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Trägt NDR Mitschuld an Messerangriff?

Fall Safia S. Trägt NDR Mitschuld an Messerangriff?

Bundespolizeipräsident Dieter Romann hat die Berichterstattung über die angeblichen Misshandlungen von Flüchtlingen in der Wache am Hauptbahnhof kritisiert. Dabei hat er indirekt einen Zusammenhang zwischen den NDR-Berichten und dem Angriff der 15-jährigen Safia S. auf einen Bundespolizisten hergestellt. Der Sender wehrt sich.

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Nach der Attacke im Februar: Der Hauptbahnhof ist abgesperrt.

Quelle: Christian Elsner

Hannover. „War es Zufall, dass sich Safia S. einen Beamten genau dieser Inspektion Hannover als Anschlagsopfer ausgesucht hatte?“, fragte Romann in seiner Ansprache laut Manuskriptauszug. Der NDR weist eine wie auch immer geartete Verantwortung für den Anschlag mit deutlichen Worten zurück: „Ein Zusammenhang zwischen unserer Berichterstattung und dem Anschlag ist in keiner Weise ersichtlich und wird auch durch nichts belegt“, sagte Sprecher Martin Gartzke der HAZ.

Die Rede hielt der Bundespolizeipräsident bei einer internen Veranstaltung der Behörde im Juni in Hannover, Auszüge sind jetzt im Internet veröffentlicht worden. Darin rekapituliert er, dass der NDR am 17. Mai 2015 in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ die angeblichen Folterungen auf der Wache durch den Bundespolizisten Torsten S. zum ersten Mal öffentlich gemacht hatte. Unter anderem ging es um ein Foto von einem Marokkaner auf dem Boden der Wache, zu dem der Beamte S. rassistische Kommentare geschrieben hatte. „Das übernehmen dann genauso unreflektiert andere Medien, mit entsprechendem Spießrutenlaufen für die gesamte Bundespolizei“, sagte Romann laut Manuskript. Was die Behörde besonders ärgert: Für das Aufdecken des vermeintlichen Polizeiskandals hatte die Sendung im November 2015 den Bremer Fernsehpreis erhalten.

Ein knappes Jahr nach der ersten Berichterstattung stellten sich zumindest juristisch die Fakten anders dar. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte die Ermittlungen gegen Torsten S. wegen Körperverletzung durch Misshandlung im Amt eingestellt – weil sich trotz offener Fragen keine Beweise für die Anschuldigung finden ließen. Dennoch musste sich S. vor Gericht verantworten. In dem Verfahren aber ging es ausschließlich um Verstoß gegen das Waffengesetz und Kinderpornografie – Vorwürfe, die, so Romann, nicht „Gegenstand der Skandalisierung“ durch die Fernsehjournalisten gewesen seien. „Es bleibt nichts übrig von den investigativen und öffentlichen Skandal-Vorwürfen des NDR“, so der Bundespolizeipräsident.

Die Messerattacke im Hauptbahnhof geschah am 26. Februar 2016, zu einem Zeitpunkt, als die „skandalisierten und mit einem Medienpreis belohnten Misshandlungsvorwürfe gegen unsere Beamte am Hauptbahnhof“ noch in vollem Gang waren, wie es im Manuskript heißt. Vor diesem Hintergrund fragte der Bundespolizeipräsident seine Zuhörer nach der Zufälligkeit der Auswahl des Anschlagsopfers der 15-Jährigen. Den direkten Zusammenhang zwischen Berichten und Tat stellt er in den vorliegenden Auszügen des Manuskripts nicht her.

Bundespolizeipräsident Romann wollte sich gegenüber der HAZ nicht mehr zu der Rede äußern. Eine Behördensprecherin teilte jedoch mit, dass die jetzt im Netz veröffentlichten Auszüge der Rede authentisch seien.
Der NDR beharrt dagegen auf seiner Darstellung des Falls. Der Bericht über die Vorwürfe gegen die Bundespolizei sei wie alle anderen über die Ereignisse am hannoverschen Hauptbahnhof korrekt gewesen.

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Bei der Aufarbeitung der Ermittlungen zum Fall der 15-jährigen Safia S., die einen Bundespolizisten am Hauptbahnhof mit einem Messer attackiert hat, räumt die Landespolizei einen Fehler ein. Wie die Polizeidirektion mitteilt, habe die Behörde deutlich früher als bislang erklärt Kenntnis von einem Video mit Safia S. und Hassprediger Pierre Vogel.

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