie sind selbst Veganer.

Genau. Und zwar nicht, weil mir Fleisch nicht schmeckt, sondern weil ich kein Teil des kranken Systems der Fleischproduktion sein will. Ich weiß aber, wie schnell diese Ansicht im Freundeskreis zu Konflikten führen kann. Nun gibt es einen Film, in den Veganer ihre Fleisch essenden Freunde einladen können – und am Ende können die dann entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen. Bei unserem Kamermann Andy Bartel hat es schon funktioniert – er ist während des Drehs zum Vegetarier geworden – immerhin.

Befürchten Sie nicht, dass der Film zu einem Kultstreifen der veganen Bewegung wird, aber von Fleischessern, die Sie ja bekehren wollen, boykottiert wird?

Ich will nicht bekehren, sondern inspirieren. In Hannover wird der Film sicher ein gemischtes Publikum finden, weil er in der Stadt spielt und so viele Bekannte mitmachen. In Köln oder Berlin ist das vielleicht tatsächlich schwieriger.

Schon für Ihren ersten Film The High Speed Karmageddon haben Sie es 2012 hingekommen, einen Teil der hannoverschen Kreativszene zu mobilisieren ...

Stimmt, aber das war damals eher ein Spaß. Wir hatten mit unserer gleichnamigen Band die Idee, einen Film zu unserer CD zu machen. Siggi und Raner machten mit, Christof Stein-Schneider und andere. Handwerklich ist mir der Film heute peinlich. Aber damals lief er in 50 Kinos in der Region, das Cinemaxx war ausverkauft, wir spielten Konzerte nach den Vorstellungen.

Sie hatten diesmal auch nur ein Budget von 25.000 Euro. Trotzdem haben Sie ein ansehnliches Casting hinbekommen ...

Die Botschaft des Films öffnet Türen. Alle Schauspieler, mit denen wir drehen wollten, haben begeistert zugesagt, weil ihnen bewusste Ernährung am Herzen liegt. Ulas Kilic und Inez Bjørg David sind die bekanntesten, Nils Brunkhorst hatte gerade zur veganen Lebensweise gefunden. Die Darstellerin der Hauptfigur Vicky hatte ich eigentlich als Sponsorin angefragt, weil sie einen Onlinehandel für vegane Lebensmittel betreibt. Dass Rosalie Wolff Schauspielerin ist, wusste ich gar nicht – sie brachte sich dann selbst für die Hauptrolle ins Spiel. Ein absoluter Glückstreffer.

Wie wichtig ist Ihnen denn, dass sich Ihre Schauspieler im realen Leben vegan ernähren?

Sehr wichtig. Mit Rosalie Wolff als Vicky steht und fällt die Message des Films. Es wäre schlimm, wenn die Einstellung, die sie verkörpert, nur gespielt wäre. Und ich mag mir den Shitstorm gar nicht vorstellen, der aus der veganen Gemeinde über uns hereingebrochen wäre.

Ist die vegane Gemeinde denn so empfindlich?

Nicht empfindlich, aber gewissenhaft. Ich rechne schon mit Ärger wegen irgendwelcher Ungenauigkeiten, die sich bestimmt irgendwo verstecken. Aber das muss man aushalten. Je mehr Leute den Film gut finden, desto mehr Kritiker gibt es auch. Und ich hoffe, dass ihn viele gut finden.

Interview: Rüdiger Meise     

Zur Person

Filmemacher Lars Oppermann.

Lars Oppermann ist 1973 in Einbeck geboren und hat in einer Wohngemeinschaft am Lindener Markt gewohnt, bis es ihn gemeinsam mit seiner Frau Anne aufs Land gezogen hat. Das Paar lebt mit zwei Söhnen in einer umgebauten Schmiede in Bledeln bei Algermissen. Hier hat sich Oppermann ein gut ausgestattetes Tonstudio eingerichtet. Der 41-Jährige mischte bei Bands wie „Die Schröders“ und „Ich kann fliegen“ mit. Bekannt wurde er als Gitarrist der Band „Eat no Fish“, mit der er unter anderem auf dem Hurricane-Festival spielte. Inzwischen produziert er Hobbybands, wie er sagt. Die Filmmusik für „Los Veganeros“ komponierte und vertonte er selbst im eigenen Studio.

Oppermann hat sich für eine bewusste Lebensweise entschieden. Seit drei Jahren ist er überzeugter Veganer – und kann einfach nicht verstehen, wenn erfolgreiche Musiker nicht mit ihrem Geld zurecht kommen: „Ich wüsste gar nicht, was ich damit machen sollte, wenn ich mehr verdienen würde – außer zweimal häufiger im Jahr surfen zu fahren.“      

„Los Veganeros“ – der Film

Die 94-jährige Umweltaktivistin Alma sucht per Zeitungsannonce junge Gleichgesinnte. Diese sollen drastische Aktionen jenseits des gesetzlich erlaubten durchführen, die von der reichen Alma finanziert werden. „Ich kann keinen Schaden mehr anrichten, aber Schaden bezahlen“, sagt sie. Alma bringt die 28-jährige Kindergärtnerin Vicky mit ein paar Freunden zusammen, die sich regelmäßig im Restaurant „Los Veganeros” treffen, um Aktionen zu planen.

Vicky schlägt vor, den örtlichen Schweinemäster Heinz Granitzka für eine Nacht zu entführen – und ihn nackt in einer sogenannten Abferkelbucht auf dem Lindener Marktplatz zu präsentieren.
Gedreht wurde der Film unter anderem am Maschteich, in der Justizvollzugsanstalt Sehnde und beim Landeskriminalamt. Für das Restaurant „Los Veganeros” stand „Carrots & Coffee“ in der List Pate. Der dramaturgische Höhepunkt wird am Lindener Markt zelebriert.

Außer Schauspielern wie dem Hannoveraner Ulas Kilic (Marco W.), Inez Bjørg David (Männerherzen), Rosalie Wolff (SOKO Köln) und Nils Brunkhorst (Verbotene Liebe) sind viele bekannte Gesichter der hannoverschen Musik- und Kreativszene zu sehen – unter anderem Christof Stein-Schneider, Ossy Pfeiffer, Holger Cramm von der Band Hore und die Abstürzenden Brieftauben.

In mehr als 50 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird der Film gezeigt. Premiere ist am 20. März im Apollokino in Linden. Drei Tage ist er hier im Programm, an den ersten beiden Terminen sind Regisseur und Darsteller dabei.      

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