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So funktioniert das Logistikzentrum von Arvato

Versanddienstleister in Kronsberg So funktioniert das Logistikzentrum von Arvato

Das riesige Logistikzentrum der Bertelsmann-Tochter Arvato am Kronsberg ist seit etwa einem Jahr in Betrieb – mit internationalem Anspruch. Ein Hausbesuch.

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Laura Dapkute holt als sogenannte Pickerin Ware für den Versand aus den Lagerplätzen. 350.000 Stück davon gibt es in der Halle am Kronsberg.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Marta Bzdok hat an ihrem Arbeitsplatz im Wareneingang des Logistikzentrums von Arvato am Kronsberg derzeit viel zu tun. Das Modehaus Esprit, für den der Standort den europaweiten Onlinehandel organisiert und abwickelt, bietet aktuell reduzierte Preise, neudeutsch Sale. „Auf so etwas warten die Kunden; die Bestellmengen verdoppeln sich“, sagt Betriebsleiter Lutz Meier. Besonders montags und dienstags brummt das Geschäft, weil viele am Wochenende das Internet nach passender Bekleidung durchsuchen und dann den Bestellbutton anklicken.

Seit einem Jahr ist das Logistikzentrum der Firma Arvato am Kronsberg in Betrieb. Ein Blick in die Versandhalle. 

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Vor etwa einem Jahr ist das Logistikzentrum in Betrieb gegangen – später als zunächst geplant, weil ein derart komplexes System nicht einfach von einer Minute auf die andere startbereit ist. Ursprünglich wollte die Bertelsmann-Tochter Arvato schon zum Weihnachtsgeschäft 2014 vom Kronsberg aus versenden, das bereits im Spätsommer beginnt. Einen hektischen Umzug des Esprit-Handels aus Garbsen an die Messe hat man deshalb vermieden.

Der Bau des Logistikzentrums am Kronsberg, den noch die zwischenzeitlich insolvent gegangene Netrada angeschoben hatte, war bei Anliegern hoch umstritten. Man erwartete vor allem Lärm- und Verkehrsbelastungen. „Das ist kein Thema mehr“, sagt Arvato-Geschäftsführer Peter Buse. Mit Verkehrskonzepten, mit Informationsveranstaltungen und Firmenbesichtigungen hat man erfolgreich um Vertrauen geworben. „Außerdem ist die Zahl der Lastwagen, die das Zentrum anfahren, geringer als zunächst geplant“, erklärt Buse. Weil keine Kleinlaster verkehren, seien es derzeit etwa 50 pro Tag statt wie zunächst kalkuliert 100. „Wir haben ein einziges Mal Lärmbeschwerden bekommen, aber nachweisen können, dass das die Fahrzeuge eines anderen Unternehmens waren“, sagt der Geschäftsführer.

50.000 Quadratmeter, 350.000 Lagerplätze, elf Verladetore

Offiziell heißt das Logistikzentrum am Kronsberg nicht Logistikzentrum am Kronsberg, sondern Arvato eCommerce Warehouse Hannover Messe. „Sowohl der Name als auch die Standortbezeichnung sollen unseren internationalen Anspruch ausdrücken“, sagt Betriebsleiter Meier. Das Haus habe sich zu einem international anerkannten Referenzobjekt entwickelt: „Kürzlich waren wieder Delegationen aus Australien und Indien bei uns.“

Der Bau hat 50 Millionen Euro gekostet, bedeckt 50.000 Quadratmeter Fläche, erreicht eine Höhe von elf Metern, hat 350.000 Lagerplätze und elf Verladetore. Alle Modeartikel vom T-Shirt bis zum Abendkleid, dazu Schuhe und Schmuck werden von hier aus in 25 Länder versendet und wieder entgegengenommen, wenn der Kunde sie als Retoure zurückschickt. Die Anlage kann sieben Millionen Teile im Jahr bewältigen.Für den Laien sieht das, was in der Halle am Kronsberg abläuft, geheimnisvoll aus. Man sieht Kleidung in Plastikkisten oder auf Stangen, Förderschienen mit Hängetaschen, Kartons aller Größen, die über Förderanlagen laufen – und ahnt, dass dahinter eine Ordnung stecken muss, die gewährleistet, dass nicht alles kollabiert und in einem riesigen Wäscheberg endet. So etwas kann nur ein ausgeklügeltes Computerprogramm, aber ein vollautomatisiertes Logistikzentrum für Mode wird es trotzdem nicht so schnell geben. „Dazu sind die Aufträge der Kunden zu individuell“, sagt Meier.

