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Aus der Stadt Stromdiebstahl löst Kellerbrand aus
Hannover Aus der Stadt Stromdiebstahl löst Kellerbrand aus
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00:18 22.12.2017
Vor dem Amtsgericht scheiterte eine Mutter mit dem Versuch, ihre Vermieterin zur Renovierung einer Drei-Zimmer-Wohnung in Döhren zu zwingen. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Gelegentlich mutet der Versuch von Menschen, ihr vermeintliches Recht vor Gericht einzuklagen, wagemutig an. So wollte ein Paar mit einem vierjährigen Jungen, die seit Monaten in einer unbeheizten Wohnung in Döhren leben, die Vermieterin dazu zwingen, ihnen Zugang zu Strom und Heizung zu verschaffen. Doch was im ersten Moment wie ein selbstverständliches Anliegen anmutet, gewinnt auf dem Hintergrund der Vorgeschichte ganz andere Konturen. 

So schmetterte Amtsrichterin Dagmar Frost jüngst die Versuche der Mieterin ab, die Instandsetzungsarbeiten mit juristischen Mitteln zu erzwingen. Zugleich laufen gegen die 34-Jährige und ihren 68-jährigen Lebensgefährten eine Räumungsklage sowie ein Strafverfahren wegen eines Versuchs der Entziehung elektrischer Energie. Die beiden hatten beim illegalen Stromabzapfen einen Kellerbrand verursacht; ein Verfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung stellte die Staatsanwaltschaft aber wieder ein, da das Gebäude nicht ernsthaft beschädigt wurde. Zudem lässt das Familiengericht prüfen, ob die Mutter noch ordnungsgemäß für ihr Kind sorgen kann.

Einzug in Wohnung erschlichen

Der Ehemann der Vermieterin ist Bauunternehmer, der spätere Mieter bulgarischer Abstammung war bei ihm als Arbeiter tätig. Im Frühjahr 2017 bekam der Bauarbeiter mit, dass sein Chef eine 53-Quadratmeter-Wohnung in Döhren als Materiallager nutzt. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlich er sich vom Vorarbeiter einen Schlüssel zu dieser Drei-Zimmer-Wohnung – und zog im Mai klammheimlich mit seiner Lebensgefährtin in die Räume ein, die vollgestellt und deren Heizkörper demontiert waren. Als diese Okkupation Wochen später aufflog, flehten die illegalen Bewohner die Vermieterin an, sie doch als reguläre Mieter zu akzeptieren. Sie versprachen, die Wohnung instandzusetzen und die Heizung anzuschließen. Die Vermieterin ließ sich überreden und sagte dem Paar sogar zu, für alle Materialkosten aufzukommen – versäumte es im Juli allerdings, diese Sanierungs-Versprechen im Mietvertrag mit der 34-Jährigen festzuschreiben.

Die versprochene Instandsetzung geriet schnell ins Stocken. Zunächst genehmigte der Schornsteinfeger keine Verlegung der Therme. Im Oktober dann zweigte der Bauarbeiter verbotenerweise Strom aus dem Keller ab – und verursachte einen Brand, der die Feuerwehr auf den Plan rief. Übergangsweise mussten alle Mieter des Hauses deshalb auf Elektrizität verzichten. Weil die Erdgeschoss-Mieter nochmals versuchten, Strom zu stehlen und weil sie Stadtwerke-Handwerkern jeglichen Zutritt zur Wohnung verweigerten, wurde ihr Stromzähler schließlich komplett vom Netz genommen. Den Kellerschlüssel musste das Paar abgeben. 

Vermieterin hat gekündigt

Die Vermieterin war über diese Entwicklung überhaupt nicht begeistert, kündigte den Mietvertrag. Doch die Mutter konterte, wollte die Vermieterin mithilfe einer Klage zwingen, die Stromzufuhr wiederherzustellen, die Heizung in Gang zu bringen und den Kellerschlüssel wieder herauszugeben. Doch per Versäumnisurteil wurde diese Forderung im November abschlägig beschieden; jetzt lehnte Zivilrichterin Frost auch den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ab, um dieses Urteil aufzuheben.

Das Paar soll mit dem Jungen immer noch in der kalten, zugestellten und vermüllten Wohnung leben, Richterin Frost bezeichnet die Zustände dort als „desolat“. Jetzt wird das Jugendamt prüfen, ob das Wohnumfeld für den Vierjährigen noch zumutbar ist.

Von Michael Zgoll

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