Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Verirrter Schlag tötete 24-jährigen Schlichter

Prozess gegen Schläger Verirrter Schlag tötete 24-jährigen Schlichter

Ein junger Mann hat seine Bemühungen, vor einer Kneipe einen Streit zu schlichten, mit dem Leben bezahlt. Der 24-jährige Timo S. starb im Februar 2015 an einem Faustschlag, den er offenbar versehentlich abbekam. Am Montag begann am Amtsgericht Hannover der Prozess wegen fahrlässiger Tötung.

Voriger Artikel
Unabhängiger Gutachter soll Unfallhergang klären
Nächster Artikel
"Clinton ist weniger schlecht als Trump"
Quelle: dpa

Hannover. Der 24-Jährige versuchte einen Streit zu schlichten vor einer Kneipe in Letter. Er bekam wohl versehentlich einen Schlag ab. Da sich in seinem Gehirn ein Aneurysma befand, die krankhafte Verdünnung und Aussackung eines Blutgefäßes, führte der Schlag zu einer Hirnblutung; anderthalb Stunden später war Timo S. tot.

Doch nach knapp dreistündiger Verhandlung brach Richter Lars Römermann die Verhandlung ab und verwies das Verfahren an das Schwurgericht. Es könne sein, dass sich der 49-jährige Dieter W. einer Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht hat – und damit möglicherweise härter bestraft wird.
Das Opfer gehörte zu einer Gruppe von jungen Leuten, die sich den ganzen Sonnabendabend in der Gaststätte an der Stöckener Straße aufgehalten und einigen Alkohol konsumiert hatte. Innerhalb dieser Gruppe kam es nachts gegen ein Uhr zu einem Streit um Geld. Dieser wurde irgendwann vor der Tür ausgetragen, reichte von lautstarken Beleidigungen bis zu leichten Handgreiflichkeiten. Schon hier versuchte Timo S., der in einer Spedition als Kraftfahrer arbeitete, beruhigend auf die Streithähne einzuwirken.

Wenig später tritt der Wennigser Dieter W. gemeinsam mit seiner Freundin aus der Kneipe. Auch er ist angetrunken, hat den Abend mit Dartspielen verbracht. Als er sieht, dass einer der jungen Männer gegen ein geparktes Auto tritt, stellt er den Randalierer zur Rede. Ein Wort gibt das andere, dann sprechen die Fäuste. W. schlägt auf seinen Kontrahenten ein – und trifft unversehens den 24-Jährigen, der erneut schlichten will. Dieser sackt sofort in sich zusammen. Seine Freunde leisten Erste Hilfe, doch auch die Rettungssanitäter und Ärzte, die sich kurz darauf um das Opfer kümmern, können dem Kraftfahrer nicht mehr helfen.

In welcher Form mischte sich S. in den Konflikt ein? Der Randalierer, der der eigentliche Gegner von W. war, sagte am Montag aus, dass ihn der junge Streitschlichter beiseitegeschoben und von Dieter W. einen Schlag kassiert habe, der eigentlich für ihn bestimmt war. Ein anderer Zeuge sprach sogar davon, dass der 24-Jährige „dazwischengesprungen“ sei und „die Faust kassiert“ habe. Auch Verteidigerin Tanja Brettschneider erklärte, dass ihr Mandant um sich geschlagen, das Opfer aber keinesfalls gezielt attackiert habe.
Der 49-jährige Angeklagte bot ein Bild des Jammers, weinte viel und vergrub den Kopf häufig in seinen Armen. Nach Angaben von Tanja Brettschneider leidet er erheblich unter den Folgen der Tat, will sich in einem Monat in einer psychiatrischen Klinik in stationäre Behandlung begeben. „Mein Mandant empfindet es als furchtbar, dass er durch diesen Schlag den Tod eines Menschen verursacht hat“, erklärte die Anwältin.

In seltener Einmütigkeit sprachen sich Staatsanwalt und Verteidigerin nach knapp drei Stunden dafür aus, es bei der Anklage wegen fahrlässiger Tötung zu belassen und die Verhandlung am Amtsgericht fortzusetzen. Doch Richter Römermann mochte diesem Ansinnen nicht folgen, reicht das Verfahrens nun ans Landgericht weiter. „Wer zuschlägt, nimmt immer in Kauf, jemanden zu treffen“, sagte er. Auch habe die Freundin des Angeklagten versucht, den Wennigser zu bremsen und ihn zu überreden, sich nicht stärker ins Geschehen einzumischen – was dieser ignoriert habe.

Natürlich habe der 49-Jährige dem Streitschlichter nicht nach dem Leben getrachtet, so der Richter; doch gebe es bei körperlichen Auseinandersetzungen auf engem Raum immer die Möglichkeit, jemanden zu verletzen. Ob es sich bei der Tat um eine Körperverletzung mit Todesfolge oder doch nur eine fahrlässige Tötung handelt, muss nun das Schwurgericht entscheiden.     

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Ein Highlight auf der Pferd & Jagd: Die Nacht der Pferde

Stars der internationalen Pferdeshow-Szene und Nachwuchsreiter zeigen bei der Nacht der Pferde ihr Können.