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Aus der Stadt Kinderarzt reißt Verband vorzeitig ab
Hannover Aus der Stadt Kinderarzt reißt Verband vorzeitig ab
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00:15 04.03.2016
Von Michael Zgoll
Symbolbild Quelle: dpa
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Hannover

Der Junge hatte in der heimischen Küche eine Kanne Tee von der Arbeitsplatte gezogen und sich dabei mit dem kochend heißen Getränk in der rechten Ellenbeuge verbrüht. Das Gericht unter Vorsitz von Martin Schulz urteilte, dass der Mediziner mit dem unbedachten Entfernen des Verbands gegen elementare und bewährte Behandlungsregeln verstoßen habe. Sein Fehler bescherte dem kleinen Patienten einen zusätzlichen Klinikbesuch mit einer Wundbehandlung unter Vollnarkose.

Der ursprüngliche Unfall hatte sich bereits im Oktober 2010 ereignet. Die Erstversorgung des verbrühten Arms erfolgte in der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), zwei Tage danach stellten sich Mutter und Sohn weisungsgemäß bei dem hannoverschen Kinderarzt vor. Strittig ist, ob die Frau dem Doktor dabei einen Arztbrief der MHH vorgelegt hat. Sie selbst sagt Ja, der Kinderarzt bestreitet dies. Letztlich, so das Gericht, sei diese Frage aber gar nicht entscheidend: Ein Mediziner stehe generell in der Pflicht, sich selbst ein Bild von einer Erkrankung zu machen und sich nach den bisherigen Behandlungsschritten sowie der weiteren Art der Versorgung zu erkundigen.

Fest steht, dass der Kinderarzt das Spezialvlies, das die Bildung neuer Haut fördern sollte, in seiner Praxis entfernte. Hier soll er der Mutter nach deren Darstellung gesagt haben: „Wir haben auch tolle Verbände.“ Dabei wäre der Wechsel überhaupt nicht erforderlich gewesen, da sich das Vlies im Verlauf von 60 Tagen von selbst aufgelöst hätte. „Bei der Wiedervorstellung in der MHH waren die dortigen Ärzte entsetzt über das Vorgehen ihres Berufskollegen“, berichtet Michael Timpf, der Anwalt von Mutter und Sohn. Auch ein vom Landgericht bestellter Sachverständiger brandmarkte das Verhalten des Kinderarztes als groben Behandlungsfehler.

In einem wichtigen Punkt folgten Gutachter und Gericht der Schadensersatzklage allerdings nicht. Die nachfolgende komplikationsreiche, anderthalb Jahre währende Behandlung des Kindes mit einem Kompressionsärmel hänge ebenso wenig mit dem vorzeitigen Verbandswechsel zusammen wie die tiefen Narben, die dem jetzt sieben Jahre alten Jungen geblieben sind. Diese Narbenbildung sei der Schwere der Verbrennung geschuldet, so die 19. Zivilkammer. Und somit halbierte das Gericht die Forderung nach 5000 Euro Schmerzensgeld, die Medizinrechtler Timpf erhoben hatte.

Ein Gutes habe das Urteil, sagt der Anwalt: Die Mutter gebe sich nun keine Schuld mehr, das vorzeitige Wechseln des Spezialverbands in der Kinderarztpraxis nicht verhindert zu haben. Ob sie sich Vorwürfe macht, den eigentlichen Unfall mit der heißen Kanne Tee nicht verhütet zu haben, war in der Gerichtsverhandlung kein Thema.

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