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„Wo soll das Tier bleiben, wenn wir nicht mehr sind?“

Betreuungsinitiative für Haustiere „Wo soll das Tier bleiben, wenn wir nicht mehr sind?“

Ist es vertretbar, sich im Alter noch ein Tier anzuschaffen? Viele ältere Tierbesitzer stehen vor dieser Frage. Die Hannoversche Gesellschaft zur Förderung der Kleintiermedizin (HGFK) hat deswegen die Initiative „Vorsorge für vier Pfoten“ gegründet. Im Krankheitsfall oder nach dem Tod des Halters kümmert sich die HGFK um die Betreuung des Haustieres.

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Birgit Schulte (v. l.) mit Lilly, Martina und Ingo Nolte mit Pippa, Magdalena Kretschmann mit Ono, Elfriede Raasch mit einem Foto von Katze Melanie und Ingrid Forey mit Chico. 

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Ein Leben ohne Haustier kommt für Elfriede Raasch nicht infrage. Schon in der Kindheit war die heute 74-Jährige immer von Tieren umgeben. Als vor drei Jahren ihre Katze starb, wollte sie deshalb gern eine neue anschaffen. Doch ihr Ehemann hatte Zweifel: „Wo soll das Tier bleiben, wenn wir nicht mehr sind?“ fragte er sie. Immerhin haben Hauskatzen eine Lebenserwartung von gut 15 Jahren und mehr. „Und er hatte ja recht. Es ist eine ganz schreckliche Vorstellung, dass meine Katze einmal in einem Tierheim leben muss“, sagt die kinderlose Seniorin.

Wie Familie Raasch stehen viele ältere Tierbesitzer vor dieser Frage: Ist es vertretbar, sich im Alter noch ein Tier anzuschaffen? Und was wird bei einer schweren Krankheit oder gar nach dem Tod aus unserem Haustier? Die Hannoversche Gesellschaft zur Förderung der Kleintiermedizin (HGFK), die sich vor allem aus Tierärzten zusammensetzt, möchte Tierbesitzern die Ängste nehmen. „Wir haben festgestellt, dass Menschen ab einem gewissen Alter auf Tiere verzichten, wenn beispielsweise der Hund eingeschläfert wurde“, sagt Veterinärmedizinerin Martina Nolte. Vor rund eineinhalb Jahren hat der gemeinnützige Verein deshalb die Initiative „Vorsorge für vier Pfoten“ gegründet. „Wer immer einen Hund hatte, sollte doch auch im Alter nicht darauf verzichten müssen“, sagt die Mitbegründerin und Organisatorin.

Um den Betroffenen Sorgen und Zweifel zu nehmen, bietet die HGFK Betreuungsvereinbarungen an, die die Versorgung des Haustieres im Krankheitsfall oder nach dem Tod des Halters regeln. Für den Hund oder die Katze zahlen sie so viel Geld auf ein Treuhandkonto ein, wie für die Betreuung für ein Jahr benötigt wird. Für einen Hund müssen Tierhalter rund 500 bis 600 Euro auf das Konto einzahlen, wenn er groß ist oder an einer Krankheit leidet, kann es auch das Doppelte sein. Katzen sind günstiger in der Versorgung.

Die HGFK sucht im Fall einer Krankheit oder des Todes ein liebevolles Zuhause für Fiffi oder Mimi, vom zuvor eingezahlten Geld werden Ausgaben für Futter, Tierarzt und Medikamente beglichen. Nach einem Jahr übernehmen die neuen Halter die Kosten für das Tier. Bisher haben sich vor allem Studenten der Tierärztlichen Hochschule als potenzielle Paten gemeldet, sodass der Verein ein Polster für den Ernstfall hat und die Tiere gut unterbringen kann. „Ich muss mir so keine Sorgen um mein Tier machen, wenn ich einmal sterbe“, sagt Elfriede Raasch. Als sie von der Initiative erfuhr, war das auch der Moment, in dem sie sich für ein neues Tier in ihrem Haushalt entschied. Und nun lebt seit einigen Monaten Katze Melanie bei ihr.

Neben der finanziellen Absicherung sorgen Nolte und ihre Kollegin Birgit Schulte auch dafür, dass das Tier so untergebracht ist, wie es das zuvor gewöhnt war. Tierhalter füllen ein Formular aus, in dem sie das Verhalten der Tiere, das bevorzugte Futter und die Unterbringsungswünsche festhalten. „Wenn wir Tiere vermitteln, dann muss immer alles stimmen – für das Tier und den neuen Besitzer“, sagt Nolte. Mittlerweile gebe es 20 Vorsorgeverträge. Bisher ist noch kein Halter gestorben, der die Versorgung seines Tieres bei der HGFK geregelt hat. Lediglich bei längeren Krankenhausaufenthalten mussten Tiere zu Paten gebracht werden.

„Das ist genau das, was ich brauche. Ich weiß, dass mein Hund nach meinem Tod in eine liebevolle Familie kommt“, sagt Ingrid Forey, die für ihren Mischlingshund Chico ebenfalls schon eine Vorsorgevereinbarung getroffen hat. Zwar hat die 74-Jährige zwei Söhne. „Aber die arbeiten. Wenn es drauf ankommt, nimmt ihn doch keiner.“ Chico habe sie sich vor allem angeschafft, um Struktur in ihrem Leben zu haben und rauszukommen. Gassigehen, Füttern, Spielen – für die alleinstehende Seniorin ist das wichtig. „Er ist mein Fitnesstrainer. Ich muss bei jedem Wetter raus.“ Deshalb sollte man allen älteren Leuten raten, ein Haustier zu haben.

Auch Martina Nolte weiß um den positiven Einfluss, den Vierbeiner auf ältere Menschen haben. „Oft sind sie allein. Da ist der Hund schon ein wichtiger Faktor für mehr Bewegung und soziale Kontakte. Und das wirkt manchmal sogar lebensverlängernd.“

Von Isabell Rollenhagen

Was wird aus Fiffi?

Wenn der Besitzer eines Haustieres stirbt und die Angehörigen es nicht aufnehmen wollen, kommen die Tiere in der Regel ins Tierheim. Auch das Tierheim Hannover bekommt so Katzen, Hunde und Kleintiere wie Hasen. „Wir suchen dann ein neues Zuhause für sie“, sagt Geschäftsführer Heiko Schwarzfeld. Weil die Tiere meist gut sozialisiert seien, sei das auch selten ein Problem. Manchmal kämen auch ältere Menschen infrage: Anders als viele andere Tierheime schließt Schwarzfeld eine Vermittlung an Senioren über 70 Jahre nicht aus.  iro

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