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Viele offene Lehrstellen in der Region Hannover

Ausbildungsplätze Viele offene Lehrstellen in der Region Hannover

„Wir suchen Fachleute, keine Idioten“: In diesem Jahr gibt es in der Region Hannover noch so viele offene Lehrstellen wie selten. Und dennoch kommen zahlreiche Bewerber und Betriebe nicht zusammen.

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„Es geht um die Ehre fürs Handwerk“: Azubi André Gerwins lässt sich von Ausbilder Carsten Runge das Einspritzsystem erklären.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Man sollte meinen, dass sich unter gut 120 Bewerbern ausreichend junge Leute für die Lehrstellen im Autohaus Hackerott finden lassen. Doch bisher konnte sich Firmenchef Heinrich Hackerott für seine 14 Ausbildungsplätze nur zwei Azubis sichern, trotz etlicher Bewerbungsgespräche und Kurzpraktika. „Es waren auch ein paar Gute dabei. Wir hatten die Lehrverträge fertig.“ Doch die Auserwählten sagten mit der Begründung ab, sie wollten weiter zur Schule gehen. Hackerott, der selbst auf 53 Berufsjahre zurückblickt, mutmaßt andere Motive: „Viele haben überhaupt keine Lust zu arbeiten, solange sie den Eltern auf der Tasche liegen können.“

Für die sechs noch freien Lehrstellen zum KFZ-Mechatroniker gab es etliche Bewerber, die in Mathematik und Deutsch die Note 5 vorwiesen. „Das geht gar nicht. Ein Azubi muss in diesem Beruf ein Testgerät richtig auslesen können.“ Dennoch glaubt Hackerott nicht an ein Versagen der Schulen, die ihre Abgänger zu wenig aufs Berufsleben vorbereiten. Es gebe ja leistungsstärkere junge Leute. Nur würden sich meist nicht gerne in einem Familienbetrieb bewerben. „Bei uns muss man mehr mit anfassen als in einem großen Unternehmen. Und der Chef ist nicht so weit weg. Er guckt auch in den Werkstätten und im Verkauf vorbei.“

In der Bäckerei Künne würde man sich über 120 Bewerber freuen. Vergangenes Jahr und auch 2009 konnte Judith Breitenstein keine einzige Lehrstelle in der Backstube und im Verkauf besetzen. Und dabei setzt die Prokuristin so ziemlich alle denkbaren Hebel in Bewegung. Selbst auf der Internetplattform Facebook stellt der Betrieb sich vor, die eigene Internetseite und Präsenz bei der Firmen-Bewertungsplattform Qype sind selbstverständlich. Mit Backaktionen für Schüler will Breitenstein den Jugendlichen den Beruf ins Bewusstsein rücken. „Es geht mir um die Ehre für unser Handwerk. Wir suchen Fachleute und keine Vollidioten.“

Und Judith Breitenstein lädt jeden Bewerber ein. „Ich sehe bei meinen eigenen Kindern, dass sie eher Facebook und Freunde im Kopf haben als die Schule.“ Deshalb will sie von Bewerbern selbst wissen, warum da vielleicht schlechte Noten im Abschlusszeugnis auftauchen. Die Künne-Mitarbeiterin hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass vielen Jugendlichen die rechte Selbsteinschätzung fehle. „Manche bewerben sich mit schlechtem Zeugnis bei Banken – und sind dann frustriert über Absagen.“ Und es klingt durch, dass Breitenstein die Betreuung der eigenen Azubis durchaus als Erziehungsaufgabe ansieht. In den Elternhäusern spielten Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit oft keine große Rolle mehr. „Wir wollen den Jugendlichen beibringen, dass es wichtig ist, eine Aufgabe im Leben zu haben – und dass das Spaß macht. Wenn die Eltern uns unterstützen würden, wäre das wie ein Sechser im Lotto.“

Zugegeben, eine Ausbildung zum Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker klingt exotisch, das weiß man bei der Firma Heuer Hausausbau in Langenhagen. Dennoch gingen hier früher mehr und bessere Bewerbungen ein.

Personalfachfrau Justyna Kurth wundert sich über Anschreiben, in denen bereits der Name ihrer Firma falsch geschrieben ist. „Manchmal sind die Bewerbungen offensichtlich aus dem Internet gezogen. Im Gespräch merke ich schnell, wenn jemand den Text nicht selbst geschrieben haben kann.“ Unter den wenigen Interessenten gab es dieses Jahr durchaus geeignete Bewerber, doch die zogen sich wieder zurück. Dabei stellt die Firma ihre Auszubildenden später auch ein. „Wir fertigen die Rollläden selbst. Die Azubis werden auch bei Montage und Kundendienst eingesetzt.“ Justyna Kurth vermisst bei vielen Bewerbern heute den Biss. Sie selbst hatte vor 12 Jahren rund 120 Bewerbungen verschickt, ohne Knicke oder Zigarettengeruch. „Es liegt an den Jugendlichen selbst, was sie wollen.“

Gute Chancen für Bewerber

Es ist noch lange nicht zu spät: In vielen Branchen suchen die Betriebe weiter Auszubildende für das neue Lehrjahr. Zahlreiche Firmen schließen bis Ende Oktober noch Ausbildungsverträge ab. „Vor einer Bewerbung sollte man sich aber immer in der Firma erkundigen, ob die Stelle noch frei ist“, rät Katharina Bayer, Ausbildungsplatzvermittlerin der Handwerkskammer Hannover. Mit dem Anruf zeige der Bewerber dann gleichzeitig schon sein besonderes Interesse. Katharina Bayer empfiehlt, sich auch nach dem Abschicken der Bewerbung bei dem Unternehmen zu melden, wenn von dort keine Empfangsbestätigung gekommen ist. „Nach einer Woche kann man nachfragen, ob die Bewerbung angekommen ist, und sich erkundigen, wie es weitergeht.“

„Es gibt jetzt noch gute Chancen für Bewerber“, bestätigt auch Heinz Orlob von der Industrie- und Handelskammer Hannover. Außerdem stelle sich zu Beginn des Ausbildungsjahres am
1. August oder 1. September oft heraus, dass einige Bewerber ihre Stelle nicht angetreten haben. Orlob empfiehlt Schulabgängern, sich auch bei der Arbeitsagentur zu melden. Dort startet Anfang Oktober eine Nachvermittlungsaktion. „Dazu werden alle Bewerber eingeladen, die bis dahin noch nichts gefunden haben.“

Angebote im Internet: Die Handwerkskammer präsentiert offene Lehrstellen und Praktikumsplätze unter www.ausbildungsplatzvermittlung.de in ihrer Lehrstellenbörse. Jugendliche können sich dort auch selbst mit ihrem Bewerberprofil für bis zu drei Berufe eintragen. „Damit können sie außerdem eine Onlinebewerbung um einen Ausbildungsplatz erzeugen, die tiptop ist“, sagt Katharina Bayer. Die Industrie- und Handelskammer bietet unter www.ihk-lehrstellenboerse-hannover.de einen Überblick über offene Ausbildungsplätze. Dort werden in den nächsten Wochen weitere Lehrstellen aufgenommen. Das Handwerk zählt aktuell 386, die IHK 1100 offene Lehrstellen in der Region.

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Zeigen den Lehrstellen-Atlas: Derya Celik (links) und Ceren Jalcin.

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