Der Hamburger Architekt Walter Gebhardt (rechts), zweiter Preisträger, wirbt vor den Abgeordneten für sein Modell. Er will den alten Oesterlen-Saal wenigstens teilweise erhalten.
Es ist wie eine Elefantenrunde der Spitzenkandidaten kurz vor der Bundestagswahl: Sie alle bekommen ein letztes Mal Gelegenheit, vor ihren Wählern für sich zu werben. Die Wähler – das sind die Landtagsabgeordneten, die kommende Woche frei von Fraktionszwang über die Umbau- oder Neubaupläne für den Plenarsaal entscheiden sollen. Die Kandidaten – das sind die drei Architektenbüros, die beim Wettbewerb auf die ersten Plätze gesetzt wurden. Einer von ihnen könnte am Ende vom Landtag den Auftrag bekommen.
An diesem Dienstag sitzen etwa 100 Landtagsabgeordnete aus allen Fraktionen im Leibniz-Saal des Landtags und hören sich die Vorstellungen der drei Architekten an. Wettbewerbssieger Eun Young Yi preist seinen Glaspavillon anstelle des alten Oesterlen-Plenarsaals an. Er erhält kräftigen Applaus. Der Zweitplatzierte, Walter Gebhardt aus Hamburg, plädiert für den weitgehenden Erhalt der Grundmauern des Oesterlen-Saals, will aber eine gläserne Front zum Platz der Göttinger Sieben. Vor allem bei den Grünen findet er Anklang, auch bei Teilen der SPD. Nummer drei, Martin A. Müller aus Hannover, schlägt auch einen gläsernen Neubau vor, hat aber in den Fraktionen nur wenige Anhänger.
Yi hat seinen Entwurf etwas geändert. Die umstrittenen Glasbausteine sollen weg, es wird einen freien Blick aus dem Saal zur Leine und zum Platz der Göttinger Sieben geben, die Büros rücken zur Außenwand an der Leinstraße. Außerdem wird sein Pavillon etwas kleiner. „Ich spare 10 000 Kubikmeter Raum, der Bau wird also 2,5 Millionen Euro günstiger“, berichtet Yi. Doch in den neuen Entwürfen, die er an Schautafeln aufgehängt hat, sieht man die Unterschiede kaum. Das noch überzeugendste Argument für den Yi-Entwurf liefert der drittplatzierte Architekt Müller später, als er ausdrücklich Säulen als Elemente des künftigen Plenarsaals lobt: „Die gleichen den Bäumen, die in der Erde und im Boden fest verwurzelt sind, aber in den Himmel streben.“ So schön hätte es Yi nicht sagen können.
Viele Fragen hat der Architekt Gebhardt zu beantworten. Reicht es wirklich, bei einem Umbau die Außenwände nur abzustützen – oder müssen diese am Ende doch abgerissen werden? Wenn er in die Außenwände Sichtluken einbauen will, sogenannte „Schießscharten“, wird der Oesterlen-Bau damit nicht destablisiert? Was ist mit den Räumen unterhalb des Plenarsaals, die Gebhardt erhalten will – sind die nicht viel zu niedrig? Der Architekt meint, alle Einwände entkräften zu können, und er hat sich einen Statiker mitgebracht. Für Gebhardt spricht, dass der oberste Denkmalpfleger seinen Entwurf jetzt freundlicher beurteilt als noch vor drei Wochen. Gegen Gebhardt spricht, dass die Vertreterin des Finanzministeriums von „unkalkulierbaren Risiken“ spricht, sobald man ein altes Gebäude umbaut. Ein Neubau sei besser planbar. Dagegen tritt Gebhardt mit dem Versprechen auf, den Bau „zehn bis dreißig Prozent günstiger“ als die geplanten 39 Millionen Euro bauen zu können.
Wie genau er dies erreichen will, sagt er aber nicht. Es bleibt noch vieles unklar an diesem Dienstag. Dabei wird bald schon endgültig entschieden.
