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Aus der Stadt Nachts im Museum
Hannover Aus der Stadt Nachts im Museum
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00:16 29.06.2016
Von Bärbel Hilbig
Zeitreise: Daniel und Alexej verkleiden sich im Historischen Museum als Herren von früher. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Originell sieht der Stuhl ja aus, vieleckig und mit einem unregelmäßigen Metallgittergeflecht als Lehne. Aber ist er bequem? „Ach du meine Güte, nee, gar nicht“, stöhnt eine Besucherin und steht schnell wieder auf. Und sofort setzt sich der Nächste auf das von Fachleuten hochgelobte Möbel „Chair One“ von Konstantin Grcic. Zur Nacht der Museen lassen sich die Mitarbeiter der Häuser stets etwas Besonderes einfallen, im Museum August Kestner lädt ein Ensemble aus Designerstühlen zum Probesitzen ein. Das kommt gut an. „Das ist eine super Idee, richtig toll“, lobt Besucherin Silvia Wegner. Wie die meisten testet sie bei dem „Duell der Stühle“ alles aus und verteilt dann bunte Klebepunkte in den Kategorien praktisch, schön, bequem, ungewöhnlich.

In vielen der 18 teilnehmenden Museen treffen die Besucher auf einladende Livemusik und Aktionen in entspannter Atmosphäre. Angesichts der Regenfälle verlegt das Museum August Kestner Tangotanz und Gesang kurzerhand von draußen ins kleine Foyer, so fällt der Empfang für neu ankommende Gäste besonders stimmungsvoll aus.

Die Bilder zur Nacht der Museen 2016 in Hannover

Im Historischen Museum ist Geschicklichkeit gefragt. Die achtjährige Naya darf mit Sprühpistole und der Hilfe von Lena Gumprecht eine Fläche „lackieren“. Die junge Frau, die als Auszubildende zur Verfahrensmechanikerin bei Volkswagen Nutzfahrzeuge lernt, demonstriert in der Sonderausstellung „Die Bullibauer“ Beschichtungstechniken. „Wir nehmen hier nur verdicktes Wasser, sonst würden die Leute sich einsauen.“ Ob Wasser oder Lack ist Naya einerlei. „Das macht Spaß“, urteilt die Grundschülerin. Ihre Mutter Luba Bahrs lobt die Nacht der Museen. „Wir entdecken immer wieder etwas Neues.“

Zwei Etagen höher drängeln sich Kinder und Erwachsene in einem kleinen Ankleideraum. Rokokokleider, Allongeperücken, Biedermeier-Hüte und Fächer liegen bereit, um sich in andere Zeitalter zu versetzen. Daniel Dashevskiy hat sich eine rote Mütze und einen schwarzen Mantel ausgesucht. Jetzt nestelt der Neunjährige noch an seinem Schnurrbart herum, damit der Gesamteindruck stimmt. „Ich wollte mich schon immer mal als Schaffner verkleiden“, verkündet er. Daneben probiert der achtjährige Alexej einen Zylinder aus. Daniels Eltern Dimitry und Agnia Dashevskiy sind mit weiß gepuderten Perücken und prächtig verzierten Kleidern noch zwei Jahrhunderte weiter in der Zeit zurückgereist und haben sichtlich Spaß daran.

Einen besonderen Fund macht Lilly Renner im Museum für Energiegeschichte. Die Neunjährige stößt in einer Vitrine auf das wohl fast hundert Jahre alte Wissensspiel „Ein Licht geht auf“. Mit zwei Steckern an Kabeln können die Spieler prüfen, ob sie eine Frage richtig beantworten. Falls ja, schließt sich ein elektronischer Kreis und das Kontrolllämpchen leuchtet. „Wie lustig. Das hatten wir als Kinder auch, nur in modernerer Ausführung“, freut sich Lillys Vater Thomas Renner. Die ganz neue Version des Spiels hat Lilly zu Hause, spielt aber nicht mehr damit. „Weil es kaputt gegangen ist“, seufzt sie. Da kommt Thomas Renner eine Idee. „Unser Spiel steht noch bei Oma und Opa im Keller. Wir können ja mal nachschauen.“

Vor der alten Musikbox des Museums steht staunend der neunjährige Lenny mit seinen Großeltern Ellen und Jürgen Buck. „Mich interessiert Elektrik und wie man früher mit so etwas gearbeitet hat. Das habe ich von meinem Opa“, erklärt der Junge. Lenny ist zum ersten Mal bei der Nacht der Museen dabei und freut sich, deshalb länger aufbleiben zu dürfen.

In der Galerie Vom Zufall und vom Glück fängt ein Herr in kariertem Kurzarmhemd die Besucher am Eingang ab. „Gleich gibt es eine Einführung.“ Und flugs hören Kinder und Großeltern, Kunstbeflissene und Galerien-Neulinge mitten in der Nacht kluge und erhellende Worte über die Ausstellung „Schön gefunden“. Maler Jochen Weise lässt Kurator Giso Westing beim Reden den Vortritt. Das kann der Herr in kariert einfach gut.

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