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Verkauft Aha Hannovers Altpapier zu billig?

Kritik am Entsorgungsunternehmen Verkauft Aha Hannovers Altpapier zu billig?

Wegen ungewöhnlich niedriger Preise, die aha für die Altpapierverwertung kassiert, steht das Entsorgungsunternehmen in der Kritik. Aha soll eine Ausschreibung zugunsten eines alten Geschäftspartner gestaltet haben. Die Differenz zum üblichen Marktpreis zahlt am Ende der Verbraucher – es geht um Millionen.

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„Wir würden gerne wissen, wie es zu diesen ungewöhnlich niedrigen Preisen kommt“: Die Opposition hat Fragen zu den Verträgen von Aha.

Quelle: Simonsen (Archiv)

Hannover. Nachdem das Bundeskartellamt in der vergangenen Woche fehlenden Wettbewerb in der Müllbranche beklagt hat, kommen jetzt Fragen nach Verträgen des hannoverschen Entsorgers Aha auf. Der nämlich erzielt für die Branche ungewöhnlich schlechte Preise für sein Altpapier. Experten zufolge belastet er damit seine Gebührenzahler mit 2,5 bis 3,5 Millionen Euro jährlich. „Wir würden gerne wissen, wie es zu diesen ungewöhnlich niedrigen Preisen kommt“, sagt CDU-Fraktionschef Bernward Schlossarek.

Insider machen dafür die jüngste Ausschreibung für die Abnahme des von Aha gesammelten Altpapiers verantwortlich. Diese lasse keinen Wettbewerb zu - das führe zu schlechten Preisen für das begehrte Material. Die Einnahmen aus dessen Verkauf fließen in den Gebührenhaushalt. So belasten schlechte Altpapierpreise für Aha die Verbraucher.

Im Frühjahr hatte Aha die Abnahme des Altpapiers aus der gesamten Region europaweit ausgeschrieben. Es handelt sich um einen bei Entsorgungsunternehmen sehr begehrten Auftrag: Jahr für Jahr kommen in der Landeshauptstadt und im Umland durch die Sammlung insgesamt mehr als 100 000 Tonnen zusammen - und die sind einiges wert. In den Papierfabriken ist Altpapier ein begehrter Rohstoff. Der Anteil von Altpapier bei der Herstellung von Papier liegt inzwischen bei rund 75 Prozent.

Vor zehn Tagen hatte Aha-Geschäftsführer Thomas Reuter im Abfallwirtschaftsausschuss der Region von dem neuen Vertrag für das Altpapier berichtet - und einem damit verbundenen Preiseinbruch auf weniger als die Hälfte des früheren Betrages. Bisher habe der Preis für die Tonne Altpapier bei 140 Euro pro Tonne gelegen, mit dem neuen Vertrag nur noch bei 65 Euro, hatte Reuter berichtet. Allerdings liegt der marktübliche Altpapierpreis derzeit deutlich höher. Branchenkenner sprechen von 90 Euro pro Tonne, der Branchendienst Euwid nennt sogar einen Tonnenpreis von 100 Euro.

Vereinfacht gesagt lautet der Vorwurf an Aha so: Das Unternehmen soll seine Ausschreibung so gestaltet haben, dass den größten Teil nur ein langjähriger Geschäftspartner gewinnen konnte. So gab Aha als Bedingung an, dass Bewerber Altpapier-Abnahmestellen in Misburg, Linden sowie in Wunstorf-Kolenfeld haben müssten - eine Bedingung, die nur auf den altbewährten Partner zutrifft, in Misburg auch auf zwei kleinere Unternehmen. Große Unternehmen wie Remondis oder Veolia konnten sich daher nicht bewerben. Sie sind zwar in Hannover vertreten, haben hier auch Sammelplätze, aber nicht an den von Aha geforderten Orten. „Formaljuristisch ist die Ausschreibung völlig korrekt“, heißt es in der Branche. „Aber einen echten Wettbewerb lässt sie nicht zu.“ Aha nahm auf die Anfrage der HAZ dazu am Montag nicht Stellung.

In der vergangenen Woche hatte das Bundeskartellamt beklagt, dass sich von Jahr zu Jahr weniger Unternehmen an Ausschreibungen im Entsorgungsbereich beteiligen. Außerdem seien die Preise sehr unterschiedlich, heißt es. Das Kartellamt kündigte gleichzeitig eine intensive Untersuchung an. Deren Ergebnisse könnten später eine Grundlage für Verfahren gegen einzelne Unternehmen sein, sollten sich Hinweise auf Preisabsprachen, versteckte Monopole oder fehlenden Wettbewerb finden.

Kritik kam in diesem Zusammenhang auch vom Bund der Steuerzahler in Niedersachsen. Dessen Vorsitzender Bernhard Zentgraf forderte von den Kommunen mehr Transparenz bei der Gestaltung der Müllgebühren.

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