Kommentare
Die Kostenlüge? Bürger – 11.03.10
@nolimitEnschuldigung, aber ist das wahr, was Sie schreiben? Ich habe mich auch immer gewundert, warum nicht ein unabhängiges bautechnisches Gutachten mit Kostenschätzungen und ersten Kostenberechnungen eingeholt wird? Auch verstehe ich immer noch nicht, was das eigentlich für eine Wettbewerbsart ist. Ich kann als Auslober und Bauherr auch z.B. den 4. Preis des Wettbewerbs realisieren. Eigentlich gibt es immer eine Auslobungssumme für Bearbeitungshonorare, Preise und Ankäufe. Teilnehmer erhalten gleichmäßig ein Bearbeitungshonorar in Höhe Summe X. Preisgelder sind in den Auslobungsbedingungen gestaffelt beschrieben. Auch gehen nach dem Wettbewerb alle Rechte an den Auslober. Es muss auch einmal gesagt werden, dass heute die Bereitschaft vieler Bürger groß ist, sich zu lokalen Initiativgruppen zusammenzuschließen, auch um bei lokalen und regionalen Entscheidungen mitzubestimmen. Das zeigt, dass der gute Wille zum demokratischen Engagement keineswegs erloschen ist. Die Auswahl und Entscheidung über Projekte darf nicht länger bestimmten Zirkeln überlassen werden, sondern muss für die Mitwirkung der Bürger mündigen Alters aufgeschlossen werden. Als Architekt muss ich auch eine geistige und konzeptionelle Position dazu einnehmen. Bauherr ist in diesem Fall nun einmal der Bürger und Steuerzahler. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@benno nolimit – 11.03.10
Lieber Benno,ich möchte jetzt wirklich keine Brieffreundschaft mit Ihnen an dieser Stelle begründen, dazu sind Sie mir zu selbstreferentiell. Außerdem stört mich diese penetrante Duzen...
Noch einmal: um eine gewisse Bewusstseinsebene zu erlangen, braucht man nichts zu rauchen. Auch nichts spezielles zu essen, zu trinken oder gar zu injizieren. Es reicht, mit offenen Sinnen die Umwelt wahrzunehmen und kritisch zu interpretieren.
Zu Ihrem "Abrissvotum":
Dass der Planer beim Umbau mehr Geld verdient als beim Neubau ist schlichtweg unwahr. Es gibt einen Umbauzuschlag von 20% bei ca. 80% höherem Aufwand. Fragen Sie einfach mal bei einschlägig erfahrenen Planern nach.
Dass der Plenarsaal nur mit Millionenaufwand zu sanieren sei, ist eine (bewusste oder unbewusste) Lüge. Die Fassade ist bereits energetisch saniert worden- mit überschaubarem Aufwand. Die Glasflächen sind auf energetisch neuestem Stand, die Natursteinfassade wurde demontiert, mit zeitgemäßer Dämmung versehen und wieder angebracht. Nur zwei Platten(!) nahmen Schaden und mussten erneuert werden.
Jetzt müsste mit ebenfalls überschaubarem Aufwand noch das Dach energetisch saniert werden. Bei der Gelegenheit könnte natürlich gemäß dem Entwurf Koch|Panse dem Plenarsaal mehr Tageslicht zugeführt werden. Kosten ca. 1 Mio., was jeder Bürger nachvollziehen könnte.
Die gesamte Bausubstanz ist nicht als gut zu bezeichnen, das ist wahr, sie ist nämlich hervorragend.
Der Abriss intakter Bausubstanz ist in keiner Weise wirtschaftlich nachvollzihbar, der unnötige Abriss eines herausragenden Denkmales ist und bleibt ein schlimmer Frevel... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
"Mein Gott Möllring" Arnulf Neumann – 10.03.10
Sie Scheinen ja offensichtlich alle Tricks anzuwenden, um die Angelegenheit "Baudenkmal Landtag" doch noch in die von ihnen gewünschte Richtung zu bekommen.-Zu Ihrer Information: Das Vergaberecht greift auch für Sie erst dann, wenn der Landtag tatsächlich etwas zu 'vergeben' hat.
Dies ist n i c h t der Fall, solange die Grundsatz-Entscheidung darüber, ob der Oesterlen-Bau als Baudenkmal aus der Liste der niedersächsischen Denkmäkler gelöscht werden soll oder
n i c h t - nicht durch Einzel-Votum (Gewissensvotum) der Abgeordneten getroffen wurde.