Taschen mit Funkchip erleichtern Logistik

800 Männer und Frauen arbeiten bei Arvato am Kronsberg als Stammbelegschaft, zu Spitzenzeiten kommen 400 bis 500 Zeitarbeiter hinzu. Sie packen frische Ware aus, scannen die Barcodes der einzelnen Artikel und schicken sie ins Lager. Dort sind andere als sogenannte Picker unterwegs. Sie arbeiten die Kommissionierlisten für die Ware ab, die das Logistikzentrum verlässt. „Es gibt Mitarbeiter, die haben hier 20 Kilogramm abgenommen. Ein Picker läuft pro Schicht bis zu neun Kilometer“, berichtet Buse.

Nächste Station ist die Aufgabe, in der jeder Artikel in eine spezielle Kunststofftasche gesteckt wird. Die Taschen tragen einen Funkchip, sodass das Computersystem jederzeit weiß, wo in der riesigen Anlage sich welche von ihnen mit welchem Inhalt gerade befindet. Das ist auch dringend nötig, denn hier wiederum käme ein Mensch an seine Grenzen. Die Taschen hängen an Förderbändern, die nicht im Kreis oder linienförmig verlaufen, sondern so, als habe man sie angebracht, wo gerade Platz ist. Der Schein trügt. „Der Taschensorter ist das Herzstück des Zentrums und der größte in Europa“, sagt Meier. Erst an der Packstation fügt sich zusammen, was zusammengehört. Hier packen die Mitarbeiter die Pakete so zusammen, das sie für den Versand an den Endkunden bereit sind.

Das klingt und ist kompliziert, aber ein Geschäft der Zukunft. Nach Angaben von Buse macht der Internethandel bei Esprit und anderen Modehäusern bereits bis zu 30 Prozent aus. Die aktuellen Wachstumsraten in der Branche liegen bei jährlich acht Prozent.    

Der Riese agiert im Hintergrund      

Statistisch gesehen kommt jeder Mensch in Deutschland achtmal täglich mit Arvato in Kontakt, ohne dass er es in den meisten Fällen merkt. Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochter des Bertelsmann-Konzerns, beschäftigt weltweit mehr als 70 000 Mitarbeiter und verbuchte 2014 rund 4,66 Milliarden Euro Jahresumsatz. Eines der starken Standbeine des Konzerns ist der Internethandel.

In Hannover hat Arvato vor gut zwei Jahren die Netrada aus der Insolvenz übernommen und verfügt mit dem Kronsberg, Langenhagen und Lehrte über drei Logistikzentren für den Onlinehandel in der Modebranche. Zu den Kunden zählen außer Esprit am Kronsberg und C&A in Langenhagen auch Marken wie Tommy Hilfiger, Lacoste oder Versace in Lehrte.

Das Zentrum am Kronsberg war zum Zeitpunkt der Übernahme durch Arvato noch im Bau. Im ersten Betriebsjahr hat es nach Angaben von Geschäftsführer Peter Buse noch rote Zahlen geschrieben, für das laufende erwartet er einen kleinen Gewinn.

Aktuell befindet sich Arvato im Clinch mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die höhere Löhne und mehr Urlaub für die Mitarbeiter fordert. Es gab bereits Warnstreiks. „Ich weiß nicht, wer das bezahlen soll. Wir befinden uns schließlich immer noch in der Umstrukturierungs- und Aufbauphase“, sagt Buse und betont, dass der Konzern in Hannover höhere Gehälter überweise als in der Branche üblich. Man suche gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaft nach einer Lösung, aber die Gespräche gestalteten sich schwierig.     

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