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Warum Fahrverbote Hannover nicht helfen werden

Debatte um dreckige Luft Warum Fahrverbote Hannover nicht helfen werden

Hannovers Luft ist zu dreckig - im Wahlkampf wird nun also über Fahrverbote und Radwege diskutiert werden. Aber kann die Stadt wirklich die Welt verändern? Es ist Zeit für mehr Realismus, meint Felix Harbart.

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Umstritten: Umweltzone in Hannover.

Quelle: dpa

Hannover. Wie schön. Da ist nun doch, plötzlich und unerwartet, ein Wahlkampfthema vom Himmel gefallen. Hannovers Luft ist zu dreckig, und die Umweltzone allein reicht nicht aus, um das zu ändern. Da ist es gut, dass es für jede Ideologie den passenden Lösungsansatz gibt. Die Grünen zum Beispiel finden, dass dem Problem vor allem über die Ausweitung des Radverkehrs beizukommen ist. Autofahrern dagegen will mancher sogar flächendeckend Tempo 20 zumuten. Auf der anderen Seite des umweltpolitischen Spektrums sind CDU und FDP der Ansicht, dass allen geholfen wäre, wenn man den Autofahrern hilft - indem man nämlich dafür sorgt, dass der Autoverkehr stets ungehindert in grünen Wellen durch die Stadt fließen kann. Natürlich schneller als in Fahrradgeschwindigkeit.

Wer sich die Debatten und Prognosen vor und nach Einführung der aktuellen Umweltzonenregelung in Erinnerung ruft, den beschleicht die Befürchtung, dass all das ein Stochern im (Abgas-)Nebel ist. Das geht schon damit los, dass Zukunftsprognosen immer fehlerlastig sind. Zum Beispiel konnte vor zehn Jahren, als die Idee für eine Umweltzone in Hannover entstand, noch niemand ahnen, welchen Einfluss der Internethandel auf den Lieferverkehr in der Stadt haben würde. Oder welche Entwicklung Dieselmotoren nehmen würden - zum Beispiel die, auf dem Papier sauberer zu sein als in der Realität.

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Immer noch zu viel Stickoxid - die Umweltzone reicht nicht. Was jetzt?

Dazu weiß man heute, was man damals bestenfalls befürchten konnte: Die Umweltzone ist ein bürokratisches Monstrum, dessen Nutzen für den Umweltschutz von Experten unterschiedlich bewertet wird. Derzeit hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass sie zwar das Feinstaubaufkommen, nicht aber den Stickoxidausstoß reduziert. Das hörte sich bei ihrer Einführung anders an.

Letzten Endes laufen alle Maßnahmen, die im Gespräch sind, auf eines hinaus: das Verhalten der Menschen zu beeinflussen. Der nachhaltigste Effekt der Umweltzone war bisher der, dass sie für viele Autofahrer Anlass war, die alte Dreckschleuder durch ein neues, moderneres Auto zu ersetzen - oder die Wege in die Innenstadt nun mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurückzulegen. Was bisher nicht gelungen ist: mehr Elektroautos auf die Straßen zu bekommen. Das hat vor allem damit zu tun, dass die bisher angebotenen Modelle im Hinblick auf Kosten und Nutzen noch viel zu unattraktiv sind und auch deshalb die notwendige Infrastruktur in den Städten deutlich unterentwickelt ist.

Bringt der Abgas-Skandal die Wende?

Hier könnten die vergangenen Monate eine Wende herbeigeführt haben, die für die Luftqualität deutscher Innenstädte eine weit größere Bedeutung bekommen könnte als Fahrverbote, Radschnellwege und verbilligte Stadtbahntickets: Der Diesel-Skandal führt dazu, dass Volkswagen, aber auch andere Hersteller deutlich mehr Ehrgeiz in die Entwicklung von Elektroautos legen. Statt die in Deutschland so beliebten Diesel auch in den USA groß auszurollen, müssen die Konzerne umdenken und beispielsweise die aktuellen Probleme rund um die notwendigen Batterien in den Griff bekommen. Wenn das dazu führt, dass in naher Zukunft konkurrenzfähige Elektroautos in den Schauhäusern deutscher und anderer Hersteller stehen, wird damit auch der Luftqualität in Hannovers Innenstadt geholfen sein. Vielleicht in zehn Jahren. Weiß man’s?

Bis dahin aber lässt sich selbstverständlich wunderbar entlang bekannter Kampflinien über die Zukunft der hannoverschen Innenstadtluft diskutieren. Dass die Grünen dabei auf Fahrrad, Bus und Bahn setzen, ist klar; ebenso, dass CDU und FDP die Herzen der Autofahrer zu gewinnen versuchen. Spannend wird sein, wie sich die SPD verhält. Für die hatte Stadtparteichef Alptekin Kirci unlängst klipp und klar erklärt, eine Anti-Auto-Politik werde es mit seiner Partei nicht geben. Das muss er nur noch mit dem grünen Koalitionspartner klären - ohne, dass es dicke Luft gibt.

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