Gut 45 Minuten lang leuchteten von 23 Uhr an riesige Blitze am Himmel. Orkanartige Windböen wirbelten durch die Straßen, der Regen prasselte gleich literweise zu Boden.
Fast zeitgleich gingen zu dieser Uhrzeit 23 Notrufe bei der Regionsleitstelle ein. Bis zum Morgen folgten weitere 50 Hilferufe. Allein in Hannover waren mehr als 100 Einsatzkräfte unterwegs, um Keller auszupumpen und überflutete Straßen zu sichern.
Die Herrenhäuser Straße musste zeitweise gesperrt werden. Dort drückten die Fluten die Gullydeckel aus den Fugen. Zentimeterhoch stand das Wasser auch am Arthur-Menge-Ufer und auf dem Westschnellweg in Höhe der Kaisergabel in Ricklingen. Unter der Eisenbahnbrücke in der Celler Straße wateten die Einsatzkräfte durch kniehohes Wasser.
Elke Rosskamp vom Deutschen Wetterdienst sprach gestern von „außergewöhnlichen“ Niederschlagsmengen in der Region Hannover. In Springe maßen die Wetterstationen 59 Liter pro Quadratmeter, am Flughafen in Hannover 38, in Herrenhausen 36 und in Lehrte 22 Liter. Durchschnittlich fallen in Hannover im Oktober rund 38 Liter pro Quadratmeter – im Laufe des ganzen Monats.
Die Fluten führten mitunter zu beachtlichen Schäden. Im Schauspielhaus in Hannover konnten die großen Wassermengen, die sich auf einer Terrasse des Gebäudes gesammelt hatten, nicht mehr abfließen. Sie sickerten in das Gemäuer und verursachten Risse und Flecken in der Decke einer Zuschauergarderobe. Auch ein Toilettenraum wurde überflutet. Dort stand das Wasser am Morgen noch drei Zentimeter hoch, ein Teil der durchfeuchteten Decke fiel herunter. In die Werkstatt des Schauspielhauses in der Maschstraße drang ebenfalls Wasser ein. Dadurch wurden einzelne Dekorationsteile beschädigt.
Für großen Schaden sorgte ein Blitzeinschlag in Wennigsen. Dort geriet ein Mehrfamilienhaus in Brand. Der Dachstuhl brannte komplett nieder, verletzt wurde niemand. Den Schaden schätzt die Polizei auf rund 70.000 Euro. In Hannover ging ein heftiger Blitzschlag weitestgehend harmlos vorüber. Anwohner des Stadtteils Mühlenberg alarmierten gegen 23 Uhr die Feuerwehr. Sie hatten einen lauten Knall vernommen und daraufhin große Rauchschwaden auf dem Firmengelände des Energieversorgers e.on beobachtet. „Vor Ort konnten wir keinen Rauch sondern nur Kondensation feststellen“, sagte gestern ein Sprecher der Feuerwehr. Vermutlich schlug der Blitz in den Boden ein und brachte das Regenwasser so zum Verdampfen.
Damit dürfte es sich über Hannover zumindest vorerst ausgeregnet haben. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes zeigt sich der Herbst heute noch einmal von seiner milden Seite. Wer kann, sollte das genießen. Schon am Sonnabend soll es wieder grau am Himmel werden.
Von Vivien-Marie Drews und Tobias Morchner
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