Rabatte zur Kundenbindung? Prämien für den Wechsel zu Enercity? Noch zu Jahresbeginn glaubten die Stadtwerke, das nicht nötig zu haben. Dass neue Wettbewerber mit Boni von bis zu 140 Euro warben, nahm Michael Feist gelassen zur Kenntnis. Wegen des Einbruchs der Konjunktur gebe es ein Überangebot von Strom und Gas auf dem Markt – einige Anbieter nutzten das, um sich kurzfristig zu sehr günstigen Konditionen einzudecken, sagte der Vorstandschef: „Hinter dieses Geschäftsmodell setzte ich ein großes Fragezeichen. Es ist nicht nachhaltig.“ Manche Konkurrenten könnten auch ganz schnell wieder weg sein vom Markt.
Doch sie sind immer noch da – und zwingen nun die Stadtwerke zur Anpassung ihrer Tarifstruktur. Wer als neuer Kunde zu Enercity wechselt oder als treuer Abnehmer sich für ein oder zwei weitere Jahre an das Unternehmen bindet, bekommt einen Bonus von 50 beziehungsweise 100 Euro sowie einen Rabatt von ein oder zwei Prozent auf den Preis der Kilowattstunde. Wer zudem eine Einzugsermächtigung erteilt und seinen Zähler selbst abliest, erhält abermals ein oder zwei Prozent Nachlass.
Mit dem „Begrüßungsgeld“ zielen die Stadtwerke auf die Preisvergleiche im Internet. Wer bei Anbietern wie Verivox oder Energieverbraucherportal.de eine Übersicht über die günstigsten Tarife abruft, stößt auf den vorderen Plätzen meist auf Unternehmen, die Kunden mit Boni zum Wechsel bewegen wollen. Dass die Kilowattstundenpreise selbst oft nur geringfügig günstiger sind als die des angestammten Anbieters, wird dabei leicht übersehen. Schon im zweiten Jahr des Bezugs rechnet sich manch vermeintliches Schnäppchen nicht mehr.
Beim Strom hat Enercity auf diese Marketing-Spielchen bereits vor zwei Jahren reagiert und die beschriebenen Options-Tarife eingeführt, die Rabatte von bis zu fünf Prozent ermöglichen. Bei Gas hatte man das unterlassen und vergleichsweise schnell viele Kunden verloren. Beim Strom, wo schon länger ein intensiverer Wettbewerb herrscht, hat bundesweit bereits fast jeder fünfte Kunde den Versorger gewechselt – bei Gas liegt die Quote lediglich halb so hoch. Im Vergleich dazu haben die Stadtwerke mit jeweils mehr als 93 Prozent zwar einen hohen Marktanteil verteidigen können, beim Gas aber haben sie zuletzt schneller Kunden verloren.
Bisher war es Enercity gelungen, mit dem Festpreismodell „Gas & fix“ etwa ein Fünftel der rund 200.000 Gaskunden für ein Jahr an sich zu binden. Mit den neuen Optionstarifen hoffe man auf mindestens 10.000 neue „Festkunden“, sagte Feist. Beim Strom möchte das Unternehmen gern 60.000 seiner knapp 400.000 Abnehmer für das renovierte Preismodell gewinnen. Aber auch ein größerer Ansturm sei dem Unternehmen willkommen, sagte Feist. Man habe mit den Vorlieferanten so flexible Verträge geschlossen, dass auch eine deutlich höhere Zahl von rabattierten Verträgen kein Risiko für die Bilanz darstelle.
Der Stadtwerke-Chef rechnet damit, die Tarife für Strom und Gas von Oktober an für die kommenden zwölf Monate stabil halten zu können. Zumindest werde man auf dem jetzigen Preisniveau über die Heizperoide kommen.
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Kommentare
@ja P=ressekom.de – 14.08.10
Dass Grundversorger immer teurer sein müssen, überzeugt nicht.1) Es gibt auch preiswerte "Grundversorger".
