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Aus der Stadt Ärzte-Prozess gegen Geldauflage eingestellt
Hannover Aus der Stadt Ärzte-Prozess gegen Geldauflage eingestellt
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20:40 24.01.2017
Von Michael Zgoll
Vier Ärzte aus zwei Kliniken stehen vor Gericht. Quelle: Symbolfoto
Hannover

Wie ist der Tod eines 76-Jährigen zu sühnen, der Opfer des Fehlers einer gestressten Klinikärztin wurde? Sie hatte ihm ein Medikament in viel zu hoher Dosierung verordnet – was drei weitere Ärzte übersahen. Der Lehrter Amtsrichter Robert Glaß sagte gestern einen wichtigen Satz: „Keine Geldauflage kann den Tod eines Menschen kompensieren.“ Das Verfahren gegen die vier Mediziner, die wegen fahrlässiger Tötung angeklagt waren, wurde eingestellt. Sie müssen jedoch Beträge von 2000, 4500, 5000 und 6000 Euro an medizinische Einrichtungen zahlen. Die Unterschiede haben nichts mit der individuellen Schwere ihrer Schuld, sondern mit ihrem Einkommen zu tun.

Zu viel Methotrexat verabreicht

Auf der Anklagebank saßen eine 36-jährige Medizinerin und ein 51-jähriger Arzt des Klinikums Lehrte; die Frau war im Jahr 2013 als Stationsärztin tätig, er als Oberarzt. Außerdem standen eine 56-jährige Ärztin und ein 47 Jahre alter Oberarzt des Klinikums Wahrendorff vor Gericht; die beiden waren damals für die Aufnahme des betagten Patienten in der Gerontopsychiatrie des Klinikums Wahrendorff verantwortlich.

Der demente, desorientierte und mit Vorerkrankungen wie Diabetes und fünf Hirninfarkten belastete Senior wurde am 28. Oktober 2013 im Lehrter Krankenhaus aufgenommen und am 30. Oktober nach Wahrendorff überwiesen. In den Entlassungspapieren waren etliche Arzneien aufgeführt, die er einnehmen musste, darunter auch das Medikament Methotrexat (MTX), das in hohen Dosierungen bei der Krebstherapie eingesetzt wird. Im Fall des 76-Jährigen war – zur Behandlung von Schuppenflechte und Arthritis – nur eine niedrige Dosierung von 15 Milligramm MTX pro Woche notwendig. Doch verabreicht wurde dem Mann diese Wochendosis täglich, mindestens zwei Wochen lang. Der 76-Jährige starb am 20. November an einer MTX-Vergiftung und Einblutungen ins Herz, die massive Herzrhythmusstörungen verursachten.

Gegen die Ärzte waren zunächst Strafbefehle verhängt worden, die sich zwischen 9000 und 13 500 Euro bewegten. Dagegen legten die Mediziner Einspruch ein, weshalb sich das Amtsgericht Lehrte gestern mit dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung beschäftigte.
Über ihre Verteidiger räumten die Angeklagten ihre Schuld ein und sprachen ihr tiefes Bedauern über den Tod des Patienten aus. „Meine Mandantin hat einen verhängnisvollen Fehler begangen“, erklärte etwa Verteidiger Michael Bauer, der die 36-jährige Stationsärztin vertrat. Bei der Entlassung des Patienten nach Köthenwald sei es im Klinikum Lehrte sehr hektisch zugegangen; an die Einzelheiten des Medikamentenplans für den 76-Jährigen könne sich die Medizinerin nicht mehr erinnern.

Der Oberarzt aus Lehrte sagte, er habe den Senior nie persönlich gesehen, sei am Entlassungstag aber gleichzeitig mit der Versorgung von sechs bis acht Patienten befasst gewesen. Er sprach vom alltäglichen „großen, großen Stress“ in den Kliniken und einer „engen Personaldecke“. „Mein Mandant hat den Entlassungsbrief nur überflogen“, erläuterte Verteidiger Uwe Leiss. Und die Ärzte in der Wahrendorffschen Klinik – auch sie im Stress – vertrauten den Angaben der Kollegen aus Lehrte und machten sich nicht die Mühe, die Medikamentierung noch einmal genau zu überprüfen.

