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Aus der Stadt Vor 40 Jahren startete die erste Gesamtschule in Hannover
Hannover Aus der Stadt Vor 40 Jahren startete die erste Gesamtschule in Hannover
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22:39 06.06.2011
Von Bärbel Hilbig
Zirkus im Rathaus: Schüler der Integrierten Gesamtschule Linden jonglieren in der Kuppelhalle. Quelle: Ralf Decker

„Die IGS Linden war der Prototyp für eine ganze Serie von Schulen in Hannover“, sagte Oberbürgermeister Stephan Weil. Und wie schon häufiger ließ er keinen Zweifel daran, dass ihm diese Schulform, in der Kinder aller Begabungsstufen gemeinsam lernen, besonders am Herzen liegt. „Wir laufen klar auf ein zweigliedriges Schulsystem mit starken Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen zu.“

Weil erinnerte daran, dass die Entstehung der neuen Schulform von Anfang an mit Streit verknüpft war. „Es ging um eine gesellschaftliche Öffnung. Man wollte sehen, ob Kinder, deren Eltern nicht Abitur gemacht hatten, zu diesem Abschluss geführt werden können.“ Zu diesem Zweck hätten die IGS sich als Ganztagsschulen konzipiert. Inzwischen gibt es neun Integrierte Gesamtschulen in Hannover. Die jüngsten drei entstanden auf Basis einer Befragung, in der sich 2008 rund 44 Prozent der Grundschuleltern eine IGS für ihr Kind wünschten. „Ich glaube, damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht“, sagte Weil. Morgen soll im Schulausschuss eine weitere Elternbefragung auf den Weg gebracht werden. Der Oberbürgermeister kritisierte, dass das überhaupt – anders als für jede andere Schulform – vom Land so vorgeschrieben ist.

Im Juni vor 40 Jahren liefen die Anmeldungen für die erste IGS in Hannover. Das Ergebnis hätten weder Freund noch Feind auch nur annähernd geahnt, sagte Christoph Walther, Leiter der IGS Linden. „Die Eltern von 603 Kindern standen Schlange. Es war, als sei eine Schleuse geöffnet worden.“ Einer Nachbarschule ging der Nachwuchs aus. Und die neue IGS hatte nur Platz für 180 Fünftklässler. Der Rat beschloss, dass die Schule mit acht statt sechs Klassen und damit 240 Kindern starten sollte. „Wir setzen auf ein Lernklima mit möglichst wenig Zeit- und Zensurendruck. Sitzenbleiben gibt es nicht“, sagte Walther. Als neues Ziel soll die Integration behinderter Kinder vorangetrieben werden. „Inzwischen erscheinen die ersten Großeltern mit IGS-Erfahrung bei uns.“

Die waren am Montag nicht da, dafür aber ehemalige Schüler wie Frank Wieneke, Olympiasieger im Judo, Schauspielerin Laura Kolbe, Tanzpädagogin Lalesim Ceylan und Ralf Schnoor, erfolgreicher Cafébetreiber und Günther-Jauch-Millionär. Der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther plädierte in seiner Festrede für Schulen, die nicht ausgrenzen und in denen die Schüler gemeinsam Dinge entdecken und gestalten können. „Man kann nur dann Wissen im Gehirn verankern, wenn ein Mensch sich dafür begeistert.“

Die vier IGS-Absolventen haben in ihrer Schulzeit ähnliches erlebt. „Die Lehrer haben meine Selbstmotivation angeregt. Das ist mir im Sport zugute gekommen“, berichtete Frank Wieneke. Lalesim Ceylan nahm das Gefühl mit, als Einwandererkind kein Außenseiter zu sein. „Meine Eltern konnten mir nicht beim Lernen helfen. Aber die Lehrer waren immer ansprechbar.“ Ralf Schnoor erinnert sich, dass ihm die ersten Monate an der IGS gar nicht gefielen. „Die Schüler konnten machen, was sie wollen. Es gab keine klaren Hierarchien.“ Doch Schnoor akklimatisierte sich schnell und verteidigte fortan seine IGS gegen die Kritik der Freunde vom Gymnasium. „Die behaupteten immer, wir IGS-Schüler würden nichts lernen. Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass ich dümmer wäre.“ Und dann lächelt der Mann, der mit seinem Wissen eine Million gewann.

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