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Aus der Stadt Warum der Zauber von Fury ungebrochen ist
Hannover Aus der Stadt Warum der Zauber von Fury ungebrochen ist
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13:22 18.12.2017
Von Volker Wiedersheim
Erinnerung an die frühen Neunziger: Das kleine Bild zeigt Hannes Schäfer (unten links), Rainer Schumann (oben links), Christof Stein-Schneider (Mitte), Thorsten Wingenfelder (rechts oben) und Kai Wingenfelder (rechts unten). Quelle: HAZ-Montage/Archiv
Hannover

Fury in the Slaughterhouse - bemerkenswerter Name. Und anfangs eine schlimme Herausforderung für Radiomoderatoren, die irgendwann begannen, die Musik der sechs Hannoveraner zu spielen. Stimmt die Legende, dann ist der Name ein Zufallstreffer. Es standen, so hat Gitarrist Thorsten Wingenfelder mal in einem Interview erzählt, auch Boomer beißt Franz Josef Strauß und Bibo und der Schlotterklaus zur Auswahl. Na ja, andere Bands, die sich auch 1986 gegründet haben, nannten sich Europe und besangen den „Final Countdown“. Aber so einfach wollten es sich die Jungs, allesamt irgendwie verwurzelt in der Nordstädter und Lindener Dagegen-Szene, sich und der Welt nicht machen. Fury und Slaughterhouse, das klang irgendwie nie nach Stadionshow, sondern nach Club, verschwitzt, verwegen, verliebt und nach Rock ’n’ Rabatz.

Vielleicht ist es deshalb kein Wunder, dass zu den vielen Bühnen, die die Furys in Hannover hatten, irgendwie auch diese gehörte: ein Baum auf der Flutwiese gegenüber vom Ihme-Zentrum. Er sollte abgeholzt werden - was Fury-Rotschopf Christof Stein-Schneider zu verhindern suchte, indem er darauf kletterte. Die Polizei kam und holte ihn (und andere) herunter. Starker Auftritt für einen aus der Popband, der der „Spiegel“ zum Durchbruch verächtlich „Konsensrock“ ins Zeugnis schrieb.

Fury in the Slaughterhouse – Bilder vom Konzert in Hannover am Freitag.

1987 das erste Konzert, im Jugendtreff Godshorn, im Vorprogramm von irgendwem. Inzwischen sind es mehr als 1000, und es werden immer noch mehr - wie an diesem Wochenende, obwohl es die Band ja irgendwie gar nicht mehr so richtig gibt. 1987 das erste Album, inzwischen sind es mit Live-CDs und Best-of-Sammlungen mehr als 20. Wie wundervoll, wenn es einer Band gelingt, gleich ganz am Anfang Lieder wie „Time to Wonder“ und „Won’t Forget these Days“ zu schreiben. Die singen sie immer noch. Und das Publikum singt mit. Unwiderstehlich. Unkaputtbar. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass „Won’t Forget These Days“ die inoffizielle Hymne der City of Music Hannover ist. Sorry, Scorpions, die Stadt hat euch auch noch lieb, aber euer „Wind of Change“ kommt nicht mehr dagegen an. Das Publikum stimmt mit den Füßen und am Ticketschalter ab. Die Furys setzen mit mehr als 35.000 Karten an drei Tagen in Serie eine einsame Rekordmarke für Hannover-Bands in Hannover, an die Klaus Meine, Rudolf Schenker, Matthias Jabs & Co. bei Weitem nicht heranreichen.

War das absehbar, planbar? Eher nicht. Die Furys haben erheblich deutlichere Abnutzungserscheinungen gezeigt als etwa die Scorpions. Bei den Furys wurde an der Bandbesetzung wenig herumgedoktert. Nur Gründungskey­boarder Kai Liekenbröcker wurde schon bald von Gero Drnek ersetzt und in den Neunzigerjahren dann noch mal Bassist Hannes Schäfer von Christian Decker (der hat sogar Musik studiert!) abgelöst.

Die ersten beiden Shows von Fury in the Slaughterhouse sind ausverkauft, die dritte ist bereits angekündigt. Was sind die Höhepunkte der Band? Ein Rückblick.

Man kann wohl sagen, dass die Musik mit den Jahren besser, elaborierter wurde, dabei aber das Zwingende verlor. So wie die Band ihren Zusammenhalt. Man ging sich häufiger auf die Nerven als auf Tournee. Es gab „sogar Schlägereien“ in der Band, wie Thorsten Wingenfelder sagt. 2008 war Schluss. Die Musiker widmeten sich eigenen Projekten. Thorsten Wingenfelder mit seinem Bruder Kai, dem Fury-Sänger mit dem unverwechselbar schnellen Tremolo in der Stimme. Trommler Rainer Schumann brachte mit anderen das Demenz-Musik-Projekt Klang & Leben auf die Beine. Später spielte er mit Drnek und Decker als Mietband des Freundes und Sängers Kürsche. Stein-Schneider ist ein Teil des Duos Wohnraumhelden.

Alles nett. Aber nicht Fury. Wer genau hingeguckt hat bei den Musikern in den vergangenen Tagen, konnte kaum übersehen, dass ihnen das sehr bewusst ist.

Robbie Williams kommt, Helene Fischer kommt, Bryan Adams kommt, Zucchero, Westernhagen, Coldplay, Depeche Mode, Guns n’ Roses, System of a Down – alle treten in Hannover auf, dazu kommen die Plaza-Festivals, bei denen 25.000 Besucher pro Tag feiern werden.

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