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Verbraucherschutz und Politik warnen vor nebenan.de

Portal zur Nachbarschaftshilfe Verbraucherschutz und Politik warnen vor nebenan.de

Bezirksratspolitiker und die Verbraucherzentrale Niedersachsen haben das von der Stadt Hannover unterstützte Internetportal nebenan.de kritisiert. Die Verbraucherschützer raten den Nutzern zu großer Vorsicht. 

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Die Startseite der Internetplattform nebenan.de.

Quelle: screenshot/nebenan.de

Hannover. Die Verbraucherzentrale rechne zwar nicht damit, dass Nutzer von nebenan.de künftig Geld zahlen müssten, sagt Kathrin Körber, Juristin bei der Verbraucherzentrale. „Aber es kann zu einem Dienst werden, bei dem man mit seinen Daten, die man abgeliefert hat, bezahlt.“ Die Internetplattform sei ein weiterer Schritt zu einem gläsernen Verbraucher, meint sie.

Im Stadtbezirksrat Südstadt-Bult verwiesen Kommunalpolitiker auf den Einstieg des Medienunternehmens Burda beim Portal nebenan.de und warnten vor der Gefahr einer Weitergabe von Daten. „Die Verbindung von nebenan.de mit der Landeshauptstadt sehe ich kritisch“, sagte der Grünen-Fraktionschef Oliver Kluck. Es würden Daten gesammelt, und die Möglichkeit des Verkaufs der Daten sei immerhin möglich, befand er. Ute Krüger-Pöppelwiehe von der CDU ergänzte, das Unternehmen werde sicher in Zukunft Geld verdienen wollen. „Mir kann doch keiner erzählen, dass die das aus reiner Nächstenliebe machen“, sagte sie. Und Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne wünschte sich von den städtischen Mitarbeitern mehr Offenheit bezüglich der Frage, was die Nutzer von nebenan.de künftig zu erwarten hätten.

nebenan.de widerspricht Kritik

Die Landeshauptstadt verspricht sich von der Kooperation mit nebenan.de vor allem Vorteile für ältere Einwohner. Die Plattform soll dabei helfen, Angebote aus dem nahen Umfeld zu finden. Gedacht ist zum Beispiel daran, dass sich über das Portal eine Kartenspielrunde zusammenfindet, jemand gesucht wird, der mit der Bohrmaschine umgehen kann, oder Hilfe für den Einkauf gefunden wird.

Die Bedenken der Verbraucherzentrale teilt die Stadtverwaltung nicht. Allerdings gibt Stadtsprecher Andreas Möser zu, dass die Nutzer Werbung erhalten können. Eine Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Unternehmen sieht vor, dass Werbung auf den Seiten des Portals möglich ist, für kleinere Geschäfte, stadtteil- und quartiersnah. Die Seite solle aber nicht mit Werbung überflutet werden, betont er.

Der Mitbegründer und Geschäftsführer von nebenan.de, Till Behnke, bezeichnet die Aussagen der Verbraucherzentrale als „extrem unseriös“. Er betont: „Wir werden nicht mit Daten handeln, weil wir das Vertrauen der Nutzer nicht missbrauchen werden.“ Motivation für die Gründung von nebenan.de sei gewesen, nachbarschaftliche Beziehungen zu fördern. „Wenn ich möglichst schnell Geld verdienen wollte, hätte ich etwas mit Banking gemacht“, sagt Behnke. Die geplante Werbung auf nebenan.de diene nicht nur der Finanzierung des Unternehmens. „Das bedeutet auch eine Stärkung der kleinen Gewerbetreibenden in den Stadtteilen“, sagt er. Burda habe lediglich eine Minderheitsbeteiligung und keinen Einblick in die Daten der Nutzer. Außerdem legt nebenan.de Wert auf die Feststellung, nicht mit Nutzerdaten zu handeln. Christian Vollmann, ebenfalls Gründer der Plattform sagt: "Wir haben zu keinem Zeitpunkt Nutzerdaten verkauft und werden dies auch in Zukunft nicht tun."

Vorsicht ist durchaus geboten

Ein Kommentar von Mathias Klein 

Gut, wenn sich Nachbarn gegenseitig helfen, sei es beim Einkaufen oder beim Zusammenbauen eines Schrankes oder beim Gassigehen. Und gut, wenn es dafür eine passende Möglichkeit gibt, nach solchen Hilfen zu suchen oder diese anzubieten. Das gilt nicht nur für die Südstadt und die Bult oder Döhren und Kirchrode, sondern auch für die anderen Stadtteile.

Trotzdem: Die öffentlich geäußerten Vorwürfe von Mitgliedern des Stadtbezirksrats Südstadt-Bult gegen die von der Stadt unterstützte Internetplattform nebenan.de waren ungewöhnlich scharf. Und auch die Einschätzung der Verbraucherzentrale Niedersachsen ist eindeutig: Wer die Internetplattform nutzt, muss zumindest damit rechnen, dass er Werbung von Geschäftsleuten erhält, die er nicht haben will.

Das sollten sowohl die Stadt als auch die Betreiber von nebenan.de klar und deutlich sagen. Denn bisher ist es beiden gelungen, bei vielen Nutzern den Eindruck zu erwecken, es ginge nur um die gute Sache einer Vernetzung von Nachbarn in den Stadtteilen. Dass es auch darum geht, Geld zu verdienen, ist bisher eher im Verborgenen geblieben, auch in den öffentlichen Äußerungen der Stadt. Nutzer sollten also vorsichtig sein.    

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