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Mit zoombarer Fotodatei

Vision vom Freizeitsee sorgt für Diskussionen in Hannover

Von Conrad von Meding

Neue Ideen für eine Stadt am Wasser: Eine Machbarkeitsstudie soll in den nächsten Monaten klären, was davon Wirklichkeit werden kann und was nur ein Traum bleibt. HAZ.de zeigt den Plan des Projekts „Leinebogen“ – als zoombare Fotodatei.
© Grobe

Das Seehaupt

Ganz im Westen des geplanten See-Projekts hat Architekt Peter Grobe das „See-Haupt“ vorgesehen, einen Freizeitpark mit Ferienhäusern, einem großen Strandbad, einem grachtenartigen Anleger für Boote rundherum und darum – ringförmig gelegt – einen „Schall-Wall“. Er soll den Lärm der nahen Autobahn mindern. Der wird derzeit in Diskussionen über das Projekt gerne als k.-o-Argument genutzt – hält bislang allerdings auch die Dauercamper am Blauen See oder die Golfer auf der benachbarten Anlage nicht davon ab, ihre Freizeitbeschäftigung zu genießen. Ohnehin sind alle von Architekt Grobe eingezeichneten Planungsdetails nur Vorschläge – was davon realisierbar ist, soll die Machbarkeitsstudie belegen, die der Förderverein „Leine-Bogen“ in Kürze in Auftrag geben will.

Der Kleine Deister

Das Ausheben der Seen wird riesige Mengen Erde freisetzen. Der Planer hat vorgesehen, daraus das Gebiet am See kunstvoll zu modellieren. Zwischen den Seelzer Ortsteilen Gümmer und Lohnde könnte so der Kleine Deister entstehen, ein Höhenzug mit Ausblick. Am Fuße des Berges soll sich der „Wohn- und Office-Park am See“ befinden. Hochwertige Wohnungen und Büros, wie sie etwa von holländischen Wasserparks bekannt sind, erstrecken sich zum See, zum Teil steht das Wasser direkt vor der Terrassentür. Dort, wo jetzt schon bei Lohnde eine Wasserkuhle ist, sehen die Pläne ein „Loch Ness“ vor, daneben eine Ortserweiterung für Lohnde und eine „Wohnschlange“ – eine gewundene Hausanlage im See. Auch an ein Jugendzentrum und einen runden Hafen, den „Lohnder Kessel“, hat der Architekt gedacht.

Ideen für das Seegebiet "Leine-Bogen": Der Isernhagener Architekt Peter Grobe hat zahlreiche Details für das 905 Hektar große Areal entworfen, in dem heute noch die Leine zwischen Herrenhausen, Garbsen und Seelze fließt. Eine Machbarkeitsstudie soll nun zeigen, was davon realisierbar ist. Einen größeren Ausschnitt der zoombaren Grafik finden Sie hier

Gärten im See

Am Nordufer des West-Sees hat Planer Grobe eine „Internationale Ausstellung moderner Gärten“ geplant – „Avantgarden“ heißt der verspielte Name. An einem als Halbkreis ausgelegten Steg schwimmen die Gärten, darunter ein Kolumbarium, also eine Urnenbegräbnisstätte. In der Mitte entspringt eine Fontäne, das See-Hotel soll Umsätze bringen. Schließlich soll das riesige See-Projekt ohne nennenswerte öffentliche Förderung auskommen, wie die Macher beteuern – daher muss an den Seeufern auch Kommerz gemacht werden. Der „Garbsener Seehügel“, ein Haus-am-See-Projekt und ein Jachthafen für Alt-Garbsen runden den Entwurf im West-See des Projekts „Leine-Bogen“ ab. Gegenüber entstehen mit dem „Lohnder Rücken“ und dem „Hubbel-Atoll“ weitere Höhepunkte im Wasser.

Straße am Kanal bleibt

Im Gegensatz zu unserer ursprünglich gezeigten Grafik hat Architekt Peter Grobe die wichtige Verbindungsstraße zwischen Seelze und Havelse/Alt-Garbsen nicht geflutet. Wie der jetzt vorliegende Detailplan zeigt, soll die Garbsener Landstraße sogar zur regelrechten Uferstraße werden. Links von ihr erhebt sich das mächtige Brückenbauwerk, das den Mittellandkanal schon heute über die Leine und ihr Überflutungsgebiet führt. Darunter hindurch gelangen die Schiffe, indem sie eine der für die neue Seelandschaft fest eingeplanten Schleusenanlagen passieren. Sie sind nötig, weil auf dem insgesamt zwölf Kilometer langen Seenband zwischen Herrenhausen und Gümmer ein Höhenunterschied von rund 4,5 Metern herrscht. Der Wasserspiegel in den drei Einzelseen wird daher immer unterschiedlich hoch sein.

Seelze erhält Strandbad

Auch in Seelze ist ein Strandbad vorgesehen – zumindest ein kleines. Zudem könnte ein Glasbodenschiff anlegen, von dem aus sich der Untergrund des Seengebiets bewundern lässt – in Tourismusgebieten gehört so etwas heute fast schon zum guten Ton. Die „Seelzer Terrassen“ könnten ein schickes Wohngebiet am Fuße der eigens angelegten „Seelzer Höhe“ werden, von dem aus man den freien Blick auf die Sportschiffe hat, die sich an der Schleuse zum Abstieg einreihen. Immer wieder tauchen auch Inselmotive in der Planung des Architekten Peter Grobe auf. Eine, im Süden des Nord-Sees, ist als Vogelinsel und Naturschutzgebiet gekennzeichnet, wie um zu beweisen, dass es bei dem Großprojekt mitnichten nur um Kommerz geht. Der Planer nutzt für diese Insellagen meist Areale, die ohnehin schon erhöht liegen.

