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Warum Krökeln wie Schach ist

Tischfußball Warum Krökeln wie Schach ist

Welche Geräuschkulisse passt zum Krökeln? Genau: Klack, Klack, Brrrr, Brrrr, Mist! Pass auf! Toooor! Gesamtlautstärke: durchgehend relativ laut.

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Top am Tisch: Ruben Heinrich (l.) und Ingo Aufderheide beim Training in der Krökelbar. 

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Wenn Ruben Heinrich und Ingo Aufderheide am Tisch stehen, ist das anders. Ruhiger. Es gibt viele Momente, da passiert für den Laien einfach nichts. Für den Kenner dagegen passiert gerade in solchen Momenten eine ganze Menge: Taktik, Technik, Psychospielchen. Das Warten auf den richtigen Moment.

Schach, sagt Aufderheide, sei diesem Spiel näher als Fußball. „Da spielen elf gegen elf mit einem Ball, aber das war‘s dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.“ Und Heinrich ergänzt: „Es ist analytischer. Man findet viele Physiker, Informatiker und Mathematiker in der Tischfußballszene, die mit normalem Fußball gar nichts am Hut haben.“

Hannoversche Weltmeister

Heinrich und Aufderheide, beide Lehrer, haben beim Analysieren schon viele richtige Schlüsse gezogen. Gerade haben sie sich in Salzburg im Doppel für die Weltmeisterschaften im Frühjahr in Hamburg qualifiziert. Viel höher geht‘s nicht beim Krökeln, Kickern oder Tischfußball, wie das Spiel genannt wird. Die beiden treten in Hamburg für Deutschland an, in der Bundesliga spielen sie für Hannover 96 - und werden dabei von so manchem Konkurrenten um die Trainingsbedingungen beneidet. Denn in der Krökelbar in der Helmkestraße spielen an vielen guten Tischen viele gute Spieler. Früher hieß das mal Bundesleistungszentrum und hatte eine Vorreiterrolle in Deutschland, aber dieser Begriff, sagen die beiden WM-Fahrer, habe Neulinge eher abgeschreckt, weil es ein bisschen zu profimäßig geklungen habe.

Konkurrenz aus den USA und Mitteleuropa

Optimale Bedingungen also, um sich mit der Konkurrenz zu messen, die vornehmlich aus den USA und Mitteleuropa kommt - Polen, Frankreich, Dänemark, Österreich und eben Deutschland stellen regelmäßig die Topspieler an die Platte. Erfreulich: Hierzulande floriert das Spiel. „Die Teilnehmerzahlen steigen ständig. So was wie hier in klein gibt es mittlerweile in vielen Städten“, sagt der 40-jährige Aufderheide, der fürs Training aus Wolfenbüttel anreist.

Vom Tischfußball leben

Richtiges Geld ist noch nicht zu verdienen. Das Fernsehen hat trotz eigentlich guter optischer Voraussetzungen noch nicht richtig angebissen, so wie beispielsweise beim Dart. „Die Preisgelder bei Turnieren generieren sich meist über die Startgelder“, sagt Ruben Heinrich, „und die Veranstalter wollen auch ihren Teil abhaben.“ Trotzdem gibt es auch in Deutschland schon einige Spieler, die vom Tischfußball leben - nicht nur wegen der Turniere, sondern vor allem als Attraktion auf Messen beispielsweise. Auch Heinrich wird gelegentlich als Showact gebucht. Die WM in Hamburg könnte noch einmal eine Chance sein, den Sport bekannter zu machen und breiter aufzustellen. Das könnte für die beiden Topspieler aus Hannover auch noch mal attraktiv werden.

Schlafmangel, pausenlose Konzentration und Stress

Obwohl das Kickern auf ihrem Niveau sehr viel Zeit frisst. Aufderheide hat zugunsten der Familie schon viele kleinere Turniere gestrichen, Heinrich hat eine verständnisvolle Freundin, und da er tatsächlich einer ist, der auch „richtigen“ Fußball spielt, wenn auch in einer unteren Liga, muss auch dafür noch Zeit sein. „Aber die wissen, dass Tischfußball für mich Priorität hat und dass ich nicht bei jedem Spiel dabei sein kann“, sagt der 35-Jährige. Ein bisschen hat er an der Platte auch zurückgeschaltet. „Es gab eine Zeit, da wollte ich es echt wissen“, sagt er. Drei von vier Wochenenden sei er unterwegs gewesen, Entspannung sei das nicht: „So ein Turnier bedeutet Schlafmangel, pausenlose Konzentration und Stress. Selbst in den Erholungsphasen baust du Spannung fürs nächste Spiel auf.“ Eher sei es wichtig, entspannt in ein Turnier zu gehen, sagt Aufderheide: „Wenn du aus einer stressigen Arbeitswoche kommst, dann kann das echt übel werden.“ Er habe als Referendar mal auf einem Turnier mitten im Matchball plötzlich an seine Prüfung gedacht. „Den habe ich dann verschossen.“ Das, was in der Kneipe mit Bier auf dem Tischrand und Kippe im Mundwinkel ein Stündchen Spaß ist, wird bei Könnern nach vielen Stunden zum Mental-Wettkampf. Technisch seien alle top. „Es kommt nur darauf an, wer als Erstes die Konzentration verliert.“

Wer in der Krökelbar im Helmkehof vorbeischauen will: montags bis freitags 18 bis 22 Uhr. Infos: www.kroekelbar.de

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