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Aus der Stadt Fußgängerzone? Was Hannover vom Plan B hält
Hannover Aus der Stadt Fußgängerzone? Was Hannover vom Plan B hält
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00:15 12.10.2017
„Für eine Fußgängerzone ist es jetzt zu eng“: Fuat Akkus findet eine Flaniermeile nur bei unterirdischem Bahnverkehr sinnvoll. Quelle: Heidrich
Hannover

Ratspolitiker mehrerer Parteien berichteten der HAZ von diesem möglichen Plan B der Stadt, der bei Geschäftsleuten und Passanten ein unterschiedliches Echo auslöst.

„Es stört doch keinen, dass die Autos da langfahren“, sagt Dagmar Lüers, Mitarbeiterin im Mode Rock Center an der Kurt-Schumacher-Straße. Sie befürchtet, dass das Bekleidungsgeschäft viele Kunden verlieren könnte, die den Laden im Vorbeifahren entdecken. Diese würden bei einer Flaniermeile wegfallen. „Dann ist die Straße doch komplett tot. Es sollte alles so bleiben, wie es ist“, sagt Lüers. Ähnlich sieht das auch Thi Phan Pham, Inhaberin des Supermarkts Asia Mekong. Sie ist außerdem genervt von den vielen Bauarbeiten im Bereich zwischen Steintor und Hauptbahnhof.

Am Plan festhalten?

Auch Hannovers Tourismus-Chef Hans-Christian Nolte ist skeptisch. Er sorge sich nicht nur um den Einzelhandel, sondern auch um Hotels und Gastronomie. „Man sollte erst versuchen, den jetzigen Plan durchzuführen“, sagt er. Der sieht vor, dass die Kurt-Schumacher-Straße als Einbahnstraße nur in Richtung Bahnhof befahrbar ist. „So ist allen geholfen“, sagt Nolte und ergänzt: „Rund um den Bahnhofsvorplatz ist es nun mal eng.“

So reagieren Passanten und Anlieger über den Plan B der Stadt, die Kurt-Schumacher-Straße zur Fußgängerzone zu machen, sollte das Verkehrskonzept nicht aufgehen.

Tolga Kurtulus ist dagegen von der Idee überzeugt, eine weitere Flaniermeile in der Innenstadt einzurichten. Der 42-Jährige ist hauptsächlich mit der Stadtbahn unterwegs – wenn auch nicht ganz freiwillig. „Ich habe im Moment eh keinen Führerschein, von daher würde mich das nicht so jucken“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Aber der Umwelt zuliebe wäre es doch nicht schlecht, wenn die Autos aus der Stadt ferngehalten werden.“

Ärgerlich sei die Fußgängerzone nur für Leute aus dem Umland, mutmaßt er. „Aber die Stadt ist trotzdem immer voll“, sagt Kurtulus. Zwar würden durch die Fußgängerzone Parkplätze wegfallen. Der Plan sieht aber eine Querungsmöglichkeit von der Herschel- zur Andreaestraße vor, sodass das Parkhaus an der Mehlstraße erreichbar bleibt. Auch der Anlieferverkehr soll erlaubt bleiben.

Raum für Laufkundschaft?

Ebenfalls nicht abgeneigt von der Idee ist Youssef Arkiza, Betriebsleiter des Cafés Wonder Waffel an der Ecke Kurt-Schumacher-Straße/Andreaestraße. „Ich habe nichts dagegen“, sagt der 24-Jährige. Das Geschäft lebe ohnehin eher von der Laufkundschaft.

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Fuat Akkus vom City Copy Shop befürwortet eine Fußgängerzone. Eigentlich. Jedoch sollte dann nach seiner Ansicht nicht die umstrittene D-Linie über die Kurt-Schumacher-Straße führen. „Für uns, die Geschäfte, ist es zwar besser, wenn die Bahn oberirdisch fährt“, sagt er, „aber es geht nicht um uns.“ Nur Bahnverkehr sei für Fußgänger gefährlicher als Bahnen und Autos, vermutet er, weil die Passanten unvorsichtiger seien. „Für eine Fußgängerzone ist es jetzt zu spät“, sagt Akkus. Falsch sei auch, sollte die Verwaltung die Entscheidung noch vor Bauende fällen. „Man muss erst mal einen Winter und das Weihnachtsgeschäft abwarten“, sagt er.

In rund sechs Wochen soll die Straße wieder für Autos freigegeben werden, einen genauen Termin kann die Infra jedoch noch nicht nennen. Auch wann die Gleise am Bahnhofsvorplatz entfernt werden, steht noch nicht fest.

Von Johanna Stein

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