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„Wer was verändern will, muss wählen“

Wählen lernen an der Schule „Wer was verändern will, muss wählen“

An der Gerhart-Hauptmann-Realschule lernen Jugendliche, wie wichtig Kommunalpolitik ist. An mehreren Stationen lernen die Acht- bis Zehntklässler, wer wählen darf, wie sich die Region zusammensetzt, welche Bezirke es in Hannover gibt, und wie Stimmzettel ausgezählt werden.

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Sache der Kommune? Bei jedem Begriff, der unter Hoheit der Stadt fällt, sollen die Schüler den Buzzer drücken.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Dieses Mal darf Nouran (13) bei der Kommunalwahl noch nicht wählen. Wenn sie alt genug ist, will sie aber auf alle Fälle ihre Stimme abgeben. „Jeder sollte wählen gehen“, findet die Achtklässlerin der Gerhart-Hauptmann-Realschule. „Denn nur so kann man etwas bewegen. Und man sollte verstehen, über was man entscheidet. Wer was verändern will, muss wählen gehen.“ Sie wolle nicht einfach die Partei ankreuzen, die ihre Mutter ihr rate, sondern sich selbst eine Meinung bilden.

Zusammen mit ihren Klassenkameraden coacht Nouran am Freitagvormittag rund 250 Mitschüler in Sachen Politik. An mehreren Stationen lernen die Acht- bis Zehntklässler, wer wählen und wer sich zur Wahl stellen darf, wie sich die Region zusammensetzt, welche Bezirke es in Hannover gibt, und wie Stimmzettel ausgezählt werden.

Erstmals bietet der Verein „Politik zum Anfassen“ diese Politikstunde XXL an einer Schule an. „Wir wollen mündige Bürger erziehen“, sagt Lehrerin Wiltrud Sanns. Sie freut sich, mit welchem Eifer die Schüler dabei sind, sich heftige Diskussionen liefern oder Holzvarianten der Region und die Stadt mit ihren Stadtteilen um die Wette puzzeln. Politiklehrer Sven Schulz betont, Schüler sollten wissen, warum man wählen soll und was passieren könne, wenn man dies nicht tue. „Schüler lernen besser durch haptische Erfahrungen“, sagt er, also durch Politik zum Anfassen, wie etwa beim Regionspuzzle. Die Teile der Region sollen in einer Minute und 46 Sekunden zusammengestellt werden, für die Stadt bleiben nur 56 Sekunden. Ob sie Kommunen kenne, aus denen die Region gebildet werde, wird eine Schülerin gefragt. „Natürlich“, antwortet das Mädchen. „Hannover zum Beispiel, da sind wir ja gerade.“ Die anderen Schüler am Tisch schmunzeln.

„Wenn Schüler anderen Schülern etwas beibringen können, ist das ein Glücksfall“, sagt Lehrer Schulz. Dies bleibe den Jugendlichen mehr im Gedächtnis, vor allem wenn sie noch ein bisschen Zeit hätten bis zu ihrer ersten Wahl. „Mit den richtigen Methoden kann man Schüler zu fast allem motivieren.“

Von Politikverdrossenheit oder gar Desinteresse, die man jungen Menschen gelegentlich zuschreibt, ist in der Aula der Gerhart-Hauptmann-Schule nichts zu spüren. Ob die Hallenbadpreise, das Angebot im Freizeitheim, die Löcher in der Fahrradstraße oder die Ausleihgebühr in der Stadtbibilothek - die Jugendlichen merken schnell, dass Kommunalpolitiker ganz schön viel in ihrem Alltagsleben mitbestimmen.

Aber die Zuordnung der Verantwortungsebenen erscheint auch nicht immer logisch: Warum ist für Lehrer und Polizisten das Land zuständig, für die Soldaten aber der Bund? Warum kümmert sich die Kommune um den Abfall und die Stadtwerke, der Bund aber um andere Fragen der Energie? „Ich hätte gedacht, Energiewende macht die Kommune“, sagt Mert (15). Auch er ist noch zu jung um zu wählen, aber wenn er 16 ist, will er auf jeden Fall sein Kreuz machen. Für Hassan (14) war diese Politikstunde einfach nur „interessant“. Er fügt hinzu: Es ist gut, wenn man Bescheid weiß.

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