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Aus der Stadt „LED ist ein schädlicher Hype“
Hannover Aus der Stadt „LED ist ein schädlicher Hype“
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00:15 09.02.2016
Von Conrad von Meding
Noch ein Mond am Steintor? Ulrike Brandi mit Lavesstiftungs-Vorstand Wolfgang Schneider. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Wem gehört eigentlich das Licht? Ulrike Brandi ist sich sicher: „Allen. Deshalb müssen wir um die vier Elemente kämpfen, um Erde, Luft, Wasser und auch das Licht.“ Die Erde sei inzwischen weitgehend unter Privatbesitzern aufgeteilt, mit der Luft gibt es in Ballungsräumen zunehmend Probleme, um sauberes Wasser stehen voraussichtlich Völkerkämpfe bevor. „Um das Licht aber kümmert sich kaum jemand – das ist gefährlich, wir müssen ihm mehr Aufmerksamkeit widmen.“

Lichtplanerin Brandi geht es ums Tageslicht

Wenn eine Lichtplanerin so etwas sagt, dann könnte man vermuten, dass sie nur mehr Leuchten verkaufen will. Aber Frau Brandi geht es um das Tageslicht. 400 Plätze fasst der Vortragssaal im Alten Rathaus, aber an diesem Abend müssen bei der Veranstaltung der Lavesstiftung einige Dutzend Interessierte stehend zuhören. Die Hamburgerin Brandi ist in Hannover gut bekannt. Nicht nur, weil die kürzlich installierte Leucht­skulptur „Sonne“ am Kröpcke von ihr stammt.

Zur Weltausstellung hatte sie den Masterplan Licht für das Expo-Gelände erarbeitet. Es folgten Aufträge in Hamburgs Hafencity, in Rotterdam, in Kuala Lumpur sowie auf dem Flughafen von Schanghai – und auch den Masterplan für Hannovers Innenstadtbeleuchtung hat sie 2002 konzipiert. Der sah als Erweiterung des Lichtpunkt-Sternenhimmels über dem Ernst-August-Platz erst eine Sonne am Kröpcke vor und als Schlusspunkt einen Mond am Steintor. Kommt das noch? Sie antwortet kryptisch – am Platz sei „ja vieles in Bewegung“. Also: abwarten.

Brandi: "Licht ist poetisch - und politisch"

Was ist das Besondere an dieser Frau? Als die Tochter eines Architekten und einer Fotografin vor 30 Jahren anfing, sich um Licht zu kümmern, gab es die Profession Lichtplanung nicht als eigene Disziplin. Und heute nennen sich ihre meisten Berufskollegen Lichtdesigner. Das hat vielleicht mit den Vorstellungen der Auftraggeber zu tun. „Häufig gibt es den Wunsch: Machen Sie mal mehr Licht, lass es funkeln, blitzen, blinken“, sagt sie. Dabei ist ihre Idee von Lichtplanung eine andere. „Licht ist poetisch – und politisch“, sagt sie.

Gemerkt hat sie das etwa, als sie in einem Nachbarschaftsstreit vor Gericht ein Gutachten fertigen musste. Der Mieter habe durch Nachbarbebauung plötzlich weniger Tageslicht gehabt, als zu Zeiten der Industrialisierung in Arbeiterwohnungen der Standard war. „Da fragt man sich schon, wem das Licht gehört“, sagt sie entrüstet. Mit dem Tageslicht ist es ja so eine Sache. Längst wisse jeder, dass uns abends das kalte, blaustichige Licht der Monitore die Müdigkeit raubt. Dass aber umgekehrt das Tageslicht notwendig für einen gesunden Hormonhaushalt besonders beim Melatonin sei, sei kaum bekannt.

Abschaffung der Glühbirne falsch?

„Um so unsinniger ist es, Sonnenschutzverglasungen und Folienbeschichtungen in Häuser einzubauen“, sagt Brandi: „Wir rauben uns das Tageslicht.“ Auch den erzwungenen Abschied von der Glühbirne mit ihrem als warmweiß empfundenen Licht findet sie falsch. „Angeblich wird dadurch in Privathaushalten viel Energie gespart – aber jetzt kaufen alle die vielfach teureren LED-Leuchten, deren komplexe Technik im Inneren bei jedem Austausch entsorgt wird“ – der „schädliche Hype“ um LED gleiche einem Aufruf zur Müllproduktion.

Allerdings leuchtet auch ihre Lichtsonne am Kröpcke mit LED-Technik. Bei öffentlichen und gewerblichen Aufträgen sei LED nicht mehr wegzudenken, sagt sie. Umso wichtiger ist ihr ein anderes Detail. Das Metall der Skulptur ist so wellenförmig modelliert, dass sich tagsüber Sonnenlicht darin bricht und nicht nur nach oben, sondern auch nach unten streut. „Sonst hätte man ja nur eine Silhouette am Himmel“, sagte sie: „Die Lichtsonne aber soll auch am Tage leuchten.“

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