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Die Aura der Lichtgöttin ist wieder spürbar

Wandskulptur im HCC freigelegt Die Aura der Lichtgöttin ist wieder spürbar

Baustelle statt Ball: Für rund 7 Millionen Euro wird derzeit der Kuppelsaal saniert. Am Freitag wurde die vier Meter hohe Lichtgöttin, ein Wandrelief des Malers Wilhelm Köppen von 1914, wieder freigelegt. Das Erstaunliche: Ihre Aura ist dennoch auch heute deutlich spürbar.

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Kuppelsaal-Renovierung, Freilegung der "Lichtgöttin Foto: Rainer Droese

Hannover. Der Blick auf Wilhelm Köppens Lichtgöttin ist an diesem Tag von Gerüsten verdeckt. Der Lärm von Baumaschinen dringt nach oben. Staub liegt auf dem Boden, auf den Brettern der Gerüstgänge, hängt überall in der Luft. Der Kuppelsaal, der größte Konzertsaal Deutschlands, hat sich in eine riesige Baustelle verwandelt.

Aber dennoch: Es gibt ihn endlich wieder, diesen Blick auf die rund hundert Jahre alte Wandskulptur des Monumentalmalers Köppen. 1914 beim Bau der Stadthalle unter Architekt Paul Bonatz spielte sie für die optische Konzeption eine zentrale Rolle. Als Ernst Zinsser den Kuppelsaal 1962 erneuerte, ließ er sie jedoch komplett hinter einer Holzvertäfelung verschwinden. Zu wuchtig, zu prunkvoll sei sie für Zinssers eher nüchternen Stil gewesen, sagte HCC-Chef Joachim König. Am Freitag wurde das Relief des Malers, der nicht nur mit seiner Kunst, sondern auch mit seinen Süchten für Aufsehen sorgte, nach mehr als 50 Jahren freigelegt.

1914 erschaffen und vor 53 Jahren hinter einer Wandverkleidung versteckt: Die "Lichtgöttin" im HCC.

Quelle: Droese

„Wenn in der Morgenfrühe der Freskoauftrag im nassen Kalkmörtel vorbereitet war, damit man um zehn malen konnte, war Köppen nicht da“, heißt es beispielsweise in einer Dissertation von Anja Hoffmann über des Malers Arbeitshaltung. „Man fand ihn schwer alkoholisiert von nächtlichem Gelage in einer griechischen Bar - und der Putz musste wieder abgeschlagen werden.“ Paul Bonatz habe Köppen sogar die Schuhe beim Zubettgehen weggenommen, damit er nicht in die Kneipe entfliehen konnte, schreibt Hoffmann. Köppen entwischte trotzdem, „ließ sich von Kellnern neue Schuhe geben und ging auf Abwege“.

Dennoch gelang ihm wirkungsmächtige Kunst. Das konnte man gestern deutlich merken, obwohl das Äußere der Lichtgöttin über die Jahrzehnte hinweg gelitten hat. Von der goldenen Farbgebung ist nichts mehr zu sehen. Die Nase der Göttin ist abgebrochen, die Brüste ebenfalls. Sie hätten vermutlich für die eng an die Wand gelegte Holzvertäfelung zu weit nach vorn geragt und seien deshalb abgeschlagen worden, sagte König gestern. Dazu geht seit 1962 ein metergroßer Riss quer durch den Göttinnenkörper. Backsteine ragen anstelle der Beine aus der Mauer - und Fensterschlitze, durch die hindurch man früher mit Projektoren aus dem dahinter liegenden Vorführungsraum heraus Filme auf eine Leinwand auf der Bühne projizieren konnte. Erst die Füße und die Weltkugel, auf der die Lichtgöttin steht, sind wieder von ihr zu sehen.

Bei der Renovierung des Kuppelsaals im HCC ist die mehr als 50 Jahre verborgene "Lichtgöttin" wieder freigelegt worden.

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Das Erstaunliche ist: Ihre Aura ist dennoch auch heute deutlich spürbar. Das mag an ihrer Größe liegen. Mehr als vier Meter ragt die Lichtgöttin hoch. Es mag an dem schmerzvollen Blick liegen, den weit ausgebreiteten Armen. Egal: Die alte Dame, die jetzt in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz behutsam rekonstruiert werden wird, ist eindrucksvoll anzuschauen. Wunderschön.

„Wir sind im Plan“

„Wir sind, salopp gesagt, jetzt noch in der Phase: alles raus. Und in wenigen Wochen heißt es: alles Neue rein.“ Es klingt ganz leicht, wenn HCC-Chef Joachim König die 7 Millionen teure Sanierung des Kuppelsaals in zwei Sätze fasst. Aber das ist es nicht: Es ist, wie er in der Vergangenheit betonte, ein höchst ambitioniertes Unternehmen, einen so traditionsreichen Konzertsaal in einem halben Jahr zu sanieren. Es gibt genug Beispiele dafür, dass man es damit schwer haben kann: die Berliner Staatsoper oder das Münchener Gärtnerplatztheater. Die Wiedereröffnung der Kölner Oper wurde gerade um ein Jahr verschoben. Man war nicht fertig geworden.

König ist trotzdem sicher, dass er es schafft. Er muss. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen“, sagt er knapp. Am 30. Januar hat er einen „großen Kunden“, der seinen Jahresauftakt im Kuppelsaal feiert. Am 7. Februar ist das offizielle Eröffnungskonzert, am 11. Februar kommt das London Symphony Orchestra. Verschieben kann man da nichts.

Aber bislang sind die Bauarbeiten im Plan. Termingerecht hat die Arge Symbiose, (das sind die hannoverschen Architektenbüros Ertelt/Laes und Woelk/Wilkens), seit Mitte Juli den Akustikplafond entfernt. Man hat die Holzverkleidungen herausgerissen, die Marmorwand im ersten Rang abgetragen, die Bestuhlung entfernt, die alten Kabel aus den Wänden geholt. Selbst draußen auf dem Vorplatz schreiten Bauarbeiten voran. Überraschungen gab es, als man alte Bierflaschen und Programme aus den Sechzigern in den Wänden fand. Erste Nachtschichten wurden eingelegt, als sich durch das Abtragen des Feinputzes zu viel Staub entwickelte. Manches kann man nicht umsetzen: das „Lichtauge“, eine Öffnung, mit der man durch die Zwischendecke in die Kuppel sehen kann, lässt sich nicht umsetzen. Aber man ist gerüstet für „alles Neue kommt rein“. Die Installierung der neuen Akustik und die neue hellere optische Anmutung werden die nächsten Monate bestimmen.

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