Hannover. Eine neue „Skyline“ für den Schützenplatz war bereits angekündigt – jetzt haben die Organisatoren verraten, was sich dahinter verbirgt. Wenn vom 29. Juni bis zum 8. Juli das 483. Schützenfest gefeiert wird, werden zum Teil spektakuläre Neuheiten wie die bisher noch im Bau befindliche weltgrößte transportable Hochschaukel „Artistico“ oder der „Voodoo-Jumper“ dabei sein, der auch noch konstruiert wird. Aber auch eine bewährte Attraktion wird nach einer Auszeit wieder aufgebaut: die Achterbahn „Olympia-Looping“ mit ihren fünf Windungen.
„Damit haben wir es geschafft, die Betreiber großer Fahrgeschäfte wieder für das Fest zu begeistern“, sagt Klaus Timaeus, Geschäftsführer des Vereins Hannoversches Schützenfest. Im Rahmen seines auf drei Jahre angelegten Reformplans für die zuletzt in die Krise geratene Veranstaltung hatte sich der Geschäftsführer dieses Ziel für 2012 vorgenommen. 40 Fahrgeschäfte und Karussells wird es auf dem Platz geben, insgesamt sind rund 230 Schausteller dabei – 30 davon kommen erstmals nach Hannover. Indikator für das neu erwachte Interesse ist für Timaeus die gewachsene Anzahl der Bewerbungen in diesem Jahr. Etwa 600 entsprechende Schreiben hätten der Verein Hannoversches Schützenfest und der städtische Fachbereich für Veranstaltungen bekommen – 200 mehr als zuletzt.
Spektakulärste Neuerung dürfte die 46,50 Meter hohe Schaukel „Artistico“ sein, in deren runder Gondel die Besucher während der Fahrt nach außen schauen. Das Nienburger Unternehmen Köhrmann lässt die Konstruktion derzeit im niederländischen Heerenveen für 1,7 Millionen Euro bauen. „Unser Betrieb liegt von Hannover aus gesehen zwar praktisch um die Ecke, doch wir sind dieses Jahr erst das zweite Mal beim Schützenfest dabei“, sagt Firmenchef Lutz Köhrmann. Er freue sich, dass es gelungen sei, wieder mehr Kollegen mit attraktiven Fahrgeschäften auf den Platz zu holen, das sei wichtig für ein stimmiges Umfeld. Dazu zählen neben dem 2011 erstmals aufgebauten Riesenrad „Roue Parisienne“ und dem 55 Meter hohen Überschlagserlebnis „Booster Maxx“ auch viele Geschäfte, die zum ersten Mal in Hannover sind.
Das gilt etwa für die Achterbahn „Berg & Tal“ der Familie Schneider aus Lippstadt, das Karussell „Love Dream – die Raupe“, dessen Gondeln durch einen Tunnel fahren, die historisch dekorierte Rundfahrt „Petersburger Schlittenbahn“ oder den „Voodoo Jumper“ des Unternehmens Schäfer mit seinen Schleuderarmen, der so neu ist, dass selbst an der betreffenden Internetseite noch gearbeitet wird. Auch die Riesenrutsche und die „Wilde Maus“ sind in diesem Jahr Neuauflagen, das Kettenkarussell „Wellenflug“ kommt erstmals mit drehbaren Sitzen. Bei den Lauf- und Belustigungsgeschäften erleben die Geisterbahn „Burg des Grauens“ und „Freddy’ Circus“ ihre Hannover-Premiere.
Doch Timaeus gibt zu, dass in anderen Bereichen noch „Luft nach oben“ ist. So werde die 2011 geänderte, winkelige Wegeführung auf dem Platz in den alten Rundkurs zurückgeführt. Zudem werde der Betreiber des Rondells, Claus Bähre, dort für eine freundlichere Gestaltung mit mehr Grün und kleinen Aktionen sorgen. Die insolvente HBX-Brauerei und das „Spago“, dessen Konzepte vergangenes Jahr nicht aufgegangen sind, haben sich nicht wieder beworben. Auch einen NDR-Abend als geschlossene Veranstaltung am Festsonnabend wird es nicht mehr geben. Details zu den insgesamt acht Zelten und Eventbereichen in der gastronomischen Platzmitte will Timaeus aber erst Ende Februar oder Anfang März nennen.
Die Highlights auf dem Platz
„Artistico“: Fast 47 Meter hoch ist die Weltneuheit „Artistico“, die gerade im Auftrag der Firma Köhrmann aus Nienburg für 1,7 Millionen Euro gebaut wird und Ostern in Aachen den ersten Einsatz hat. Das Fahrgeschäft gilt als weltweit größte transportable Swingschaukel. Doch das Besondere sind nicht nur die Superlative, sondern auch der „irre Kick mit dem Außenblick“, wie Köhrmann für die Konstruktion wirbt, an deren Schwenkarm das Publikum in einer Gondel nach oben und zur Seite geschleudert wird. Sie ist so angebracht, dass die Mitfahrer nach außen schauen – zusätzlicher Kitzel inklusive.
„Petersburger Schlittenbahn“: Das Schützenfest wird zwar im Sommer gefeiert, doch für eine Karussellkulisse tut das nicht unbedingt etwas zur Sache. Bei der „Petersburger Schlittenbahn“, die beim Namen Anleihe an das klassische Musikstück „Petersburger Schlittenfahrt“ genommen hat, blinken jedenfalls Tannenbäumchen und leuchten Schlittenkufen vor einer russischen Zwiebelturmkulisse, während die Gondeln sich in rasanter Rundfahrt befinden. Die Schaustellerfamilie Burgdorf aus Glückstadt will mit dem liebevoll gestalteten Karussell zum ersten Mal mit den Hannoveranern Schlitten fahren.
Achterbahn „Berg & Tal“: Der Fünfer-Looping aus München ist dieses Jahr wieder auf dem Schützenplatz – doch Achterbahn fahren muss ja nicht immer zwangsläufig über Kopf geschehen. Für alle, die das temporeiche Hinauf und Hinunter in den kleinen Wagen lieber ohne Überschlag mögen, bietet das Lippstädter Schaustellerunternehmen Schneider die Achterbahn „Berg & Tal“ an. 18 Meter hoch, 48 Meter lang und 18 Meter tief ist das Fahrgeschäft. Die Schneiders sind damit bisher noch nicht in Hannover gewesen, sodass sich das Publikum auf ein neues Achterbahnerlebnis freuen darf.