Hören Sie auf, hier nun weiter am Gewissens-Votum der Abgeordneten in Ihrem Sinne rum zu tricksen und beachten Sie dabei, dass vor dem 2. und 3. oder 10. Schritt nach
Adam Riese immer noch der Erste Schritt kommt, um den Sie sich allerdings im Landtag bisher 'herumgewunden' haben:
1. Schritt: Grundsatzabstimmung über die niedersächsische Denkmal-Liste bezüglich der Beibehaltung /
N i c h t Beibehaltung des Oesterlen-Bauwerks in der Liste.
2) Schritt und weitere: Danach können Sie sich dann in aller Ruhe allem anderen, z.B. den in Frage kommenden Preisträgern oder auch den Fragen des Vergaberechtes, weiter zuwenden. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Landtag realistischer Demokrat – 10.03.10
Volksentscheid Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenNeubau Benno – 10.03.10
Man kann sicher stundenlang darüber debattieren, weshalb die „Öffentliche Hand“ so wenig pfleglich bei der Bauunterhaltung öffentliche Gebäude verfährt. Da unterscheidet sie sich nur unwesentlich von „großen“ Bauherren bzw. Eigentümern. Mag daran liegen, dass Bauunterhaltung viel Geld kostet, und man – im Gegensatz zu Neubau – meistens nicht erkennen kann, wo das viele Geld hingeflossen ist. Und in solchen Fällen tritt dann fast immer der selbsternannte „Bund der Steuerzahler“ auf und haut die Bauverwaltung richtig in die Pfanne – und vox populi nickt andächtig: diese doofen Beamten!Tatsache ist: das Plenarsaalgebäude ist marode. Anfragen bei der Landtagsverwaltung, wie viel Geld und wann in die Bauliche Unterhaltung gesteckt wurde und wie viel Geld und wann für „Sicherungsmaßnahmen“ verbrannt wurde werden das belegen.
Die logische Folge ist: wer für Sanierung und/oder Umbau ist der weiß genau – oder kann sich bei seinen Architekten in der Nachbarschaft erkundigen – dass dies unheimlich teuer wird, teurer als jeder Neubau sein wird, egal was der Umbauarchitekt auch an nicht belegten Prognosen von sich gibt. Der müsste schon Hellseher sein, um alle Widrigkeiten, die in dem Endfünfziger/Anfangsechziger-Jahre-Bau stecken, schon jetzt erkennen und kalkulieren zu können. Jeder Architekt und Ingenieur weiß: beim Bauen im Bestand ist das meiste Geld zu verdienen – mit Nachträgen, die so richtig zur Sache gehen und auch das eigene Honorar kräftigen.
Also: Neubau!
Es sei denn man gehört zu der Sorte von „alten/neuen Kameraden“, denen Parlamentsgebäude ohnehin egal sind (weil der „Führer“ ja ohnehin nur eine Reichskanzlei braucht und die „Quasselbude“ in der Kroll-Oper tagen kann) und die nichts dagegen haben, dass die „Bude“ einfach zusammenkracht. Dann müssten sie im Fall der Fälle nicht selbst das Feuerchen legen!
Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@nolimit Benno – 10.03.10
Zitat Deines Beitrages:„Dieser unnötigste Wettbewerb aller Zeiten wurde im Frevel gezeugt und schließlich in Schande geboren.“
Mein Kommentar: „Ich wiederhole: was rauchst Du eigentlich …“
Zitat Deines Beitrages:
„Befriedigend kann man allerdings zur Kenntnis nehmen, dass sich sämtliche renommierten Büros aus Hannover dieser "Aufgabe" verweigerten.“ Und in Deiner Erwiderung: „Ich rate also zur sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema….“
Mein Kommentar: „Du entscheidest also ganz sachlich, welches Architektenbüro „renommiert“ ist? Pech gehabt, die Hürde liegt zu hoch für Dich.“
Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
By the way Bürger – 09.03.10
Damit sie mich als Person einordnen können. Ich gehöre zu der Generation in Hannover, die in jungen Jahren auch schon ein Bild von Oskar Kokoschaka für den Altkanzler Helmut Kohl mit dem Titel: „Die Kartelspieler“, anlässslich eines EG-Gipfels in Hannover hat aufhängen lassen müssen. Ich bin froh, dass ich der "Macht" nicht mehr dienen muss und mit Kunst als Bürger noch schmücken muss.Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Lösung: Architekturprinzip "Haus im Haus Bürger – 09.03.10
An welcher Stelle überschreite Ihre Nutzungsbedingungen, liebe HAZ-online-Redaktion? Die Handelkammer Hamburg hat ein „schwieriges“ Bauprojekt dergestalt gelöst, dass ein mehrgeschossiger Kubus aus spiegelenden und durchscheinenden Materialien in ein bestehendes historisches Gebäude (Denkmalschutz) frei hineingestellt hat. Ein neu geschaffener Raum frei und unabhängig von der Aussenhülle in einem bestehenden Gebäude (Haus im Haus) mit unterschiedlichen Plattformen hineingestellt! Nun kenne ich nicht die bautechnischen Details des Landtagsgebäudes in Hannover sowie das benötigte und gewünschte Raumprogramm, aber das wäre eine Lösung die ich persönlich untersuchen würde. Und jetzt höre ich auf, das ist mir zu blöd. Darf ich Ihnen noch sagen, sie benötigen in Hannover einen Gestaltungsbeirat, der seine Sache erst nimmt- das ist keine Schnarchpostion. „Die Kunst, voraus zu sein“, die neue Audi A8 Werbung drückt das vorzüglich aus, was in Hannover fehlt. Inspiration, Perfektion und Mut.Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Konstruktive Lösung: Bauprinzip "Haus im Haus" Bürger – 09.03.10
Kommentar wurde wegen Dopplung von HAZ.de gelöscht. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen unter www.haz.de/Nutzungsbedingungen.Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Lösung: Prinzip Bürger – 09.03.10
Die Handelskammer Hamburg hat ein „schwieriges“ Bauprojekt dergestalt gelöst, dass ein mehrgeschossiger Kubus aus spiegelenden und durchscheinenden Materialien in ein bestehendes historisches Gebäude (Denkmalschutz) frei hineingestellt hat. Ein neu geschaffener Raum frei und unabhängig von der Aussenhülle in einem bestehenden Gebäude (Haus im Haus) mit unterschiedlichen Plattformen hineingestellt! Nun kenne ich nicht die bautechnischen Details des Landtagsgebäudes in Hannover sowie das benötigte und gewünschte Raumprogramm, aber das wäre ein Lösung die ich persönlich untersuchen würde.Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Lösung: Prinzip "Haus im Haus" Bürger – 09.03.10
Kommentar von HAZ.de gelöscht. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen www.haz.de/nutzungsbedingungen.Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@Frank - Super Idee! Peter W. – 09.03.10
Super Idee!Da könnte die HAZ eine ganze Serie draus machen, nicht immer nur über Stadtteile.
Der Titel könnte lauten:
Warum Ihr Abgeordneter, Ihr Geld lieber für sich ausgeben möchte als für die Allgemeinheit.
Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@Frank Peter W. – 09.03.10
Super Idee!Da könnte die HAZ eine ganze Serie draus machen, nicht immer nur über Stadtteile.
Der Titel könnte lauten:
Warum Ihr Abgeordneter, Ihr Geld lieber für sich ausgeben möchte als für die Allgemeinheit.
Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Stellungnahme einfordern Frank – 09.03.10
Leute, fordert von eurem Wahlkreisabgeordneten doch mal eine Stellungnahme ein, wie er/sie abzustimmen gedenkt und ob er/sie es vertreten kann Geld für einen Prestigebau auszugeben, das im sozialen Bereich fehlt. Daten und Mailadressen gibt es auf der Seite des Nds. Landtags. Die Damen und Herren sollen endlich mal Stellung beziehen und vor die Bürger treten, statt sich in Kommisionen und Sitzungen zu verstecken. Zeigt den Heuchlern die ROTE KARTE Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden@Sunnyboy CC – 09.03.10
Bist Du bei noch bei Sinnen?* Anstatt Geld für Schulsanierung zu verwenden sollten wir lieber das Geld in Bildung stecken.
