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Aus der Stadt Warum uns Kultur gesund hält
Hannover Aus der Stadt Warum uns Kultur gesund hält
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00:15 21.03.2017
Singen macht glücklich. Und das hat nichts mit der jeweiligen Art der Musik zu tun.  Quelle: Villegas
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Hannover

Sie haucht ins Mikro. Ihre Stimme schwankt immer noch ein bisschen zwischen Lolita und erwachsener Frau. Sie legt ab und zu die Hände auf ihren Babybauch. In ihrer Haltung, in ihrem Ausdruck steckt etwas, das sagt: Es geht mir gut.

Annett Louisan singt. Sie steht gerade wieder auf diversen Bühnen, von Hamburg bis München. Man spürt, dass sie gern dort steht. Sie hat das auch mal gesagt: „Beim Singen vergesse ich alles um mich herum.“ Sie sagt: „Es gibt selten Momente, in denen ich glücklicher bin.“

So ist das: Singen macht glücklich. Und das hat nichts mit der jeweiligen Art der Musik zu tun. Und auch nichts mit Bejubeltwerden oder mit Geld. Sondern mit Genen und Gehirn, mit Körper und Geist und Seele: Musik tut gut. Dem, der sie macht und dem, der sie hört. Kultur generell tut gut. Auf den Punkt gebracht: Kultur ist gesund.

Wenn wir uns wohlfühlen, stärkt das unser Immunsystem. Wenn wir also ins Kino gehen und einen Film anschauen, der uns gefällt, hilft das mutmaßlich sogar gegen die nächste Attacke von Grippe-Viren. Vor allem aber: Der Film regt unsere grauen Zellen an, und wir können überhaupt nichts Besseres für unsere Gesundheit tun, als unser Gehirn auf Trab zu halten. Sagt Kai Kahl, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Als die Menschen vor Tausenden von Jahren in die Welt geworfen wurden, erläutert der Professor, waren sie nicht allzu gut ausgestattet für den Versuch, sich gegen die wilde Natur zu behaupten. Sie waren nicht stark. Sie waren nicht schnell. Und sie sind es bis heute nicht. Aber sie sind klug: Sie können ihr wichtigstes Organ, das Gehirn, einsetzen, um Probleme zu lösen und so das eigene Überleben zu sichern.

Damit das Gehirn aber gut funktioniert, muss es - wie ein Muskel - ständig trainiert werden. „Und dafür ist alles gut und wichtig, was Abwechslung bedeutet“, sagt Kai Kahl. „Monotonie macht krank - siehe Fließbandarbeit. Neue Erfahrungen sind nötig, immer wieder. Wenn das Gehirn lernt, wachsen die Nervenbahnen, und die Synapsen sprießen.“

Deswegen ist Kultur nicht nur gesund, wenn man ein hübsches Gemälde eines Sonnenuntergangs anschaut oder einen Abend lang ein privates Schnulzenfestival veranstaltet. Es kann auch das Sich-Reiben an einem modernen Museumsbau sein. Oder die Aufregung darüber, dass ein Skandalregisseur mal wieder eine Oper zu hart angefasst hat. Es kann nicht bloß diese Aufregung sein - es muss sogar diese Aufregung sein, jedenfalls ab und zu. „Das Gehirn braucht Kontraste“, sagt Kai Kahl. „Es braucht beides, Risiko und Sicherheit.“ Und Kultur ist deswegen so gut geeignet, unser Gehirn und uns in Schwung zu halten, weil sie nicht nur das Körperliche betrifft. Sondern auch den Verstand. Und noch mehr die Empfindungen.

Kultur ist ganzheitlich. Wer ein Musikinstrument spielt, lässt nebenbei neue Verbindungen im Gehirn entstehen, verbessert Motorik und Konzentration - das alles hatte schon der Musikpädagoge Hans Günther Bastian in den Neunzigern in einer Langzeitstudie herausgefunden. Aber es profitieren auch Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen.

Künstler sind glücklicher

Übrigens muss man nicht selbst musizieren oder gar auf der Bühne stehen, um solche positiven Effekte zu erreichen. Der kanadische Neurowissenschaftler Daniel Levitin hat beschrieben, dass beim Hören von Musik dieselben Bereiche des Gehirns stimuliert werden, die auch beim Selbermachen von Musik in Aktion sind. Unter anderem die, die für die Glückshormone zuständig sind. Deswegen geht es Annett Louisan auf der Bühne gut, während es ihren Fans vor der Bühne auch gut geht. Künstler, hat eine Schweizer Studie vor ein paar Jahren ergeben, sind ärmer, aber glücklicher als andere Menschen. Wer sich mit Kultur befasst, bekommt zumindest einen Teil davon ab. Und wer glücklich ist, lebt gesünder. Und länger.

Von Bert Strebe

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