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Aus der Stadt „Versprecher sind doch menschlich“
Hannover Aus der Stadt „Versprecher sind doch menschlich“
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00:17 29.04.2017
Dagmar Berghoff begeisterte ihre Zuhörer im Ihme-Salon des Seniorenservice mit „Tagesschau“-Anekdoten. Quelle: Eberstein
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Hannover

Guten Abend meine Damen und Herren“, sagt Dagmar Berghoff mit ihrer ruhigen, ein wenig rauen Stimme - und im Saal macht sich sofort ein heimeliges Gefühl breit. So als wäre es nicht 15 Uhr, sondern 20 Uhr, und als befände man sich nicht im Jahr 2017, sondern irgendwann in den Achtzigerjahren - Föhnfrisur und Schulterpolster inklusive. Die ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin ist zu Besuch im Ihme-Salon des Kommunalen Seniorenservice Hannover (KSH) und schwelgt mit den Zuschauern im vollbesetzten Saal in der zweiten Etage in Erinnerungen.

Fast wie eine alte Freundin wird die 74-Jährige empfangen. Man kennt sie schließlich von den zahllosen Nachrichten-Abenden, die man mit der gebürtigen Berlinerin auf dem Sofa verbracht hat. Ein wenig in die Jahre gekommen sei Berghoff, sagt Ursula Büchner, doch sie hängt an den Lippen der Nachrichtensprecherin, die ohne viele „Ähs“ und „Ems“ anderthalb Stunden lang aus dem Nähkästchen der traditionsreichen deutschen Nachrichtensendung plaudert.

Dagmar Berghoff ist eine kleine Sensation - die erste Frau im Team der „Tagesschau“ und sie erinnert sich noch genau an den Moment, der ihre Karriere als Radiomoderatorin beim NDR beendete. „1976, als ich bei der ‚Tagesschau’ anfing, waren Frauen im Fernsehen allerhöchstens für die leichten Themen zuständig“, erzählt sie. „Für das Wetter oder Unterhaltungssendungen.“ Doch dann war plötzlich „Tagesschau“-Urgestein und Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke am Telefon und lud sie zu einem Vorsprechen bei der renommierten Nachrichtensendung ein.

Direkt in die 20-Uhr-Sendung

„Für mich war das wie ein Ruf aus Hollywood“, erzählt die 74-Jährige. „Ich war die erste Frau in einer Männerdomäne.“ Am 16. Juni 1976 las sie ihre erste Sendung. Und weil die Medien sich sofort auf die junge Frau stürzten, blieb eine lange Eingewöhnung aus. „Ich musste dann auch schnell in der Hauptsendung um 20 Uhr ran.“

Immer und immer wieder habe sie sich ihre erste Sendung angeschaut, gesteht Berghoff. „Ich habe noch so viel vom Blatt abgelesen und kaum hochgeschaut.“ Jahrzehntelanges Training machte die 74-Jährige in den Neunzigerjahren zur Chefsprecherin der Tagesschau. Für ihre letzte Sendung suchte sich Berghoff ein ganz bestimmtes Datum aus: „Ich wollte die letzte ‚Tagesschau’ vor dem Milleniumswechsel lesen“, erzählt sie. Diesen Wunsch setzte sie durch und verabschiedete sich mit den Nachrichten am 31.12.1999 von ihrem Publikum.

„Wenn man Frau Berghoff reden hört, kommen so viele Erinnerungen hoch“, sagt Karin Lamm, die sich nach der Veranstaltung in die Reihe derer einfädelt, die auf ein Autogramm der beliebten Sprecherin hoffen. „Außerdem wusste ich gar nicht, was alles hinter den Kulissen abläuft.“

Denn auch zur Entstehung einer Sendung, über Eilmeldungen, die Kleiderwahl, Pannen und Versprecher bei der „Tagesschau“ hat Berghoff kleine Anekdoten mitgebracht. „Wir Sprecher müssen die Meldungen nur vortragen, geschrieben werden sie von Redakteuren“, sagt sie. „Wenn ich die komplette Sendung um kurz vor acht in der Hand hatte, war ich glücklich.“ Doch das sei selten gewesen, denn bis zum Wetterbericht könne sich immer alles ändern.

Was passiere, wenn schwierige oder unbekannte Namen oder Orte in den Nachrichten vorkämen, will das Publikum wissen. „Da hatten wir früher eine ganz einfache Regel“, sagt Berghoff. „Wenn du was Schwieriges hast, sprich es schnell und merkwürdig.“ Versprecher ließen sich dennoch nicht vermeiden, auch wenn sie seit der Einführung der Teleprompter weniger geworden wären. Berghoff selbst hat mit einem ihrer Versprecher und anschließenden Lachkrampf vor laufender Kamera „Tagesschau“-Geschichte geschrieben: „Boris Becker hat bei mir nicht das WTC-Turnier gewonnen, sondern das WC-Turnier.“ Lacher und bestätigendes Nicken im Publikum. „Versprecher sind doch menschlich“, sagt Berghoff „Das zeigt noch nur, dass die „Tagesschau“-Sprecher keine Maschinen sind.

Von Linda Tonn

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