Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Warum ließen die Behörden Saleh S. laufen?

Messerstecherei Warum ließen die Behörden Saleh S. laufen?

Die Liste der Ungereimtheiten im Fall Saleh S., dem Bruder der mutmaßlichen IS-Terroristin Safia S., ist offenbar länger, als bislang angenommen. So soll der 18-Jährige nicht nur zwei Brandsätze von der Ernst-August-Galerie geworfen, sondern auch einen Streitschlichter niedergestochen haben. 

Voriger Artikel
Bundesanstalt beauftragt Rechtsradikalen
Nächster Artikel
Machtkampf im Indianerland

Am Ihmeufer soll Saleh S. einen Streitschlichter niedergestochen haben.

Quelle: Kleinschmidt/privat/M

Hannover. Bisher bekannt ist, dass der 18-jährige versucht hat, sich islamistischen Terroristen anzuschließen. Auch soll er zwei Brandsätze vom Dach der Ernst-August-Galerie in der Innenstadt geworfen haben.

Ein bislang unbekannter Täter hat zwei Molotow-Cocktails vom Dach der Ernst-August-Galerie in der City geworfen. Eine der der Flaschen schlug vor dem Haupteingang des Einkaufszentrums auf.

Zur Bildergalerie

Wie jetzt bekannt wird, hat er jedoch schon zuvor immer wieder mit der Polizei zu tun gehabt - auch wegen erheblicher Gewaltdelikte. So soll er am 18. September 2015 in der Calenberger Neustadt einen jungen Mann mit einem Messer schwer verletzt haben. Das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn wurde allerdings eingestellt, obwohl Zeugen den jungen Mann nach HAZ-Informationen eindeutig als Täter identifiziert hatten. Zu den Gründen der Einstellung konnte sich die Staatsanwaltschaft am Mittwoch nicht äußern.

Auf der Suche nach Drogen

An jenem Abend um kurz vor Mitternacht soll Saleh S. in Begleitung seines älteren Bruders Schouaib sowie zweier junger Frauen in der Calenberger Neustadt unterwegs gewesen sein. Im Bereich des Peter-Fechter-Ufers sprach die Gruppe demnach andere Jugendliche an und fragte diese nach Drogen. Als die Angesprochenen verneinten, zogen die beiden Männer und die beiden Frauen weiter. „Einer von uns hat Saleh eindeutig wiedererkannt, weil er früher mit ihm zu Schule gegangen ist“, sagt ein Augenzeuge.

Fernsehsendung zum Brandanschlag

Der Fall Saleh S. ist am 1. September Teil der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY  ... ungelöst“. Ab 20.15 Uhr bittet Moderator Rudi Cerne die Zuschauer um Hinweise, die zur Lösung eines Falls beitragen können, den der 18-Jährige möglicherweise verübt haben könnte. Am Abend des 5. Februar, die Geschäfte waren noch geöffnet, warf ein bislang Unbekannter zwei Brandsätze, sogenannte Molotow-Cocktails, vom Dach der Ernst-August-Galerie am Hauptbahnhof. Die mit brennenden Benzin-Öl-Gemisch gefüllten Glasbehälter verfehlten zum Glück ihr Ziel. Kunden des Einkaufszentrums oder Passanten wurden nicht verletzt. Der Täter konnte entkommen. Auf dem Dach des Gebäudes entdeckten die Ermittler weitere Brandsätze. Ein Zufallsfund brachte die Kripo auf die Spur des jungen Mannes. Bei der Durchsuchung der Wohnung in Vahrenwald wegen der Ausreise des 18-Jährigen in die Türkei stießen die Ermittler auf Beweisstücke, die möglicherweise darauf hindeuten, dass Saleh S. die Molotow-Cocktails vom Galerie-Dach geworfen hat. Kurz darauf durchsuchte die Polizei die Wohnung erneut und stellte Kleidungsstücke und Schuhe sicher. Die Analyse der Beweismittel beim LKA Niedersachsen läuft noch. tm

Messerangriff auf Streitschlichter

Saleh S. und seine Mitstreiter seien dann kurz darauf mit anderen am Ihme-Ufer in Streit geraten. „Wir sind dann hin, um zu helfen, da habe ich gesehen, dass er ein Messer hat“, sagt der Zeuge. Saleh S. soll dann auf einen der Streitschlichter eingestochen und ihn am Rücken und an beiden Armen verletzt haben. Die Angegriffenen setzten sich mit Pfefferspray zur Wehr und schlugen den Mann mit dem Messer und dessen Komplizen schließlich in die Flucht. Der Streitschlichter trug schwere Verletzungen davon. Gegenüber der Polizei identifizierten die Zeugen später eindeutig Saleh S. als Messerangreifer, erkannten ihn auch eindeutig auf Fotos wieder.

Versuchte Reise nach Syrien

Noch bevor die Ermittlungen gegen Saleh im Februar 2016 offiziell eingestellt wurden, setzte sich der junge Mann Anfang Januar zum ersten Mal in die Türkei ab. Von dort wollte er nach Syrien gelangen, um Kontakt zum IS aufzunehmen, scheiterte aber. Saleh kehrte nach Hannover zurück, um kurz nach dem Brandanschlag an der Ernst-August-Galerie erneut in die Türkei zu reisen. Die türkischen Behörden nahmen ihn fest und steckten ihn ins Gefängnis. Bis heute wissen die deutschen Behörden nicht, was ihn konkret zum Vorwurf gemacht wurde.

Einweisung in Psychatrie

Bei seiner Rückkehr am 26. April empfingen ihn die deutschen Behörden am Flughafen in Langenhagen und nahmen ihm den Reisepass ab. Auch das schüchterte den jungen Mann offenbar nicht weiter ein. Wenige Wochen später fiel Saleh zwei Polizisten am Klagesmarkt auf - bei seiner Durchsuchung fanden zwei Messer. Seine Mutter ließ ihren Sohn daraufhin in eine psychiatrische Klinik einweisen. Dort rastete er zwei Tage später aus und verletzte einen Menschen. Daraufhin beantragte die Staatsanwaltschaft Hannover, den 18-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus unterbringen zu lassen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Radikale Islamisten

Sie sind jung, sie sind radikale Islamisten, sie sind offenbar gewaltbereit – und sie kennen sich gut: Hannover ist die Heimat einer Terrorzelle, die der Polizei große Schwierigkeiten macht. Fest steht: Es gibt derzeit mindestens eine Frau und vier Männer aus Hannover, die im Verdacht stehen, Terroranschläge verübt oder geplant zu haben.

mehr
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Hannover im Sonnenuntergang von oben

Sonnenuntergänge sind an und für sich ja schon schön anzusehen. Ganz besonders sehen sie aber von oben aus, wenn die ganze Stadt in ein gemütliches rötliches Licht getaucht ist. Fotograf Michael Thomas hat Luftaufnahmen vom Sonnenuntergang über Hannover gemacht.