* Anstatt Kindergärten zu finanzieren, sollten wir das Geld lieber in Bildung stecken.
* Ansatt Lehrer zu unterhalten sollten wir das Geld in Bildung stecken.
Ich kann dieses alberne Totschlagargument von ungebildeten Bürgern nicht mehr hören. Mit diesem Mehr-Geld-für-Bildung-Argument kann ich letztlich den ganzen Haushaltsplan außer Kraft setzen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Landtagsneubau Sunnyboy – 09.03.10
Es ist immer wieder schön zu lesen wo für in Hannover das Geld ausgegeben wird, für Schulen und Bildung ist kein Geld da, da werden mal eben 50 Mio gestrichen aber für den Plenarsaal da schmeissen wir mit dem Geld um uns. Echt klasse!!!! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden@ Benno- Erlangung von Bewusstsein nolimit – 09.03.10
Lieber Benno,was ich so zu mir nehme, kann man leider nicht rauchen. Schon gar nicht essen oder trinken... Und wie ich Sie so einschätze, können Sie sich das weder leisten noch vertragen, daher verrate ich es nicht.
Ich rate also zur sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema, bin auch gern bereit, hier weitere Auskünfte, die über den Umgang mit dem Plenarsaal zu geben, nur das "Du" müsste entfallen... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@nolimit Benno – 09.03.10
Ja ich finde es ja auch doof dass du nicht in die Jury gebeten wurdest. Aber es lag einfach daran, dass in ganz Niedersachsachsen kein Sitzungssaal zu finden war, in den 1 Mio Preisrichter reinpassen würden.Übrigens: was rauchst du eigentlich? kann man das legal erwerben? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Wettbewerbskritik nolimit – 09.03.10
Dieser unnötigste Wettbewerb aller Zeiten wurde im Frevel gezeugt und schließlich in Schande geboren. Das Ergebnis entspricht genau der Entstehung, es ist indiskutabel schlecht.Befriedigend kann man allerdings zur Kenntnis nehmen, dass sich sämtliche renommierten Büros aus Hannover dieser "Aufgabe" verweigerten.
Zu den Preisträgern:
- der erste Preis ist in seiner formalen Strenge viel zu sakral und pathetisch geraten. Er vermittelt einen absolutistischen Machtanspruch, der mit einer demokratischen Grundhaltung nicht vereinbar ist.
Die Fortsetzung der Säulenreihe des Portikus durch weitere Säulen verbietet sich aus dramaturgischen Gründen, geht wirklich gar nicht.
- der zweite Preisträger geht mit dem Denkmal so dermaßen unsensibel um, dass man wirklich den Abriss vorzieht. Die sieben massiven Fassadenelemente, die die Schaufassade gleichmäßig rhythmisieren, symbolisieren die damaligen sieben Bezirke des Landes Niedersachsen. Dieser "narrative" Bestandteil darf doch nicht so einfach ignoriert werden!
Aber ich wette, dass weder Arch. Gebhardt noch irgendein Landtagsabgeordneter noch ein Jurymitglied jemals so tief in die Geschichte des Altbaus eingedrungen sind.
- der dritte Preis ist so belanglos, dass man nichts dazu zu sagen braucht.
Es gab übrigens einen hannoverschen Beitrag des Büros Runge Architekten, das leider weder Preis noch Anerkennung erfuhr: Der Altbau wurde weitgehend so belassen und die geforderten neuen Repräsentanzräume in einem Neubau untergebracht, der in Standort und Kubatur der alten Wasserkunst entspricht. Was für eine Qualität der Räume direkt über der Breitseite des Leinewehres, was für eine Attraktivität des dort angesiedelten Cafés und was für ein städtebaulicher Gewinn!
Das optimale Ergebnis wäre also, Koch|Panse den Umbau des Plenarsaales mit der gebotenen Sensibilität vornehmen zu lassen und sich den Beitrag von Runge Architekten noch einmal in Ruhe anzusehen. Und diesen unsäglichen Wettbewerb einfach in die Tonne treten...
