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Von Bafög leben? Ein Student rechnet vor

Ausbildungsförderung Von Bafög leben? Ein Student rechnet vor

Am Montag beginnt offiziell das Wintersemester an der Leibniz-Uni. Jurastudent Malte Gendries rechnet vor, wie er es finanziert: mit Bafög, Jobs und Eltern.

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„Ich trinke Wasser aus der Leitung, kaufe günstig ein und schmeiße nichts weg“: Malte Gendries ist froh, dass er Bafög bekommt.

Quelle: Villegas

Hannover. Ganz ohne Bafög hätte Malte Gendries es sich zweimal überlegt, ein Studium anzufangen. „Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte. Vielleicht einen Kredit aufgenommen“, meint der Jurastudent. Die staatliche Ausbildungsförderung erleichtert sein Leben nun aber beträchtlich. „Meine Eltern unterstützen mich unermüdlich. Wenn sie könnten, würden sie mir gerne noch mehr Geld geben.“ Doch dem Sohn das Studium zu finanzieren können sich die Krankenschwester und der Krankenpfleger schlicht nicht leisten.

Malte Gendries erinnert sich noch gut, wie unsicher ihm seine finanzielle Situation vor dem Studienstart vergangenes Jahr erschien. „Ich musste im August das Zimmer im Studentenwohnheim zusagen und wusste noch nicht, ob ich überhaupt Bafög bekomme.“ Erst im November erhielt der Studienanfänger den positiven Bescheid, und später auch eine Nachzahlung. „Meine Mutter hat damals permanent beim Bafög-Amt angerufen, denn die Sachbearbeiter waren schwer zu erreichen. Ohne sie hätte das alles nicht geklappt“, ist der 20-Jährige überzeugt. Denn die Familie musste doch einiges an Papieren und Nachweisen einreichen. Malte Gendries erscheint es heute so, als ob manches auch mehrmals angefordert wurde.

Sein Leben finanziert der Student seitdem in einer Art Mischkalkulation aus Bafög (375 Euro), Jobs (250 Euro) und Zahlungen der Eltern, die manchmal auch direkt an einen Friseurbesuch oder Kleidungskauf geknüpft sind.

Rund 750 Euro braucht Malte Gendries pro Monat, etwa ebenso viel nimmt er ein. Damit lebt der 20-Jährige besonders sparsam. Nach der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks verfügt ein Student in Deutschland im Durchschnitt über 918 Euro im Monat, in Hannover sogar über 929 Euro. Allerdings sind die Einkommen sehr unterschiedlich verteilt: Jeder Fünfte muss mit weniger als 670 Euro zurechtkommen.

Dennoch stellen längst nicht alle Studenten, die angesichts geringer familiärer Einkünfte Anrecht auf die Studienförderung hätten, einen Antrag. „Das ist bedauerlich, denn die Gefahr, sich zu verschulden, ist gering“, sagt Thorsten Wagner, Abteilungsleiter Ausbildungsförderung beim Studentenwerk Hannover.

Allein sein Apartment im Studentenwohnheim kostet Malte Gendries 356 Euro, also fast die Hälfte seines Budgets. Der Durchschnittsstudent gibt 35 Prozent seines Geldes für Miete aus. Jurastudent Gendries ist deshalb in allen anderen Lebensbereichen auf Sparsamkeit bedacht. „Ich trinke Wasser aus der Leitung, kaufe günstig ein und schmeiße nichts weg.“

Neue Unsicherheit ergab sich, als seine Schwester Nele dieses Jahr ihr Abitur machte. Da sie jobbte, bekam Gendries in den Sommermonaten plötzlich nur noch 259 statt 375 Euro Bafög. „Und meine Schwester beschwerte sich bei mir, weil sie gerne noch mehr gearbeitet hätte, um Rücklagen für das eigene Studium zu bilden.“ Gendries muss nun selbst mehr dazuverdienen, sorgt sich aber, dass er dabei über die erlaubte Höchstgrenze kommt. Im aktuellen Wintersemester beginnt auch Nele mit dem Studium, nun bekommen beide voraussichtlich jeweils 350 Euro. „Ich finde es fragwürdig, wenn der Verdienst von Geschwistern gegeneinander gerechnet wird.“

Der 20-Jährige tröstet sich aber mit der Aussicht auf ein Auslandsjahr in Großbritannien, bei dem ein spezieller Bafög-Zuschuss beträchtlich hilft. Ziel ist ein zusätzlicher internationaler Jura-Abschluss. „Am Ende zahlt es sich auf jeden Fall aus, dass wir uns günstig Geld beim Staat leihen können.“

Bafög: So geht’s

Höchstsatz: 735 Euro beträgt aktuell der Bafög-Höchstsatz, wenn Studenten nicht mehr bei den Eltern wohnen. Sonst gibt es maximal 537 Euro.

Vermögen: Bis zu 7500 Euro Vermögen dürfen Bafög-Empfänger besitzen. Sie können außerdem 5400 Euro im Jahr dazuverdienen. Im Monat macht das im Schnitt 450 Euro.

Die Antragssteller: 10.158 Anträge auf Bafög haben Studierende im Jahr 2016 beim Studentenwerk Hannover gestellt. Rund 6580 von 45.000 Studenten in Hannover bekommen die Ausbildungsförderung. Im Durchschnitt bezieht ein Bafög-Empfänger 528 Euro im Monat.

So wird abgerechnet: Bafög ist ein zinsloses Darlehen. Die Hälfte der Gesamtsumme gibt es geschenkt.

Weitere Informationen: Im Servicecenter der Leibniz-Universität, Welfengarten 1, ist die Bafög-Beratung Montag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr (Freitag bis 15 Uhr) geöffnet.     

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Von Redakteur Bärbel Hilbig

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