2) Die Versorgungspflicht zählt nicht: Die Wettbewerber müssen ja die kalkulierten Netzentgelte ebenfalls bezahlen.
3)"Eigene Kraftwerke" sind dann überflüssig, wenn sie im langfristigen Mittel teurer produzieren als fremde Kraftwerke.
4)"Versorgungssicherheit": Bisher ist nicht bekannt geworden, dass Andere (Yello usw.)Lieferengpässe gehabt hätten.
blödsinnige Kommentare ich – 08.08.10
JA, Wechsel zu EON macht voll Sinn!!! Die sind soooooooo günstig und bieten einen tollen Service!!! hahahahahahahaha, geil! Wo soll ich unterschreiben???@Pressekom: Ja, es gibt für Grundversorger höhere Verwaltungskosten, weil jeder andere Anbieter sich aussuchen darf, ob man einen Kunden aufnimmt oder nicht, als Grundversorger hat man keine Wahl. Außerdem produzieren die Stadtwerke ihren Strom auch selbst. Eingekauft wird aktuell nur durch neue Anbieter äußerst günstig an der Leipziger Börse, als normales Versorgunsunternehmen gibt es auch sowas wie längerfristige Lieferungsverträge. Falls Sie dies nicht nachvollziehen können: Kaufen Sie mal heute genau das ein, was Sie in einem Monat brauchen, ohne zu wissen, wie der Preis in einem Monat ist, was Sie tatsächich benötigen um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten! Strom lässt sich leider (noch) nicht speichern in der Menge! Ich will sooo gerne die ganzen Jammerlappen sehen, wenn wie in afrikanischen und südamerikanischen Ländern mal eben die Versorgung wegbricht, dann wird auch wieder gejammert, aber an die Instandhaltung der Netze wird ja aktuell auch kein Gedanke verschwendet. Warum verkauft eon wohl seine Netze???? Kostenersparnis!!! tz tz tz...vllt mal Hirn einschalten vorm posten ;-)
verivox Micha – 08.08.10
Hallo zusammen,ich arbeite bei einen der größten Stromanbieter in Deutschland und finde es erstaunlich, wie dieses Portal arbeitet.
Gehe mal nach verivox auf den Produktfinder der Firma E.ON und schaue es gibt auch andere preisgünstigere Verträge die verivox garnicht angeboten hat,Komisch!
Einfach mal reinschauen, soll jetzt keine Werbung sein.
Kommentar von Pressekom Pressekom – 06.08.10
Sorry, den Kommentar habe ich etwas zu schnell abgeschickt. Deshalb sind einige Schreibfehler nicht korrigiert worden. Ich werde mich bessern...Verschärfter Wettbewerb zwingt enercity... Pressekom – 06.08.10
Warum ist Strom bei den Stadtwerken teurer als anderswo?Als Antwort fallen mir verschiedene Möglichkeiten ein.
Erstens: Die Stadtwerke kaufen den Strom teurer ein als das die Konkurrenten tun?
Zweitens:Die Stadtwerke haben höhere Verwaltungs- und/oder Vertriebskosten?
Lautet die Antwort ja, dann haben die Stadtwerke schlechte Manager und/oder Aufsichtsräte; diese sollten baldmöglich ausgetauscht werden. Gewerkschafts- oder SPD- Nähe sind dabei ausdrücklich kein Qualitätskriterium. Lautet die Antwort nein, so stellt sich die nächste Frage:
Drittens: Verlangt die Stadt Hannover zu hohe Konzessions- oder Gewinnabgaben? Dann haben wir schlechte Politiker. Ist die Gewinnabführungsvorgabe nämlich höher als bei den Konkurrenten, so führt das dazu, dass “hannovertreue” Bürger, die nicht wechseln, indirekt “bestraft” werden. Dann brauchen wir andere Politiker
Anekdotisch möchte ich zu Frage zwei zwei kleine Geschichten beitragen.