Dies alles lässt natürlich auch Rückschlüsse auf die Qualität der Jury zu. Es heißt, Herr Bodemann hätte einen schlechten Tag, Herr Lederer hätte starke Zahnschmerzen gehabt und so hatte Miet- Juror Fingerhuth freie Bahn. Herr Fingerhuth ist schweizer Stadtplaner, hat noch nie eigenverantwortlich ein Bauwerk realisiert und ist leider nicht zum ersten Mal Garant für ein skurriles Wettbewerbsergebnis.
Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@ Erhard Unglaube Sören Meyer – 09.03.10
Ich bin schon länger der Meinung, dass wir in einer "demokratischen Diktatur" leben. Wir dürfen alle vier Jahre die diktatorisch herrschende Partei bestimmten. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenAus der Geschichte nichts gelernt Peter Panther – 09.03.10
Das Ideal sieht so aus: »Wir haben jetzt so viel zu tun,dass wir noch ein Haus als Verwaltungsgebäude dazu
kaufen müssen!« Sich ausdehnen; geschäftig sein; dahinter
steckt: nötig sein, wichtig sein, etwas gelten !
Das sitzt in jedem Menschen – aber erstens ist es im
Deutschen besonders ausgebildet, und zweitens fehlt in
Deutschland das Korrektiv des gesunden Menschenverstandes.
Anderswo versuchen das die Beamten auch, stellenweise
gelingt es ihnen – aber die Ratio ihrer Nation ist sehr oft so
stark, dass sie, ist einmal ein bestimmter Grad erreicht,
»Halt –!« ruft, und weiter gehts dann eben nicht.
In Deutschland geht es weiter, bis zur Groteske – man sehe
sich etwa die Diskussionen über die ›Verreichlichung‹ der
Länderbürokratien an, und man hat genau das, was ich meine:
ein Tohuwabohu von wildgewordenen Kleinbürgern, die ein völlig
imaginäres Gebiet beackern, die etwas tun, was es gar nicht gibt,
etwas, das sie erst erfunden haben: um ihre Söhne unterzubringen;
um einen Titel zu haben; um in der Kleinstadt etwas zu gelten;
um vor sich selbst etwas zu sein, was sie sonst nicht wären;
um eine besondere Kaste zu bilden; um des Gehalts willen,
ja, richtig: um der Sache willen.
Kurt Tucholsky
Glossen und Essays
Gesammelte Schriften
(1907-1935) Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Lanndtagsneubau Erhard Unglaube – 09.03.10
Es ist mal wieder typisch für unsere Politiker. Wir dürfen wählen gehen. Aber danach haben wir uns gefälligst aus allem herauszuhalten. Denn nur wir, die Poliker sind in der Lage alles richtig zu beurteilen. Weil dem aber nicht so ist, scheuen sich die Landtagsabgeorneten eine Volksbefragung durchzuführen. Schon anhand der vielen Leserbriefe war zu entnehmen, dass die Mehrheit der Bürger nicht für einen Neu,- oder Umbau ist. Deshalbg soll jetzt eine fraktionsfreie Abstimmung erfol-gen. Sollte der UM,- oder Neubau erfolgen, gehe ich nicht mehr wählen, da hier nicht mehr des Volkesstimme zählt. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenÜberflüssige Veranstaltung! Anwohner – 09.03.10
Einen protzigen Palast, wie auch immer er aussehen mag, auf Kosten der Steuerzahler zu errichten ist wohl der Gipfel der Dekadenz!Jeder Volksvertreter der für eine solche Geldverschwendung stimmt sollt sich der kriegsähnlichen Verschuldung bewusst sein.
Vorsätzlich gegen herrschende Gesetzte (NDSchG) zu verstoßen und das Geld des Wählers zu verprassen zeigt doch nur wie weit sich hier einige Politiker von der Realität entfernt haben.
Der geleistete Amtseid klingt da wie Hohn in meinen Ohren.
„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, Verfassung und Recht wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“
Wer für solche egoistischen Zwecke sein Mandat missbraucht wird nach den Wahlen 2013 den Einzug in einen neuen Landtag wohl nicht erleben!
Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Kommentar schreiben