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Aus der Stadt „Zur Not darf ich die Küche umräumen“
Hannover Aus der Stadt „Zur Not darf ich die Küche umräumen“
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00:16 03.04.2016
Von Jens Heitmann
Keine ernsten Worte zum Abschied: Enercity-Chef Michael Feist (rechts) freut sich zusammen mit seiner Nachfolgerin Susanna Zapreva und Ministerpräsident Stephan Weil. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Für einen Mann, der sich künftig der Muße verschreiben will, ist der Abschied noch erstaunlich minutiös getaktet: Abfahrt vom Empfang 17 Uhr, Flug nach Frankfurt, am nächsten Morgen Weiterflug nach Houston, dann Hawaii, ein Trip nach Toronto, anschließend Treffen mit Töchtern und Enkelinnen in New York - erst im Anschluss daran können auch Michael Feist keine Termine mehr darüber hinweg täuschen, dass er nun wirklich seinen Ruhestand genießen muss. Dass das nicht so einfach werden könnte wie angekündigt, ahnt der Stadtwerke-Chef wohl selbst: „Wenn die ganz dunklen Tage kommen, hat mir meine Frau erlaubt, zur Not die Küche umzuräumen“, sagte Feist am Donnerstag beim Abschied nach zwölf Jahren an der Spitze von Enercity.

„Jetzt gehe ich wirklich“

Es war der letzte Akt einer ganzen Reihe von Verabschiedungen - der „D-Day“, wie der 66-Jährige es selbst nannte: „Jetzt gehe ich auch wirklich in Pension.“ Rund 250 Gäste, vorwiegend aus der Energiewirtschaft und der Kommunalpolitik, waren als Zeugen geladen und auch gekommen. Auf die Frage, was er denn zum Abschied sagen solle, habe man ihm geraten, „etwas Menschliches und Persönliches“ zu erzählen, berichtete Feist. Dass er von so etwas nicht sehr viel hält, mochte er aber auch an seinem letzten Arbeitstag nicht verhehlen. Für eine Zusicherung immerhin reichte es: „Ich bin freiwillig hier - und es fühlt sich gut an.“

Dass der Manager eher keine persönliche Nähe zu den Mitarbeitern aufbauen wollte, haben diese früh verstanden. Keine 100 Tage nach seinem Amtsantritt 2004 habe Feist bereits das erste Sparprogramm präsentiert, sagte Betriebsratschef Martin Bühre: „Schonung und Empathie - diese Worte kommen in seinem Wortschatz nicht vor, weder auf Deutsch noch auf Englisch.“ Stattdessen habe die Belegschaft seine „ausgeprägte Professionalität“ kennen und allmählich auch schätzen gelernt.

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Applaus für Michael Feist (vorne): Der Enercity-Vorstand wird von Vertretern aus Politik und Wirtschaft gebührend verabschiedet.

Vor seinem Wechsel hatte Feist auf unterschiedlichen Positionen viele Jahre beim Mineralölkonzern ExxonMobil verbracht. Dass er sich dennoch auf die Stadtwerke eingelassen habe, sei eine Überraschung für alle Beteiligten gewesen, sagte Ministerpräsident Stephan Weil, seinerzeit noch Kämmerer der Landeshauptstadt. „Der Start war dann ja auch ein wenig rumpelig.“ Angesichts des Zusammenpralls der unterschiedlichen Kulturen habe das aber niemand anders erwarten können.

Rückblick

Die Verantwortung dafür schreibt Weil in der Rückschau auch dem Unternehmen zu: „Die Stadtwerke waren in der Mauser - es gab schon viele neue Federn, aber sie waren noch durch das alte Gefieder geprägt.“ Soll heißen: Ein Versorger verändert sich nicht über Nacht, nur weil die Politik den Wettbewerb auf den Energiemärkten ausruft. Feist sei es gelungen, die Stadtwerke durch die „unruhige See“ zu steuern: „Ein Marktanteil von 80 Prozent ist ein sehr gutes Zeugnis von Seiten der Kunden.“

Die Stadt hat Feist zum Abschied ein Bild des nächtlich erleuchteten Hannover geschenkt. „Über dem Rathaus sehen Sie ein Feuerwerk“, sagte Aufsichtsratschef Marc Hansmann. „Das haben wir immer gezündet, wenn Sie die Gewinne überwiesen haben.“ Um nach dem Ende des Empfangs die schnelle Abreise nicht zu gefährden, habe man das Bild bereits im Kofferraum verstaut.

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