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Aus der Stadt Verfassungsschutz nimmt Rocker und Rechte ins Visier
Hannover Aus der Stadt Verfassungsschutz nimmt Rocker und Rechte ins Visier
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12:17 12.01.2009
Von Tobias Morchner
Auch die Rocker-Szene der Landeshauptstadt nimmt der Verfassungsschutz ins Visier. (Archivbild vom Europatreffen der Hells Angels) Quelle: Rainer Surrey

Offenbar bestehen enge Verbindungen zwischen den Hells Angels um Frank Hanebuth und einigen militanten Rechtsradikalen. „Uns sind gewisse personelle Überschneidungen bekannt“, sagt Anke Klein vom Verfassungsschutz. So gehört zur Führungsriege der Höllenengel in Hannover auch Markus W. Er war an den Hooligan-Ausschreitungen während der Fußball-WM 1998 im französischen Lens beteiligt. Zusammen mit anderen Hooligans hatte er den Gendarmen David Nivel angegriffen und lebensgefährlich verletzt. W. wurde von einem französischen Gericht zu fünf Jahren Haft verurteilt. Als er 2002 frei kam, kündigte die neonazistische „Kameradschaft Weser-Ems“ im Internet eine Party für W. an.

Inzwischen hat sich Markus W. bei den Hells Angels zum Schriftführer hochgearbeitet. Der 36-Jährige gehört damit neben dem Schatzmeister und dem so genannten Sicherheitschef zum inneren Zirkel des Motorradclubs. Nur einer hat mehr zu sagen: Frank Hanebuth, der Boss der hannoverschen Engel. Getreu seinem Credo, dass jeder Hells Angel einen festen Job haben muss, besorgte Hanebuth dem verurteilten Markus W. nach dessen Rückkehr Arbeit – als Wirtschafter im Eros-Center am Steintor.
Doch der Schriftführer darf inzwischen weitere Aufgaben wahrnehmen. In der neu gegründeten „Steintor-Event-Hall“ in der Straße „Am Marstall“ fand im September 2008 die erste Messe für Tätowierungen („Tattoo-Convention“) statt. Markus W. sorgte dafür, dass Studios aus der rechten Szene dort ihre Angebote präsentieren konnten. Eingeladen war unter anderem der Tattoo-Laden „Last Resort“ aus Hildesheim. Dessen Inhaber Hannes K. war am 12. März 2008 vom Landgericht Halle zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er die verbotene Neonazi-Organisation „Blood & Honor“ („Blut und Ehre“) weiter geführt hatte. Dabei handelte es sich um ein rechtsextremes Netzwerk, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Musikbands miteinander zu koordinieren und nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten. Ebenfalls auf der Veranstaltung vertreten war das Tattoo-Studio „Bulletproof“ aus Munster im Kreis Soltau-Fallingbostel. Geführt wird der Laden von Hannes F. Er saß wegen seiner Tätigkeit für „Blood & Honor“ ebenfalls in Halle auf der Anklagebank.

Von der Zusammenarbeit zwischen Rockern und Rechten profitieren beide Seiten. „Was die Rockerszene bei Neonazis so beliebt macht, ist neben einer kompatiblen Ideenwelt aus Recht des Stärkeren, gewalttätigem Territorialverhalten, Soldatenethos und Kameradschaft, vor allem die Infrastruktur“, heißt es auf der Internetseite der Aktion „Netz gegen Nazis“, die unter anderem von der Wochenzeitung „Die Zeit“ initiiert worden ist. Rocker böten mit Clubhäusern, Lokalen und ihrer schützenden Hand den möglichen Raum für Rechtsrockkonzerte und Tattoostudios, heißt es dort weiter. Die Zusammenarbeit von Rockern und rechtsextremen Aktivisten bei Produktion und Vertrieb von verbotener Musik sei lukrativ für beide Seiten. Die Polizeidirektion Hannover spricht derzeit noch von „punktuellen Querverbindungen“ zwischen Rechtsradikalen und Hells Angels. „Es bestehen aber keine strukturell verfestigten Strukturen zwischen beiden Lagern“, sagte Behördensprecher Stefan Wittke. Man werde aber die Entwicklung weiter beobachten.

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