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Aus der Stadt Verfahren gegen Rocker-Chef Hanebuth eingestellt
Hannover Aus der Stadt Verfahren gegen Rocker-Chef Hanebuth eingestellt
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19:00 26.04.2013
Von Tobias Morchner
Das Verfahren gegen den ehemaligen Chef des hannoverschen Charters der Hells Angels ist eingestellt worden. Quelle: dpa
Hannover

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat die Ermittlungen gegen Hannovers ehemaligen Hells Angels-Chef Frank Hanebuth eingestellt. Knapp ein Jahr lang hatten die Strafverfolger aus Schleswig-Holstein nach Beweisen für die Behauptung eines Kronzeugen gesucht, der Ex-Rockerboss habe einen Mord in Auftrag gegeben. Doch die Bemühungen der Ermittler verliefen im Sand.

Denn sie förderten weder eine Leiche, noch eine Tatwaffe, noch irgend einen anderen Beweis für den schwer wiegenden Vorwurf zu Tage. Selbst die schwerbewaffneten Spezialkräfte der GSG 9, die im Mai des vergangenen Jahres das Anwesen des früheren Profiboxers in der Wedemark durchsuchten, stellten außer einer Zwille im Zimmer des damals elf Jahre alten Sohns von Hanebuth nichts sicher. Zuvor hatten sie den Hund des Jungen, einen sechs Monate alten türkischen Kangal, erschossen.

Die Polizei hat das Anwesen des hannoverschen Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth durchsucht. Einsatzkräfte waren mit einem Hubschauber auf dem Anwesen gelandet.

Rechtsanwalt Götz von Fromberg, der den ehemaligen Höllenengel seit mehr als 30 Jahren vertritt, zeigte sich erleichtert über die Einstellung der Ermittlungen: „Damit ist Herr Hanebuth vollständig rehabilitiert“, heißt es in einer Erklärung. Die monatelang andauernde Arbeit der Kieler Behörden habe seinem Mandanten gesellschaftlich und wirtschaftlich sehr geschadet, erklärte der Strafverteidiger weiter und ergänzte: „Die schleswig-holsteinischen Ermittler haben sich von einem schwerkriminellen ,Kronzeugen’ am Nasenring durch die Manege führen lassen.“

Der Jurist spielt damit auf den heute 40-jährigen Steffen R. an, auf dessen Aussagen allein die Polizei und die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen stützte. Doch R., der Chef eines sogenannten Unterstützerklubs der Kieler Hells Angels gewesen sein soll, hatte sich bereits in einem anderen Verfahren den Behörden als Kronzeuge zur Verfügung gestellt. Auch damals hatten sich seine Aussagen als haltlos erwiesen. Dennoch vertrauten die Kieler Ermittler ein zweites Mal auf den Mann - und fielen offenbar wieder auf ihn herein.

Frank Hanebuth hat das Chapter der "Hells Angels" in Hannover aufgelöst. Immer wieder war die Rockergruppe in die Schlagzeilen geraten.

Götz von Fromberg will jetzt Schadensersatzansprüche seines Mandanten beim Land Schleswig-Holstein geltend machen. „Die Beamten der GSG 9 waren nicht zimperlich, etliche Türen sind beschädigt worden, auch das Nachbarhaus wurde in Mitleidenschaft gezogen“, berichtet der Jurist. Zwar kann die genaue Höhe des Schadens noch nicht taxiert werden. Doch auch ohne die Entschädigungszahlungen gehört der Einsatz gegen Frank Hanebuth und die Hells Angels zu einem der teuersten der jüngeren Kriminalgeschichte Deutschlands. An der Razzia vor knapp einem Jahr waren 1200 Beamte beteiligt. Die Kosten für den Einsatz der GSG 9 inklusive Hubschrauber werden auf 300 000 Euro geschätzt. Der Wiederaufbau einer Lagerhalle bei Kiel, die von der Polizei abgetragen worden war, weil dort nach der Leiche des angeblich ermordeten Türken Tekin Bicer gesucht wurde, wird rund 700.000 Euro kosten.

Ex-Rockerchef Frank Hanebuth fühlt sich durch die Einstellung der Ermittlungen bestätigt: „Ich habe immer gesagt, dass da nichts dran ist und dass ich mit der Sache nichts zu tun habe“, erklärt er. Über seine weitere Zukunft hat sich der 48-Jährige noch keine Gedanken gemacht. Bislang hatte er stets beteuert, erst die Kieler Ermittlungen abwarten zu wollen, um dann zu entscheiden, ob er in Hannover zu bleibt oder seinen Wohnsitz doch ins Ausland verlegt.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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