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Warum wurde Fahrgast mitgeschleift?

Prozess um Stadtbahn-Unfall Warum wurde Fahrgast mitgeschleift?

Im Herbst 2010 klemmte eine Frau mit ihrer Hand in der Tür einer Stadtbahn fest, wurde mitgeschleift und erlitt schwere Verletzungen. Im Prozess wurde der Üstra ein Schadensersatz zugesprochen. Die Frau streitet weiter um ein Schmerzensgeld. Ein drittes Gutachten soll nun die Unfallursache klären.

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Beim Einsteigen an dieser Haltestelle am Zehlendorfweg wurde die 30-jährige Frau eingeklemmt, mitgeschleift und prallte dann gegen das Gitter im Hintergrund.

Quelle: Surrey

Hannover. Eine junge Frau, die im Herbst 2010 beim versuchten Einsteigen in eine Stadtbahn einen schrecklichen Unfall erlitt und mitgeschleift wurde, versucht seit Jahren, von der Üstra ein Schmerzensgeld zu erstreiten. Nach einer Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht (OLG) Celle will der 14. Zivilsenat nun ein weiteres Gutachten anfordern. Die erste Instanz, das Landgericht Hannover, hatte der Üstra 857 Euro Schadensersatz zugesprochen – für den vorübergehenden Einsatz von Ersatzbussen sowie die Lohnfortzahlung für den Stadtbahnfahrer, der nach dem Unfall einen Schock erlitt und fünf Tage krankgeschrieben war. Die 35-jährige Kundin aber ist ungleich härter betroffen: Sie wurde monatelang in verschiedenen Kliniken behandelt, hat dauerhafte Schädigungen davongetragen und ist zu 100 Prozent erwerbsunfähig.

Das Unglück ereignete sich an einem Montagmorgen um 7.34 Uhr auf der Kugelfangtrift in Vahrenheide. Die damals 30-Jährige wollte an der Haltestelle Zehlendorfweg in eine Stadtbahn der Linie 2 Richtung City einsteigen. Nach Darstellung der Üstra hatte der Fahrer die Türen ordnungsgemäß geschlossen, sich per Blick in den Außenspiegel davon überzeugt, dass niemand mehr im Gefahrenbereich stand, und war losgefahren. Die Frau habe versucht, in die anrollende Bahn zu gelangen, „unter Außerachtlassung jedweder Vernunft“. Sie fiel zu Boden, wurde 19 Meter über den Hochbahnsteig geschleift, prallte an ein Gitter und wurde gegen den hinteren Waggon geschleudert. Ein Zeuge auf dem Bahnsteig beobachtete, wie das schreiende Opfer in der Tür hing und nicht loskam.

Der Mann im Führerhaus bemerkte das Unglück nicht, wurde erst vor der nächsten Station von einem Fahrgast darauf aufmerksam gemacht, dass etwas Entsetzliches passiert war. Das Opfer erlitt einen Schädelbasisbruch und schwere Verletzungen an rechtem Bein und rechter Hand. Die Frau wurde mehrfach operiert, die Ärzte mussten ihr Finger amputieren, bis heute leidet sie unter Schmerzen, ist an Hand und Fuß gehandicapt. Hinzu kommen Depressionen.

Die Sichtweise der Frau über den Unfallhergang ist eine andere. Die Stadtbahn habe noch gestanden, als sie einsteigen wollte. Eine Hand habe sie bereits durch die Türflügel gesteckt, als diese sich plötzlich geschlossen hätten. An Details kann sich die Frau nicht erinnern und beruft sich eher auf Zeugenaussagen; Schuld an dem Unglück sei aber zweifelsfrei die Üstra.

Doch im April 2015 wies das Landgericht ihre Schmerzensgeldansprüche zurück. Möglicherweise habe sich die Frau an einer äußeren Kante der Tür festgeklammert, vielleicht habe sie auch versucht, ihre Hand durch die vom Fahrer bereits verriegelten Türflügel zu stecken, um diese aufzudrücken. Ein Gutachter hatte diverse Tests mit einer hölzernen Hand angestellt und festgestellt, dass derartige Türen sehr sensibel eingestellt sind und sich bei Widerständen sofort wieder öffnen – aber nur, bevor sie der Fahrer endgültig verriegelt.

Doch hier hat Rechtsanwalt Michael Fürst, der das Opfer vertritt, maßgebliche Einwände. Hand und Handgelenk seiner Mandantin seien so zierlich, dass der automatische Öffnungsimpuls beim Schließen der Türen eventuell nicht ausgelöst habe. Auch seien die mittigen Gummilippen etwa drei Zentimeter breit, hier sei durchaus Spiel für eine Fehlfunktion.

Lebensmüde war die Betriebswirtin, die 2010 bei einer Versicherung beschäftigt war, laut Anwalt Fürst sicher nicht: Dann hätte sie sich vor die Stadtbahn geworfen und nicht mit Gewalt in einen Waggon zu zwängen versucht. Es gebe keinerlei Anhaltspunkte, dass die Frau in eine geschlossene Tür gegriffen habe, dies sei auch völlig lebensfremd. Stattdessen habe sie den Haltebügel im Wageninneren schon umfasst, als sich die Tür schloss und die Bahn anfuhr.

Ein nunmehr drittes Gutachten soll Klarheit schaffen. War es möglich, dass die 30-Jährige den Öffnungsknopf betätigte, die Tür ganz oder teilweise aufging und sich dann – möglicherweise begünstigt durch eine Zwangsverriegelung vonseiten des Fahrers – wieder schloss, bevor die Frau einsteigen konnte? Auch soll der Sachverständige Auskunft geben, ob die automatische Sicherungsvorrichtung versagt haben könnte.

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