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Wer hat Vorfahrt?

Maschsee Wer hat Vorfahrt?

Der Rat der Stadt will eine Vorrangstrecke
für Ruderer und Kanuten beschließen. Vor allem die Ruderer hatten sich für die Vorrangstrecke ausgesprochen. 
Segler und Tretbootverleiher sind sauer. 
Ein Tag am See.

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Die Sportler auf dem Maschsee haben seit kurzem eine eigene Ruderstrecke – zum Ärger der Bootsverleiher.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. Auf Höhe des Restaurants Pier 51 am Ostanleger des Maschsees beginnt die neue Vorrangstrecke für Ruderer, Kanuten und Drachenbootfahrer. Genau hier hat Hannes Bondesen seine Yachtschule – und er ist empört: „Auf dem Maschsee hat bisher alles wunderbar geklappt. Die Vorrangstrecke ist völlig unnötig“, sagt der Inhaber der Segelschule. Nach der neuen Regelung haben die Leistungssportler nun 40 Meter Breite und einen Kilometer Länge für sich, Segler und Tretbootfahrer dürfen auf der durch Bojen gekennzeichneten Strecke nur fahren, wenn kein Sportler in Sicht ist.

Vor allem die Ruderer hatten sich für die Vorrangstrecke ausgesprochen. Die Begründung: Die Zahl der Unfälle zwischen Sportlern und Freizeitfahrern habe in der letzten Zeit zugenommen. Das glaubt Bondesen nicht: „Es gibt keine Statistik darüber, dass es mehr Unfälle gibt. Ich würde sogar sagen, es sind weniger geworden“, sagt der Inhaber der Segelschule. Ihn ärgert, dass das Südbecken des Maschsees für seine Schüler künftig schwieriges Terrain sein wird. Steht der Wind schlecht, müssen die Segler die Vorrangstrecke notgedrungen kreuzen. Und es gibt noch ein anderes Problem, sagt Segler Wolfgang Kranz: „Wenn der Wind gar nicht geht, also Flaute ist, kommt man mit dem Segelboot schwer wieder aus dieser Zone raus.“

Reserviert für Ruderer: Hannovers Ruderer, Kanuten und Drachenbootfahrer bekommen noch in diesem Frühjahr Vorfahrt auf dem Maschsee.

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Der 64-jährige Hobbysegler aus Laatzen kann aber auch die Sportler verstehen, die „richtig Power machen wollen“, wie er sagt. Zu denen gehören neben den Ruderern auch die Kanuten vom Hannoverschen Kanu-Club. Sie nutzen den Maschsee als Trainingsgelände. „Im Sommer konnte man oft nicht gut trainieren“, sagt Sportwart Dietmar Hoffmann und ergänzt: „Wenn der See voll ist, war es schwierig, auch nur 200 Meter ungestört geradeaus zu fahren.“ Das soll jetzt mit der neuen Vorrangstrecke besser werden. Zwei Jahre lang wird die neue Regelung getestet, die im März von einer rot-grünen Ratsmehrheit beschlossen worden war.

Wenn ein Kanu mit einem Segel- oder Tretboot zusammenstößt, kämen schnell mal Schadenssummen von 3000 bis 8000 Euro für das Kanu zusammen, rechnet Hoffmann vor. Noch viel schlimmer seien aber natürlich die möglichen Verletzungen für die Kanuten. „Vor allem für Kinder und Jugendliche, die vielleicht nicht wissen, wie sie in einer schwierigen Situation richtig reagieren, kann das gefährlich werden“, sagt Jugendwartin Thorid Hartwig.
Die Segelschulen und Bootsverleiher sind allerdings der Meinung: Der Maschsee ist ein Freizeitsee. „Wenn die Sportler eine Rennstrecke wollen, dann sollen sie auf dem Leineabstiegskanal trainieren, da sind wunderbar gerade Strecken“, sagt Bondesen. Bei ihm in der Yachtschule Hannover können Wasserfreunde nicht nur ihren Segelschein machen, er hat auch Tretboote im Angebot. Die werden meist von Laien ausgeliehen, die sich mit ihrer Familie oder Freunden ein paar schöne, sonnige Stunden auf dem Wasser machen wollen – und nicht viel Ahnung von den Verkehrsregeln auf dem Maschsee haben. Für die könnte die Verkehrsordnung auf dem See schnell zu kompliziert werden.

Deshalb sei es wichtig, dass Tretbootfahrer von den Verleihern ordentlich eingewiesen würden, sagt Ruderer Uwe Keller. Er rudert seit sieben Jahren im schwul-lesbischen Sportverein Leinebagger, einem Gastverein des Hannoverschen Ruder-Clubs. „Ein Laie weiß oft gar nicht, wie schnell wir unterwegs sind“, sagt Keller. Seiner Meinung nach sind eine gute Aufklärung und Rücksicht wichtiger als eine Vorrangstrecke.
Der Hannoversche Ruder-Club selbst will sich einstweilen nicht mehr zu der neuen Regelung auf dem Maschsee äußern, den Sportlern werden die Diskussionen langsam zu viel: „Wir warten jetzt einfach ab, wie sich das entwickelt“, sagt Lorenz Quentin, der mit der Pressearbeit des Vereins betraut ist.

Die Stadt Hannover will in den nächsten Tagen noch einmal mit allen Betroffenen der Vorrangstrecke sprechen und offene Fragen klären. „Klar ist aber, dass die Strecke beschlossen ist und die Bootsverleiher ihre Kunden künftig über die neue Regelung aufklären müssen“, sagt Stadtsprecher Alexis Demos.

Sechs Wassersportvereine und zwei Segelschulen

Der Maschsee ist 2,4 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle misst er 180 Meter und an der breitesten 530 Meter. Insgesamt ergibt das eine Wasserfläche von 78 Hektar – das entspricht in etwa der Größe von 110 Fußballfeldern. In die Tiefe geht es maximal zwei Meter.

Entlang des Maschsees haben sich sechs Wassersportvereine angesiedelt, unter ihnen sind Ruderer, Kanuten und Drachenbootfahrer. Am Ostanleger und am Nordufer gibt es zwei Segelschulen, die auch kleine Jollen und Tretboote verleihen. Der Maschsee zieht aber nicht nur Wassersportler an. Auf dem rund sechs Kilometer langen Uferweg treffen sich Jogger, Radfahrer und Inlineskater zum Trainieren und Spaziergänger zum Flanieren.

Von Ostern bis etwa Ende Oktober fahren außerdem die Personenschiffe der Üstra auf dem Maschsee. Der Rundkurs ist 5,6 Kilometer lang, die Schiffe halten an den Anlegern Nordufer, Südufer, Maschseequelle, Westanlieger, Stadion. Bei einer Reisegeschwindigkeit von acht Kilometern in der Stunde dauert die Tour ungefähr 50 Minuten. Die Schiffe können auch für Kaffeefahrten oder Feste gemietet werden.

Anne Grüneberg

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