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„Streik ist unsere einzige Möglichkeit“

Verdi-Geschäftsführer Memenga: „Streik ist unsere einzige Möglichkeit“

Nach dem Warnstreik von Verdi am Dienstag mit vielen liegen gebliebenen Mülltüten muss sich die Gewerkschaft rechtfertigen. Geschäftsführer Harald Memenga glaubt dennoch an die Unterstützung der Hannoveraner für den Arbeitskampf. Ein Interview.

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Portraits von verdi Streikfuehrer Harald Memenga in den verdi Hoefen Hannover und in seinem Buero. (Foto/ Gabriel Poblete Young)

Quelle: Gabriel Poblete Young

Herr Memenga, warum trifft es ausgerechnet Hannover immer so hart, wenn gestreikt wird?

Es trifft viele hart, auch anderswo. In Hannover sind die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes gut organisiert und sie treten auch entschieden für ihre Interessen ein.

Warum wird die Üstra ausgerechnet während der Hannover Messe bestreikt?

Wir richten die Planung der bundesweiten Tarifverhandlungen, die im Übrigen mit den Arbeitgebern abgestimmt ist, nicht nach dem Messekalender in Hannover. Das Problem bei Streiks im öffentlichen Dienst ist, dass es leider immer die Bürger trifft, die einen stärker, die anderen weniger stark. Und wir haben keine andere Möglichkeit, als unseren Forderungen durch Streiks Nachdruck zu verleihen. Umgehen ließen sich Streiks nur, wenn die Arbeitgeber in den Verhandlungen rechtzeitig ein Angebot vorlegen würden, das die Interessenlage der Beschäftigten angemessen berücksichtigt, statt ihre Empörung hervorzurufen.

Wirft ein Streik während der Hannover Messe mit langen Warteschlangen an Taxiständen nicht ein dunkles Licht auf das Image Hannovers?

Das glaube ich nicht. Die Messe ist gut organisiert, das hat sie mit ihrem Pendelbusverkehr am Dienstag bewiesen. Der Tag hat gezeigt, dass in der Messestadt demokratische Rechte nicht tabuisiert werden. Und das ist ein gutes Aushängeschild für die Demokratie in unserem Land.

Viele Hannoveraner waren am Dienstag wegen des Streiks sehr verärgert. Wie schätzen Sie die Stimmung in der Bevölkerung ein?

Die Streikenden haben am Dienstag sehr viele positive Rückmeldungen von den Bürgern bekommen. Viele Hannoveraner sind auf sie zugegangen und haben Verständnis für den Streik geäußert und gesagt, dass sie den Streikenden die Daumen drücken. Ich glaube, die Bürger wissen auch, dass es nur ein Warnstreik war. Wenn es in den Tarifverhandlungen keine Einigung gibt, dann gibt es Erzwingungsstreiks. Und die können Wochen dauern. Daran haben wir kein Interesse und daran haben auch die Bürger kein Interesse.

Was sind Ihre Forderungen?

Es geht in dieser Tarifrunde um Lohnsteigerungen. Die Arbeitgeber bieten für dieses Jahr einen Anstieg von 0,6 und für das nächste Jahr Verbesserungen von 1,2 Prozent. Damit liegen sie deutlich unter der erwarteten Preissteigerung: Wir wollen an der Einkommensentwicklung teilhaben. Außerdem geht es darum, den Rückstand zur allgemeinen Tarifentwicklung in Höhe von rund 4 Prozent zusätzlich aufzuholen.

Wie geht es in den Verhandlungen weiter?

Heute und morgen treffen sich die Tarifparteien. Ich hoffe, dass wir mit unseren bundesweiten Streiks der letzten Wochen unseren Forderungen so viel Nachdruck verleihen konnten, dass die Arbeitgeber sich jetzt bewegen.

Was kommt, wenn sie sich nicht bewegen?

Ich gehe davon aus, dass es die Bewegung geben wird. Spekulationen in die andere Richtung wären nicht hilfreich.

Wenn es wieder eskaliert, verzichtet dann Verdi mal darauf, Hannover zu bestreiken?

Nein, im Konfliktfall wären dann alle wieder an der Reihe. Wozu sollte ein Streikverzicht in Hannover gut sein? Die Streiks zum Beispiel in Braunschweig, Bremen, Göttingen, Frankfurt und anderswo treffen die Menschen dort gleichermaßen. Letztlich geht es um Druck in Richtung der öffentlichen Arbeitgeber, um ein gutes Tarifergebnis zu erzielen.

Interview: Mathias Klein

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