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Was der 96-Aufstieg für Hannover bedeuten würde

Spiel am Sonntag Was der 96-Aufstieg für Hannover bedeuten würde

Ein Punkt fehlt noch – dann wären die „Roten“ wieder Erstligist. Doch was würde der Aufstieg von 96 für Hannover bedeuten? Man wäre wieder wer. Und Geld brächte es auch. Ein Rundgang durch die Stadt, die dem Spiel entgegenfiebert.

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Quelle: imago/Hübner (Symbolbild)

Hannover. Ein Punkt fehlt noch am Sonntag in Sandhausen, dann ist Hannover 96 zurück in der Bundesliga. Endlich wieder auf der Landkarte der 1. Liga, endlich wieder gegen die Großen spielen, Schluss mit Mittagsfußball, vorbei das lauwarme Bier als erstes Heißgetränk des Tages. Praktisch: 96 hat die Sportliche Führung schon während der Saison ausgetauscht und kann sich nun voll auf die Kaderplanung konzentrieren. Auch praktisch: 96 braucht keine neue Hymne. Und das Stadtmarketing freut sich, dass die Stadt dank des Fußballs auch wieder öfter in der Apothekenumschau erscheint. Ein kleiner Rundgang durch eine Aufsteigerstadt.

Planungen laufen auf Hochtouren

Gratulieren lassen will Martin Kind sich noch nicht. „Um Gottes willen“, sagt der Clubchef, und mahnt, man müsse in Sandhausen die Sache mit dem Aufstieg „seriös zu Ende führen“. Was nichts daran ändert, dass für die nächste Saison die Planungen auf Hochtouren laufen. Der Gesamtetat wird in der kommenden Saison von 40 auf „80 bis 85 Millionen Euro“ angehoben, sagt Kind. Die TV-Einnahmen, größter Einnahmefaktor, steigen nach einer Neuverteilung auf rund 40 Millionen Euro. Auch profitiert der Verein von einem Konzessionsvertrag, nach dem sich die Stadt nicht nur in Zweitligajahren mit 850.000 Euro an den Betriebskosten der HDI-Arena beteiligt, sondern auch noch ein Jahr nach Wiederaufstieg.

Etwa die Hälfte des Etats sind Personalkosten. Wer im Kader davon etwas bekommt, wird sich erst nach einem verbrieften Aufstieg entscheiden. Die ersten Spielernamen kursieren, der Hoffenheimer Pirmin Schwegler, der Wolfsburger Christian Träsch, der Darmstädter Torhüter Michael Esser. Das ist noch nicht das ganz große Kino, aber direkt nach dem Spiel gegen Stuttgart kam das Karussell in Schwung.

Ob die Kandidaten nächste Saison Teamkollegen von Salif Sané werden, ist unklar. Auch deshalb, weil der Abwehrhüne selbst auf der Liste vieler Vereine steht. Die Ausstiegsklausel in Sanés Vertrag, nach der er für 5 Millionen gehen kann, erlischt mit dem Aufstieg, sein Transfer würde einen zweistelligen Millionenbetrag in die Kasse spülen und wäre damit der lukrativste der Vereinsgeschichte. Allerdings hat Kind einen Verkauf des Senegalesen etwas drastisch als „Selbstmord“ bezeichnet, auch der umworbene Jungstar Waldemar Anton soll in Hannover gehalten werden.

Wie viel es kostet, die Männer in Rot nächste Saison live im Stadion zu sehen, steht noch nicht fest. Sicher ist, dass die Preise wieder auf Erstliganiveau angehoben werden, ob es eine Preiserhöhung im Vergleich zur Bundesliga-Saison 2015/2016 gibt, wird laut Kind derzeit besprochen.

Jetzt gucken alle seriös nach Sandhausen. Und danach ist Party. Martin Kind sagt: „Das ist ein Verdienst der Mannschaft und der Sportlichen Leitung. Die sollen feiern.“ Und er selbst? „Ich muss nicht feiern. Ich arbeite lieber.“

96 als Pflichtlektüre

„Nicht mit Geld zu bemessen“ sei der Aufstieg für das Image der Stadt, sagt Hannovers Marketingchef Hans Nolte. Dabei gehe es nicht um Übernachtungszahlen, die ohnehin gar nicht so ins Gewicht fielen. Die Strahlkraft einer Stadt mit Erstligaclub sei schlicht immens, und das weit über die Landesgrenzen hinaus. Durch die Verbreitung in den großen Sportzeitungen werde „96 Pflichtlektüre in England, Italien und Spanien“. Zudem sei die Bundesliga im Gegensatz zur 2. Liga eine große Personalityshow, die sich auch in ganz anderen Medien, „wie zum Beispiel der Apothekenumschau“, weiter verbreite als Nachrichten aus der zweiten Reihe.

All dies werde zu einem Qualitätsmerkmal für den Standort, weil eine Stadt mit Erstligamannschaft attraktiver sei, zum Beispiel als Wohn- oder Studienort. Denn es schwinge der Gedanke mit, „die 1. Liga muss man sich leisten können. Da muss also was sein“. Dennoch konnte Nolte auch der Unterklassigkeit etwas abgewinnen: „Die Dauerkartenverkäufe, diese treue Gefolgschaft, das zeichnet Hannover aus. Das hat was mit Stadtstolz zu tun.“

Weiter Alte Liebe

Bleiben wird bei alledem die „Alte Liebe“. Die 96-Hymne hat, wie der Fußballer sagen würde, Vertrag für Ober- und Unterhaus. „Die Liga spielt dabei keine Rolle“, sagt Ossy Pfeiffer, der die Kraftballade vor Heimspielen zusammen mit Dete Kuhlmann in der Fankurve singt, „aber das Gefühl gegen Bayern und Dortmund ist schon cool.“ Zurzeit bastele er mit seiner Frau und einem „liebgewordenen 96-Mitarbeiter“ an einem neuen Fußballsong, der wohl kurz vor Saisonbeginn samt Video veröffentlicht werde. Einen neuen Look für die bärtigen Mattenträger gibt es nicht - aus leidiger Erfahrung, wie Pfeiffer sagt: „Ich hatte mir mal den Bart rasiert und sah dann aus wie ein adipöser Hamster.“

Fünfstellige Summe war flöten

Auch Ralph Klemke freut sich auf die 1. Liga. Der Gastronom hat in zweierlei Hinsicht mit 96 zu tun. Er zeigt die Spiele auf Pay-TV in seinem Meiers gegenüber der Nord/LB am Aegi. Und er ist bei Heimspielen in der Einflugschneise der hannoverschen und auswärtigen Fans. Da macht sich die 1. Liga im Wortsinne bezahlt.

„Mindestens eine hohe fünfstellige Summe“ sei ihm in der 2. Liga flöten gegangen. „HSV, Bayern, Dortmund, Schalke, Köln, Gladbach“, zählt er auf, die Fanscharen mitbrächten. Stuttgart, St. Pauli, Union Berlin und 1860 München seien in Ordnung gewesen, aber insgesamt nicht vergleichbar. Froh ist Klemke über die Verschiebung der Anstoßzeiten. „13 Uhr am Sonnabend, da kommt niemand eine Stunde vorher. Am Sonntag trinken die Leute sowieso weniger. Und die Montagsspiele wurden im Free-TV übertragen.“

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