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BISS-Verband zweifelt an Zahlen der Stadt

Gewalt gegen Flüchtlingsfrauen BISS-Verband zweifelt an Zahlen der Stadt

Wie viel Gewalt gegen Frauen gibt es in hannoverschen Flüchtlingsheimen? Die Stadtverwaltung berichtete im Gleichstellungsausschuss von insgesamt nur drei Fällen in den Jahren 2015 und 2016. Eine Beratungsstelle für Frauen gegen häusliche Gewalt zieht diese Zahl in Zweifel.

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Wie viele Frauen werden in Flüchtlingsheimen Opfer von Gewalt? Der BISS-Verband zweifelt die offiziellen Zahlen der Stadt an.

Quelle: Boris Roessler/dpa

Hannover. Freya Markowis von den Grünen erfragte im Gleichstellungsausschuss, ob es nicht eine weitaus höhere Dunkelziffer gebe. Laut Margreth Hoffmann vom BISS-Verbund, einer zentralen Anlaufstelle für Frauen gegen häusliche Gewalt, ist das so. Ihre Erfahrung sei, dass in den seltensten Fällen die Polizei gerufen werde, sagte sie gestern. „Wir finden das nicht gut.“ 

Viele Betreiber schotteten sich ab, handelten nach der Devise „Wir regeln das unter uns“. Wenn die Polizei die Beratungsstelle über einen Fall von häuslicher Gewalt informiere, könne man dem entsprechenden Fax nicht einmal entnehmen, ob es sich um eine Flüchtlingsunterbringung handele. Die Liste, auf der nicht nur die großen, sondern auch alle kleineren Unterkünfte mitsamt Adressen verzeichnet seien, sei aus Gründen des Schutzes der Flüchtlinge geheim. Was für einen Hintergrund ein Fall habe, erfahre man erst, wenn man die Frau zu kontaktieren versuche. Viele Ehrenamtliche, auch Sozialarbeiter, seien nicht sensibilisiert dafür, welche Hemmschwellen traumatisierte Frauen aus Flüchtlingsländern überwinden müssten, um einen Vorfall von Gewalt überhaupt zu melden, sagte Hoffmann: „Wenn der betreffende Mann tatsächlich von der Polizei aus der Unterkunft entfernt wird, ist da immer noch die Community drumherum, die die Frau bedrängen kann.“ 

Hoffmann berichtete am Rande des Ausschusses davon, dass Beratungsstellen für Migranten wie Suana in einigen Flüchtlingsunterkünften erst einmal versucht hätten, Rückzugsräume für Frauen zu schaffen. Manche hätten sich aus Angst über einen langen Zeitraum nur komplett angezogen und verschleiert in der Unterkunft bewegt. Weil es keine getrennten sanitären Anlagen gegeben habe, hätten sie sich nachts nicht einmal allein zur Toilette getraut. Die Frauen wüssten zudem über ihre Rechte, über ihren Aufenthaltsstatus unabhängig von einem Ehemann, nicht Bescheid. Dafür seien unter anderem mehrsprachige Flyer entwickelt worden. Gewaltschutz von Flüchtlingsfrauen war Teil des Jahresberichts von BISS zum Thema häusliche Gewalt in Hannover. Insgesamt wurden 2015 2741 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt. 2163 Kinder waren mitbetroffen. Dazu wurden den Beratungsstellen 137 männliche Opfer gemeldet. Diese wiederum waren in 83 Fällen Opfer männlicher Täter. 

Rund 40-mal schlugen Frauen zu: (Ex-)Partnerinnen, Mütter, Schwiegermütter, Töchter. Man versuche, für Täterinnen jetzt ein neues Beratungsangebot vorzuhalten, sagte Hoffmann.

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