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Wanka hält am Anbau für das Sprengel Museum fest

Interview Wanka hält am Anbau für das Sprengel Museum fest

„Eine großartige Chance für Hannover“: Die niedersächsische Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) erklärt im HAZ-Interview, warum sie am Anbau für das Sprengel Museum festhält.

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„Der Bau ist nur zu schaffen, wenn alle mit anpacken“, sagt Johanna Wanka im HAZ-Gespräch.

Quelle: Martin Steiner

Frau Wanka, morgen sprechen Sie noch einmal mit Oberbürgermeister Stephan Weil über die Erweiterung des Sprengel Museums. Wie gehen Sie mit dem Kostenanstieg von 3,5 Millionen Euro um?
Zunächst möchte ich betonen, dass das Land Niedersachsen die Erweiterung des Sprengel Museums unbedingt realisieren will. Das Museum besitzt schon jetzt eine europaweite Ausstrahlungskraft, diese Position müssen wir festigen, ja ausbauen. Wir sehen darin eine großartige Chance für Hannover und ganz Niedersachsen. Daher ist das Land angesichts der aktuell schwierigen Situation bereit, zusätzlich mehr als eine Million Euro in den Erweiterungsbau zu investieren. Eigentlich kommt ohnehin mehr Geld als die vertraglich festgelegten fünf Millionen Euro vom Land.

Zehn Millionen Euro sollen aus einem EU-Fonds fließen, fünf Millionen Euro kommen aus Hannover, weitere fünf Millionen Euro geben private Spender. Wo sollen sich in dieser Rechnung weitere Landesmittel verstecken?
Das EU-Geld könnte das Land auch anders verteilen, etwa für den Ausbau eines anderen Museums in Niedersachsen ausgeben. Wir haben uns aber aus gutem Grund für das Sprengel Museums entschieden, das die zehn Millionen Euro bekommen soll. Im Grunde geben wir also insgesamt 15 Millionen Euro für den neuen Museumstrakt. Dabei ist der Betrag von mindestens einer Million Euro noch nicht eingerechnet, den wir jetzt zuschießen werden.

Unterm Strich: Wie teuer wird der Anbau nun wirklich?
Nach den uns aktuell von der Stadt vorliegenden Informationen rechnen wir mit 28,5 Millionen Euro. Darin ist jetzt auch eine Steigerung der Baukosten um zehn Prozent, der sogenannte Baukostenindex, enthalten. Ursprünglich wurde ein Kostenrahmen von 25 Millionen Euro festgelegt. Wir benötigen jetzt aber einen verbindlichen Kostenrahmen. Das sind Steuergelder, für die wir Verantwortung haben.

Ist in der Summe bereits die kostspielige Passivhausbauweise eingerechnet, die die Stadt durchsetzen will?
Nein, dieser Betrag käme noch hinzu. Das Land darf sich aber an diesen Kosten nicht beteiligen, da es unwirtschaftlich wäre. Der Passivhausstandard amortisiert sich erst nach mehr als 40 Jahren. Zudem ist unklar, wie sich das Dämm- und Lüftungssystem auf die Kunstwerke auswirkt. Ich jedenfalls kenne kein Museum in dieser Bauweise. Selbstverständlich muss der Neubau aber einen hohen energetischen Standard aufweisen, was auch berücksichtigt wurde.

Der Stadt werden handwerkliche Fehler bei der Planung vorgeworfen. Wo sehen Sie die Probleme?
Die Verantwortung für ein so bedeutendes Projekt liegt letztlich in den Händen von Oberbürgermeister Stephan Weil. Ihn habe ich daher auch direkt angeschrieben und für einige Schwierigkeiten sensibilisiert, etwa den engen Zeitplan für das Projekt. Gerade beim Antragsverfahren für die EU-Zuschüsse sind die Fristen genau zu beachten.

Die Stadt hat sich aber eine Verlängerung für den Antrag um mehr als sechs Monate erbeten, weil noch nicht alle Unterlagen beisammen sind.
Der gesamte Zeitplan ist in der Tat sehr ehrgeizig und lässt wenig Spielraum für Unvorhergesehenes, etwa einen harten, langen Winter. Die Stadt plant den Baubeginn jetzt für November 2012.

Wollen Sie der Stadt Nachhilfe geben?
Das liegt mir fern, aber wir wollen, dass die Erweiterung gelingt. Das ist aber nur zu schaffen, wenn auch alle mit anpacken.

Heute entscheidet eine Fachjury, wie der Anbau aussehen soll. Dabei geht es um die Frage: Glasfassade oder eine Wand aus Sichtbeton. Was bevorzugen Sie?
Die Entscheidung, welcher Entwurf nun umgesetzt wird, liegt bei der Fachjury. Diese hatte sich auch für den Siegerentwurf ausgesprochen. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass der Bau einen gewissen Anspruch erfüllen sollte. Die Idee einer verspiegelten Glasfassade, wie sie der ursprüngliche Entwurf der Architekten Meili + Peter vorsah, hat nicht nur mir gefallen. Eine solche Außengestaltung harmoniert sehr gut mit der Maschseelandschaft. Grundsätzlich gilt: Der bestehende Bau des Sprengel Museums ist ein Kind seiner Zeit, und das ist auch gut so. Mit dem Anbau sollte man aber einen anderen Akzent setzen und zeigen, dass man in der Formensprache des 21. Jahrhunderts angekommen ist.

Der städtische Baudezernent Uwe Bodemann hat schon früh mit einer Fassade aus Beton geliebäugelt, auch aus städtebaulichen Gründen. Können Sie das nachvollziehen?
Wir waren sehr überrascht, dass die Stadt Hannover vom ursprünglich vereinbarten Entwurf abgewichen ist. Die Fachjury wird heute über zwei Varianten beraten, die Glas- und die Betonfassade. Wichtig ist, dass am Ende ein attraktives Bauwerk entsteht, das auch die privaten Sponsoren begeistert.

Die Stadt verspricht sich von einer Betonfassade Einsparungen in Höhe von 300.000 Euro. Ein überzeugendes Argument?
Diese Summe ist ein geschätzter Wert. Ob eine Glasfassade wirklich teurer ist, auch im Hinblick auf die Reinigungskosten, ist keinesfalls bewiesen. Darum sollte man sich vornehmlich von ästhetischen Kriterien leiten lassen.

Falls sich die Jury für die Betonvariante entscheidet, ziehen Sie dann den Zuschuss von mindestens einer Million Euro zurück?
Wir wollen den Anbau. Das gesamte Projekt steht unter Erfolgsdruck, und ich setze darauf, dass die Jury heute eine weise Entscheidung trifft.

Interview: Andreas Schinkel

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Die Erweiterung des renommierten Sprengel Museums in Hannover kann voraussichtlich trotz einer Finanzierungslücke von 3,5 Millionen Euro verwirklicht werden. Das Land Niedersachsen will seinen Anteil an den Baukosten um mindestens eine Million Euro aufstocken, wie Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) am Montag in einem Interview der HAZ sagte.

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