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WM der Lacrosse-Juniorinnen startet in Hannover

Ein großer Wurf WM der Lacrosse-Juniorinnen startet in Hannover

Randsport sucht Publikum: Kommende Woche startet in Hannover die WM der Lacrosse-Juniorinnen. Vom 3. bis zum 13. August treffen die zwölf Mannschaften im Sportpark nahe der AWD-Arena aufeinander.

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Zu allem entschlossen: Insa Kriwall, Sophie Högl und Charlotte Erdsiek kämpfen ab kommender Woche bei der Lacrosse-Juniorenweltmeisterschaft in Hannover für Deutschland.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Der Ball saust weit über das Spielfeld und landet punktgenau im winzigen Netz am Ende des Stocks. Sofort rennt Insa Kriwall los, schlägt drei Haken, lässt ihre Gegenspielerinnen stehen und schleudert die tennisballgroße Kugel mit aller Kraft aufs Tor. Doch sie hat Pech, der Hartgummiball knallt gegen die Latte und fliegt in hohem Boden ins Aus. Kriwall schnappt nach Luft, es war nicht der erste Sprint in diesem Trainingsspiel beim Deutschen Hockey Club (DHC) gegen eine US-amerikanische Auswahl. „Aber das ist das Tolle am Lacrosse“, sagt Kriwall in der Halbzeitpause, „die Schnelligkeit, die Gewandtheit, das exakte Zuspiel über weite Entfernungen.“ Die 15-jährige Nationalspielerin aus Hannover hat bald Gelegenheit, sich richtig auszutoben und bis an ihre Grenzen zu gehen, denn in wenigen Tagen beginnt die Lacrosse-Juniorenweltmeisterschaft der Frauen in Hannover – erstmalig in Deutschland, erstmalig in Europa gar. Organisiert wird der Wettkampf, an dem zwölf Mannschaften aus ebenso vielen Ländern teilnehmen, im Wesentlichen von zwei jungen Frauen, Anna Blank aus Hannover und Anjulie von Oetinger aus Göttingen.

Die beiden Studentinnen sind begeisterte Lacrosse-Spielerinnen, Blank hat als 19-Jährige vor vier Jahren selbst an einer Juniorenweltmeisterschaft teilgenommen. „Damals in Kanada war alles perfekt organisiert, das ist auch für uns in Hannover der Maßstab“, sagt sie. Auf die Unterstützung eines großen Verbandes dürfen Blank und von Oetinger nicht hoffen. „Der Internationale Lacrosse-Verband überprüft zwar, ob alles regelgerecht zugeht, hält sich aber sonst heraus“, sagt Blank. Auch die deutschen Lacrosse-Funktionäre sind an der Organisation nicht beteiligt. „Die sind ja alle ehrenamtlich tätig und haben mit dem eigenen Betrieb genug zu tun“, sagt Blank. Die mangelnde Hilfe scheint sie nicht zu stören. Die Begeisterung für den Sport verleihe schließlich Flügel, meint die Studentin lachend.

Randsport sucht Publikum: Kommende Woche startet in Hannover die WM der Lacrosse-Juniorinnen.

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Vom 3. bis zum 13. August treffen die zwölf Mannschaften im Sportpark nahe der AWD-Arena aufeinander. Die Stadt und der Sportverein Hannover 78 stellen zwei Spielfelder zur Verfügung, auch die traditionelle Eiswassertonne am Spielfeldrand wird nicht fehlen. Nach einer Partie versenken die Spieler ihre dampfenden Körper in der Tonne. „Das soll der Muskelentspannung dienen“, meint Blank. Die Tonne ist bei Lacrosse-Wettkämpfen längst Kult. Sorge bereitet den beiden Organisatorinnen jedoch der Zuspruch des Publikums. „100 Zuschauer pro Spieltag, das wäre schon toll“, sagt Blank. Selbst bei internationalen Wettkämpfen sind es oft die Mannschaften des Turniers, die zugleich das Publikum stellen. „Meist bringen die Spielerinnen aus den anderen Ländern ihre Familien und Freunde mit, sodass die Tribünen etwas voller wirken“, sagt Blank. Sie will aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Lacrosse-Szene Deutschlands im August nach Hannover pilgert.

Drei Spielerinnen aus Hannover gehören dem WM-Kader an, die Chancen der Deutschen auf den Titel sind allerdings gering. „Wir werden wohl auf einem der letzten Plätze landen“, meint Sophie Högl, eine der drei Nationalspielerinnen vom DHC. Aber das belaste keineswegs die Motivation. „Gegen starke Teams zu spielen, macht richtig Spaß, meint Mannschaftskollegin Charlotte Erdsiek. Als Favoriten, da sind sich die jungen Frauen einig, gelten die Teams aus den USA, Australien und Kanada – Länder also, in denen Lacrosse fast so etwas wie ein Volkssport ist. In Deutschland zählt das Spiel mit den „sticks“, wie die ein bis 1,80 Meter langen Schläger mit dem Fangnetz heißen, zu den Randsportarten. Als einziger Verein Hannovers bietet der DHC Lacrosse an, in anderen deutschen Städten sieht es nicht besser aus. „Dabei lernt man das Spiel ziemlich schnell“, sagt Britta Goldenstein, Sprecherin des DHC und selbst begeisterte Lacrosse-Spielerin.

Wenige Wochen reichten aus, um mit dem Stock die ersten Bälle zu werfen und vor allem zu fangen. „Flink muss man sein, immer die Feldübersicht bewahren und sich natürlich auf das Team einstellen“, sagt die 24-Jährige. Auch die Ausrüstung sei keineswegs aufwendig, Schläger verleihe der Verein, allein den Mundschutz müsse man sich selbst besorgen, aber der sei auch unabdingbar. „Der Ball erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde“, sagt Goldenstein. Daher muss der Torwart besser geschützt sein, er erinnert mit seinem vergitterten Helm und den klobigen Handschuhen an einen Eishockeyspieler. „In der Tat sind sich Eishockey und Lacrosse durchaus ähnlich“, sagt Goldenstein.

Für Männer gelten beim Lacrosse andere Regeln. Sie dürfen den Gegner rüde zur Seite drängen, auch Stockschläge gegen den Körper sind erlaubt, dürfen aber nicht zu aggressiv ausfallen – eine Vollkontaktsportart eben. Bei den Frauen ist Lacrosse sehr viel zahmer, Rempeleien werden sofort geahndet, lediglich Hiebe gegen den Schläger der Gegnerin sind erlaubt. „Wir spielen das elegantere Lacrosse“, sagt Nationalspielerin Charlotte Erdsiek.

Die 18-Jährige hat Lacrosse als Austauschschülerin in den Vereinigten Staaten kennengelernt und ihre Begeisterung für den Sport mit nach Deutschland gebracht. Dreimal in der Woche trainiert sie nun mit ihrem Coach, dem Kalifornier Robert Novorolsky, auf der Anlage des DHC gleich neben dem Großen Garten, hinzu kommen noch Kraft- und Ausdauerübungen. „Gleich nach der Schule geht’s zum Training“, sagt sie, für Müdigkeit bleibe keine Zeit. Sophie Högl hat den Schulstress schon hinter sich, sie hat gerade ihre Abiturprüfung bestanden. Nach der WM will sie erst einmal verreisen, später in Köln Sportwissenschaften studieren.

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