Erstens, was passiert, wenn enercity Hausanschlüsse oder Leitungen erneuert? Für die “Drecksarbeiten” (Aushub und Verfüllung) werden gerne Drittfirmen angagiert. Frage: Ist das wirklich billiger als schlummernde Personalressourcen produktiv einzusetzen? Wenn die Leitungen frei liegen, stehen im Schnitt drei enercity-Wagen vor der Tür. Im Wechsel fahren Arbeiter, Vorarbeiter, Meister, Kontrolleure und was sonst noch “Rang und Namen” hat vor. Oft werden an der Baustelle Konsilien veranstaltet, wie man sie am Bett von totkranken Patienten sieht. Die Standheizungen in den Fahrzeugen blubbern schon, den Frühstück und Bildzeitung verlangen ihr Recht...
Zweitens, eine Szene aus dem Kundenberatungscenter. Es ist kurz vor Mittag. Der Kunde zieht eine Wartemarke. Das Warten dauert gemäß Aushang, weil man dann einen besonders kompetenten Berater bekommt. Ich bin drann und trage meine Frage vor. Verkürzt: Altes Reihenhaus, kann man dort einen Durchlauferhitzer installieren? Antwort “aus der Pistole”, ja, das geht. Verwundert reibe ich mir die Augen, ob der orbitanten Detailkenntnisse des Beraters.
Leichte Zweifel anmeldend, nenne ich Straße und Hausnummer. Dann wird der Computer befragt. Antwort: Geht nicht, Hauszuleitung zu schwach. Aha!! Das besprechen Sie am besten mit ihrem Elektromeister. Behäbigen Schrittes entschwindet er zur Mittagspause...
Schließlich noch eine Anmerkung: Warum muss der Endverbraucher dafür bezahlen, dass andere Leute teuren Strom produzieren, den ich als Unbeteiligter durch Preiserhöhungen heruntersubventionieren muß? Die zu hohen Einspeisungsentgelte haben dazu geführt, dass die einheimischen Solarzellenproduzenten ihre technischen Innovationen gestreckt haben, die technisch veralteten Anlagen ließen sich sich ja noch prima vermarkten. Die hohen Einspeisungsvergütungen haben bei den Investoren zu suboptimalen Standorten geführt. Beispiel: Installation auf Dächern mit Westausrichtung. Originalberatung eines “Fachmanns” auf einer Spezialmesse. “Ach, Sie haben ein Westdach? Das macht doch nichts, dann installieren Sie doch ein Element mehr...”
Ich bin dafür, dass sichere Atomkraftwerke länger am Netz bleiben. Der Staat soll sich das Geld für die Subventionen von Solardächern durch eine Abgabe bei diesen Stromproduzenten holen. Dann bringt die längere Laufzeit dieser Anlagen auch dem Stromendverbraucher einen Vorteil.
Schon mal verivox ausprobiert, ... Skipper – 06.08.10
... lieber Herr Heitmann? Wohl nicht, denn sonst könnten Sie so einen Mist nicht schreiben.Zum Glück kann man ja Boni, Vorkasse und den ganzen anderen Quark im Vergleichportal abwählen. Wenn man sich dann die übrig bleibende Liste ansieht (Stand 06.08.), finden sich die Stadtwerke Hannover auf Platz 80 (in Worten: achtzig!) der Vergleichstabelle.
Na klar, die Vergleichsangebote sind überhaupt nicht wesentlich günstiger. Nein nein, auf Platz zwei findet sich zum Beispiel ein Anbieterkonsortium aus 15 anderen Stadtwerken, die wohl besser wissen, wie man es macht: Ersparnis gegenüber Hannovers Normaltarif schlappe 14 Prozent. Und zwar mit einer Kündigungsfrist von einem Monat. Ohne Kundenbindungszwang über Jahre.
So, Herr Heitmann, und jetzt sind Sie wieder dran.