Korrekte Dosierung notwendig

Ein Rechtsmediziner der Medizinischen Hochschule Hannover und ein Toxikologe des Giftinformationszentrums Göttingen erklärten gestern übereinstimmend, dass MTX ein gefährliches Medikament sei, dessen Verabreichung erhöhte Aufmerksamkeit erfordere. Um schwere Nebenwirkungen zu vermeiden, sei eine korrekte Dosierung zwingend notwendig. Trotzdem passiere es immer wieder, dass Patienten mit MTX-Vergiftung eingeliefert würden. Und hätte der Senior die Zerstörung all seiner Blutzellen ohne die übrigen Vorerkrankungen überlebt? Hier mochten sich die Gutachter nicht festlegen.

Konsequenzen gezogen

Staatsanwältin Gabriele Stephan warf die Frage auf, ob ein Psychiater eigentlich wissen müsse, wie von anderen Fachärzten verschriebene Arzneimittel wirken und dosiert werden müssen. Letztendlich sprach sie sich ebenso wie Richter Glaß für eine Einstellung des Verfahrens aus – auch, weil die betroffenen Kliniken organisatorische Konsequenzen aus dem Unglücksfall gezogen haben.

So bekommen Patienten, die das Lehrter Krankenhaus verlassen, inzwischen nur noch vorläufige Entlassungspapiere mit auf den Weg. Erst gegen Dienstende, wenn Ruhe eingekehrt ist, überprüft der verantwortliche Arzt diese Papiere nochmals und gibt sein endgültiges Okay.
Das Klinikum Wahrendorff hat seine Weiterbildungen für Assistenzärzte intensiviert, außerdem überprüft ein Internist zweimal pro Woche die Medikamentenpläne der Patienten.     

Interview: „Intensiv über den Umgang mit Fehlern reden“

Tobias Steiniger, Krankenhausarzt und 2. Landesvorsitzender des Marburger Bundes.

Herr Steiniger, wir reden über falsche Medikamentenangaben für einen Patienten, wie oft kommt so etwas vor?

Fehler können leider auch bei der Behandlung von Patienten auftreten, kommen aber glücklicherweise nur sehr selten vor.
Was sind die Ursachen für solche Probleme?

Das liegt auch an dem großen Zeitmangel, unter dem die Beschäftigten im Gesundheitssystem jeden Tag arbeiten müssen. Das ganze System ist auf die immer schnellere Behandlung vom immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit ausgerichtet. Der Druck kommt von allen Seiten: Die Patienten wünschen sich eine möglichst schnelle Behandlung. Das System zahlt den Kliniken mehr Geld, wenn schneller behandelt wird. Natürlich wollen und müssen alle Krankenhausbetreiber möglichst wirtschaftlich arbeiten. Das erreichen sie auch dadurch, dass möglichst schnell mit möglichst wenig Personalaufwand gearbeitet wird. Denn die Mitarbeiter sind der höchste Faktor bei den laufenden Kosten.

Kann man dann nicht trotzdem auf so einen Medikamentenplan gründlich draufschauen?

Uns fehlt leider oft die Zeit, ausführlicher mit den Patienten zu reden. Und ebenso fehlt manchmal auch die Zeit, Dinge zu kontrollieren. Dies geschieht, obwohl der Arzt so gewissenhaft wie irgend möglich arbeitet.

Welche Möglichkeiten gibt es, das Problem zu lösen?

Man muss sich auch vonseiten der Gesetzgebung Gedanken machen, ob man nicht für bestimmte Leistungen einen bestimmten Personalschlüssel festlegt. Wir können nicht, wie in einem anderen Betrieb, sagen, dass bei uns gerade zu viel los ist und der Patient doch nächste Woche wiederkommen möge. Außerdem muss intensiv über den Umgang mit Fehlern geredet werden.

Interview: Mathias Klein  

  

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Conrad von Meding 24.01.2017