Havelse wächst

Der Garbsener Ortsteil Havelse, der mit Hannovers Stadtteil Marienwerder im vergangenen Jahrhundert zusammengewachsen ist, erhält Zuwachs: Die „Havelser Gracht“ an den Sportanlagen des TSV sticht auf dem Plan als Wasserbaugebiet in Doppelreihe und mit Bootsanlegern hervor. Für den „Havelser Winkel“ müsste der kommunale Bauhof weichen, notiert Architekt Peter Grobe in seinem Entwurf.

Geschwungen präsentiert sich der Rundhafen „Havelser Bogen“, in dem zahlreiche Schiffe eingezeichnet sind, und auch eine Seniorenresidenz säumt das Ufer an der Nordseite des geplanten Nord-Sees. Das „Angelrevier“, das der Planer eingezeichnet hat, liegt dann schon längst deutlich auf Marienwerder Gebiet, sowie auch die noblen „Seearkaden“ am Wissenschaftspark östlich vom ehrwürdigen Kloster.

Letter als Hafen-City

Ein bisschen erinnern die Pläne für Letter an ein Mittelding aus Amsterdamer Grachtenarchitektur und Hamburger Hafen-City: Das entstehende Ufer von Letter ist in den Plänen gespickt mit Neubauten, die das Wasser bis in die Wohnräume erlebbar machen. Dafür allerdings muss das zur Expo formulierte Ziel einer Stadtentwicklung, die die Ufer für alle zugänglich lässt, aufgegeben werden – ein heißer Diskussionspunkt nicht nur unter Fachleuten. Am Westufer Letters jedenfalls sind sogenannte Floating Homes (Schwimmhäuser) vorgesehen, am Ostufer werden Häuser als Pfahlbauten im Wasser aufgeständert („Letterleiter“). An der Nordspitze Letters, wo schon heute der große Sportplatz liegt, ist das „Leinestadion“ mit Seebühne und Hotel angesiedelt.

Eine neue Brücke

Endlich ungestört von Hochwasser nach Hannover kommen – das wünschen sich viele Letteraner schon lange. Die Stöckener Straße (L 395 in Letter) an der Klappenburgbrücke ist häufig überflutet, schon lange wird über Lösungen diskutiert – Stichwort „Leinesprung“. Planer Grobe kappt diese Straße komplett und legt eine „Bogenbrücke“ von Letter rechtwinklig zur B 6, die er an den Knoten Stöckener Straße (in Hannover) anschließt. Damit ist die Frage, wie das geplante Seegebiet auf Hochwasser reagiert, hydraulisch natürlich nicht geklärt – auch zu diesem Thema soll die Machbarkeitsstudie Klarheit bringen. Immerhin ist dem Planer damit aber eine Lösung eingefallen, die wieder Bewegung in ein seit Jahrzehnten debattiertes Dauerproblem bringt.

Ein See mit Klärwerk

Das kleine Klärwerk Herrenhausen will Architekt Peter Grobe zumindest nicht versetzen – so anspruchsvoll sind seine Pläne dann doch nicht. Es bleibt als Blickfang an der Bahnlinie bestehen, ebenso wie der Planer die Kleingartenanlage an der B 6 bestehen lässt. Sie erhält allerdings einen eckigen Neubau zur Seite gestellt, Grobe nennt ihn den „Stöckener Winkel“. Und entlang der Bundesstraße könnten markante Ufertürme entstehen, die in den Plänen den Namen „fünf Schwestern“ tragen. Weil allerdings direkt dahinter die laute Straße verläuft, dürfte es sich eher um Büro- denn um Wohntürme handeln. Der Rest des B-6-Ufers bleibt unbebaut, wohl wegen des Lärms, was schade ist, weil dies die Blickrichtung gen Süden über den See ist.

Süd-See mit Türmen

Der kleinste der geplanten drei Einzelseen ist der Süd-See. Er erstreckt sich zwischen Herrenhausen, Limmer und Ahlem. Planer Peter Grobe hat das kleine Schwimmbad am Stockhardtweg belassen ebenso wie den Treidelpfad am Leine-Aufstiegskanal. Als „Ahlemer Spange“ plant er Wohnbebauung auf der Südseite des Süd-Sees, am Westrand ist ein großer Hügel mit Café vorgesehen. Vier „Wassertürme“ reihen sich auf, ein zusätzliches Strandbad ist eingeplant. Südlich des Seeprojekts schreiten derweil die Arbeiten an dem anderen Millionenprojekt, der Wasserstadt Limmer als Wohngebiet auf der Conti-Industriebrache voran. Da für das See-Projekt Jahrzehnte veranschlagt sind, dürfte die Wasserstadt dann längst realisiert sein.

Anschluss zum Garten

Ein Kunstpark ganz im Südosten des See-Projekts soll den Anschluss an die Gartenprojekte vergangener Jahrhunderte bringen – immerhin liegt der „Leine-Bogen“ an seiner innenstadtnächsten Seite direkt an den königlichen Gärten. Ein klassizistischer Grundriss für den Kunstpark, eine Betonung der denkmalgeschützten Ernst-August-Schleuse, die europaweit einmalig ist, dazu natürlich ein Café und ein Anleger für die Seefähre: So schließt Architekt Peter Grobe das Projekt in Richtung Hannover ab. Was davon Wirklichkeit wird und was Utopie bleibt, das werden die Diskussionen und Gutachten der nächsten Monate zeigen. Unterstützer hat der Architekt für die Idee schon gesammelt, nun muss er beweisen, dass die Pläne umsetzbar sind.

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