So etwas wie den offiziellen Start eines Wahlkampfs gibt es ja nicht, auch wenn Parteien dies manchmal gerne erklären, um Anlass zur Berichterstattung zu geben. Was man aber sagen kann: Die 41-jährige Diplom-Sozialpädagogin Kerstin Tack besucht seit Wochen Kleingärtner in ihren Klubs, die SPD organisiert ihr Diskussionsabende, auf 50 Wochenmärkten zog sie ihre Runden, Plakate („Hannover im Herzen. Deutschland im Blick.“) warten darauf, aufgehängt zu werden.
Tack muss einigen Rückstand auf der nach oben geschlossenen Bekanntheitsskala aufholen, denn in Hannovers Norden ist CDU-Kontrahentin Rita Pawelski eine seit Jahren existente Größe. Genossin Tack steht zusätzlich unter dem Druck, einen Wahlkreis verteidigen zu müssen, den Vorgänger Gerd Andres regelmäßig gewonnen hat. Und da ist es besser, wenn die Leute wissen, wer diejenige ist, deren Bild demnächst hundertfach an Straßenrändern sichtbar ist.
Der Bundestagswahlkampf ist in diesem Jahr in Hannover mehr denn je Frauensache. Am Freitag legte Stadtwahlleiter Hubert Harfst die Namen aller Bewerber vor, die sich bis zum Wahltag am 27. September um Erststimmen bewerben, und es stellte sich heraus: Neun aller 15 Kandidaten der Parteien sind Frauen, SPD und CDU nominierten ausschließlich Politikerinnen. Im Norden also konkurrieren Tack und die Bundestagsabgeordnete Pawelski um einen Sitz in Berlin, im Süden der Stadt kreuzen sich die Wege der früheren Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und von Ursula von der Leyen (CDU), amtierende Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – ein Ressort, das Altkanzler Gerhard Schröder womöglich als Ministerium für Gedöns abqualifiziert hätte. Ein Wettbewerb aber auch, den beide Frauen entspannt angehen können, Spitzenpositionen auf Landeslisten sichern das Mandat unabhängig von der Auszählung. Dennoch: Eine Frage der Ehre bleibt das Ergebnis doch. Für Wahlforscher dürfte das Ergebnis gleichfalls interessant sein, stellt sich doch die Frage, ob mediale Präsenz einer amtierenden Ministerin ausreicht, um traditionell sozialdemokratisches Terrain zu erobern.
Noch nie ist es bisher Bewerbern kleiner Parteien gelungen, in einem Wahlkreis die meisten Stimmen zu gewinnen. Das dürfte sich kaum ändern, auch wenn die Grünen zwei Kandidatinnen aufstellen und FDP und Linke jeweils eine Frau.
In der Stadt und den zwei Regionswahlkreisen haben SPD, CDU, FDP, Grüne, Linke und NPD in jedem Wahlkreis Bewerber aufgestellt. In Hannover-Land I will sich Neuling Sebastian Lechner (CDU) gegen die Berliner Abgeordnete Caren Marks (SPD) durchsetzen, im zweiten Wahlgebiet konkurrieren die Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch (SPD) und Maria Flachsbarth (CDU) um Erststimmen. In der Region schafften es zudem „Die Violetten für spirituelle Politik“, Rentnerpartei und Einzelbewerber Jörg Böttcher, mindestens 200 Unterschriften für eine Kandidatur zu sammeln. In Hannover gelang dies der MLPD und einem parteilosen Interessenten. Die Freie Union, deren Bundesvorsitzende Gabriele Pauli gerade in diverse Personalquerelen verstrickt ist, hatte es gar nicht mit Direktkandidaten versucht.
HAZ.de Anmeldung
Kommentare
MLPD nur so nebenbei erwähnt Sebastian – 29.07.09
Über die MLPD hätte ich hier gerne mal etwas mehr erfahren, als nur dass sie die Unterschriften ausreichend sammeln konnten. Sie machen derzeit auch Öffentlichkeitsarbeit, die wie ich finde, in den Medien nie richtig gewürdigt wird.Meine Partei Boris – 25.07.09
wurde im Beitrag gar nicht erwähnt. Und dabei ist es besonders wichtig genau diese Partei zu wählen damit unsere dezeitige Regierung nicht noch mehr Zensur installieren kann.(Link gelöscht von HAZ.de)