Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Von Reue keine Spur: Nurettin B. will neuen Prozess
Hannover Aus der Stadt Von Reue keine Spur: Nurettin B. will neuen Prozess
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 27.11.2017
„Ich bekenne meine Schuld“: Vor dem Landgericht Hannover hatte Nurettin B. noch Reue gezeigt. Inzwischen beklagt er sich über das milde Urteil. Foto: dpa Quelle: Silas Stein
Anzeige
Hameln

14 Jahre Haft - für viele ist Nurettin B. mit einer erstaunlich milden Strafe davongekommen angesichts der Tat, die er im November vergangenen Jahres begangen hatte: Der 39-Jährige schleifte seine damalige Frau an einem Seil mit dem Auto durch Hameln. Die Strafe für den Mordversuch fiel wahrscheinlich auch deshalb vergleichsweise niedrig aus, weil der 39-Jährige im Prozess Reue zeigte und versprach, seiner Ex-Frau 137.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen.

Beschwerde gegen Urteil

Doch davon will Nurettin B. nun nichts mehr wissen. Er verlangt, dass das Verfahren wieder aufgerollt wird. Mit diesem Vorstoß ist er allerdings vorerst gescheitert. Das Schwurgericht des Landgerichts Hildesheim hat die Beschwerde des 39-Jährigen „aus formalen rechtlichen Gründen für unzulässig erklärt“. Das teilte Richter Philipp Suden, Sprecher des Gerichts, am Freitag mit. Bis Anfang kommender Woche kann der Deutsche mit kurdischen Wurzeln Beschwerde beim Oberlandesgericht Celle einlegen.

Die Geschichte der Frau

Ein Jahr nach der Tat spricht Kader K. (29) über Schmerzen, Angst, Glauben – und über das Glück. Zum Artikel.

Am 20. November 2016 hatte der Mann seine damalige Frau Kader K. auf der Hamelner Königstraße niedergeschlagen und mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt. Danach schlug er wie von Sinnen mit einer Axt auf Kopf und Oberkörper der jungen Mutter ein. Anschließend legte Nurettin B. der Schwerstverletzten einen Galgenknoten um den Hals, befestigte das andere Ende des Seils an der Anhängerkupplung seines Wagens - und gab Gas. Der Täter wollte die Mutter seines Sohnes zu Tode schleifen. Der kleine Junge saß während der Tat im Auto. Kader K. überlebte die Mordattacke wie durch ein Wunder. Die 29-Jährige und Cudi, der bald vier Jahre alt wird, leiden bis heute unter den Folgen des „barbarischen Verbrechens“, wie es Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese nannte.

137.000 Euro Schmerzensgeld

Während des Prozesses vor dem Landgericht Hannover hatten die Verteidiger ein von Nurettin B. unterzeichnetes Geständnis verlesen. „Er selbst hat hinter verschlossenen Türen einem Täter-Opfer-Ausgleich zugestimmt“, hieß es. Demnach verpflichtet sich Nurettin B., „dem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 137 000 Euro plus Zinsen zu bezahlen und für sämtliche materiellen und immateriellen Zukunftsschäden, die nicht von Dritten übernommen werden, aufzukommen. Ferner wird B. seiner Ex-Partnerin seinen VW Passat im Wert von 12 000 Euro übereignen“ - so der richterliche Vergleich. Kader K. hat bis heute weder das Geld noch das Auto erhalten.

Ein brutales Verbrechen erschüttert Hameln: Eine junge Frau ist mit einem Strick um den Hals an ein Auto gebunden und durch die Straßen der Stadt geschleift worden. Das 28-jährige Opfer schwebt in Lebensgefahr. Der 38 Jahre alte frühere Lebensgefährte der Frau und Vater des gemeinsamen Kindes hat sich der Polizei gestellt.

Nurettin B. hatte nach seiner Verurteilung einen Brief geschrieben und sich über das Urteil beklagt. Sowohl die Höhe des Strafmaßes als auch der Entschädigung seien zu hoch und unangemessen, meint er. Offenbar fühlt sich der Täter im Nachhinein von seinen Anwälten schlecht beraten. Er glaubt, dass das Urteil milder ausgefallen wäre, wenn er „die massive Einflussnahme seiner Rechtsanwälte nicht zugelassen hätte“, sagte Richter Suden.

Ihm seien Fälle bekannt, schreibt B., „wo Täter nach einem vollendeten Tötungsdelikt mit einer geringeren Strafe davongekommen sind“. Interessant ist eine weitere Aussage des Gewalttäters. Laut Gerichtssprecher hat er mitgeteilt, „dass seine Einlassung in vielen Teilen nicht der Wahrheit entsprochen habe“.

Kader K., die sich seit Mittwoch in einer Trauma-Klinik aufhält, ist von dem Verhalten ihres Ex-Mannes nicht überrascht. „Ich habe es immer gewusst: Er bereut die Tat nicht. Das überrascht mich nicht.“

Im November 2016 band ein Mann seine schwer verletzte Ex-Partnerin an seinem Wagen fest und raste los. Nun steht der Mann wegen versuchten Mordes in Hannover vor Gericht. 

„Grausam“ versucht, zu töten

Während der Hauptverhandlung hatte Nurettin B. seine Verteidiger in der Ich-Form vortragen lassen. Er habe auf „grausame Weise“ versucht zu töten, ließ er ausrichten. „Ich bekenne meine Schuld, habe die grauenvolle, widerliche und abscheuliche Tat begangen.“ Er habe niemals für möglich gehalten, „dass ich dazu fähig“ sein könnte. „Für das, was ich getan habe, gibt es keine Vergebung.“ B. äußerte sich ähnlich, als er das letzte Wort hatte. „Es tut mir unendlich leid, was ich dir und unserem Sohn angetan habe“, sagte er eine Stunde vor der Urteilsverkündung. Das nimmt Kader K. ihm nicht ab.

Von Ulrich Behmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der hannoversche Klinikbetreiber Diakovere will die Stellen, die aufgrund der Kündigung von fünf Hebammen fehlen, schnell ersetzen. Das ist auch nötig: Denn viele Schwangere haben Angst, in den großen Häusern in Hannover  im Kreißsaal abgewiesen zu werden. 

27.11.2017
Aus der Stadt Borgentrick-Stein verliehen - Heimatbund ehrt Klaus Mlynek

Der langjährige Stadtarchivar Klaus Mlynek ist einer der besten Kenner von Hannovers Geschichte. Jetzt haben Stadt und Heimatbund ihn mit dem Cord-Borgentrick-Stein ausgezeichnet.

27.11.2017

Der Winterzoo im Tierpark an der Eilenriede ist am Freitag in die 13. Saison gestartet. Zur Eröffnung legte der Eisläufernachwuchs der Wedemark Scorpions eine bunte Show auf die Bahn an Meyers Hof.

24.11.2017
Anzeige